Heinrich Kuhn (links) sprach Günther Schöttle zum Abschied seinen Dank aus. Foto: Panetta

Die AfD wählte am Wochenende ihren Bundestagskandidaten. Doch das verkam bei der Parteiversammlung fast zur Nebensache. Denn Günther Schöttle, langjähriger Sprecher des Kreisverbandes, verkündete seinen Rücktritt. Drei weitere Vorstandsmitglieder taten es ihm gleich.

Paukenschlag bei der AfD: Bei der Parteiversammlung am vergangenen Samstag in Herzogsweiler sind vier Vorstandsmitglieder des Kreisverbandes Calw/Freudenstadt zurückgetreten.

 

Das bestätigt Günther Schöttle, bisheriger Sprecher des Verbandes, auf Nachfrage unserer Redaktion. Bisheriger Sprecher deshalb, weil er einer derjenigen ist, die am Samstag von ihren Ämtern zurückgetreten sind.

Wahl war ungültig

Dabei ging es in der Versammlung eigentlich vorrangig darum, einen Kandidaten zu finden, der für die AfD bei der Bundestagswahl am 23. Februar antreten soll.

Hier wurde in einer ersten Wahl der Bad Wildbader Stadtrat Mathias Fey gewählt.

Die Wahl war aber ungültig gewesen, weil es einen Verfahrensfehler gegeben habe, wie Schöttle bereits in der vergangenen Woche unserer Redaktion auf Nachfrage mitgeteilt hatte.

Fey erscheint nicht

Wie in der Zeit zwischen den beiden Wahlen bekannt wurde, gibt es mittlerweile einen rechtskräftigen Strafbefehl gegen Fey.

Darin sei laut Staatsanwaltschaft festgestellt worden, „dass Herr Fey als Fahrer eines Pkw in Bad Wildbad eine Fußgängerin, welche die Fahrbahn querte, aus Unachtsamkeit erfasst“ habe „und sich, ohne die notwendigen Feststellungen zu ermöglichen, vom Unfallort entfernt“ habe. „Dabei fuhr Herr Fey ohne Fahrerlaubnis.“ Die Fußgängerin habe eine Armfraktur erlitten.

Nach diesen Vorwürfen distanzierte sich die AfD von Fey und kündigte disziplinarische Maßnahmen an, die einstimmig beschlossen worden seien. Ein Parteiausschlussverfahren „werde vorbereitet – sollten sich die Vorwürfe bestätigen“.

Lamparter setzt sich bei Kampfabstimmung durch

Für die neuerliche Wahl des Bundestagskandidaten spielte dies indes keine Rolle mehr. Laut Schöttle sei Fey erst gar nicht zu der Parteiversammlung erschienen.

Stattdessen sei es zu einer Kampfabstimmung zwischen Martina Böswald, einer laut Schöttle „hoch kompetenten“ Anwältin aus dem Kreisverband Hochschwarzwald, und dem Freudenstädter Stadtrat Raimond Lamparter gekommen. Lamparter setzte sich schließlich mit 29 zu 21 Stimmen durch und soll nun den Bundestagswahlkampf führen.

Sorge um Entwicklung

Und warum nun Schöttles Rücktritt? Bei der Versammlung sei er aus persönlichen Gründen zurückgetreten, weil er sich mehr um seine Familie kümmern wolle.

Auf Nachfrage gab er dann aber noch an, dass er „die Entwicklung in Deutschland und auch in der AfD mit Sorge betrachte“. Neben Schöttle traten nach seinen Angaben auch die stellvertretende Sprecherin Angelika Reuter sowie die beiden Beisitzer Reinhard Cordshagen und Dylan Dörr zurück. Bis zur nächsten Wahl im Frühjahr soll derweil Marcus Lotzin die Geschäfte führen.

Seine Mandate im Calwer Kreistag, dem Nagolder Gemeinderat und der Regionalversammlung will Schöttle behalten. In allen Gremien ist er Fraktionsvorsitzender seiner Partei.