Mit Klemmbrett und Unterschriftenliste sammeln Betrüger für vermeintlich Bedürftige. (Symbolbild) Foto: Nadja Varsani

Kriminelle geben sich in Donaueschingen offenbar als Spendensammler aus. Das beobachtet Mete Ünal. Die Polizei warnt vor der bekannten Betrugsmasche.

Ihm seien das Klemmbrett und die aufdringliche Ansprache von Passanten aufgefallen, sagt Mete Ünal, Jura-Student und ehrenamtlicher Rettungssanitäter aus Hüfingen. Am Dienstag, 2. Dezember, beobachtete er gegen 15 Uhr drei verdächtige Personen auf dem Parkplatz des Drogeriemarkts (dm) in Donaueschingen.

 

Ünal sagt, er habe direkt reagiert und die Polizei alarmiert. „Als ich sah, wie Bürgern das Klemmbrett vorgehalten wird, habe ich mein Handy gezückt und bin in mein Auto gestiegen. Zu der Zeit fuhr ich einen Einsatzwagen mit Blaulicht auf dem Dach. Trotzdem kam ein Mitglied des Trios und klopfte mehrfach penetrant an meine Scheibe.“ In der Folge seien die mutmaßlichen Betrüger geflüchtet.

Betrüger nutzen Spendenlaune aus

Die Polizei Konstanz teilt mit, dass ihnen der beobachtete Fall aus Donaueschingen bekannt ist. Derzeit könnten jedoch keine weiteren Details genannt werden. Täter nutzten die Haupteinkaufszeiten, um die Spendenbereitschaft von Menschen zu missbrauchen.

„Solche Betrugsmaschen kommen nicht nur in der Vorweihnachtszeit vor, wobei die Betrüger um diese Jahreszeit sicher auf besondere Gutmütigkeit und Spendenlaune ihrer Opfer hoffen“, erklärt Katrin Rosenthal von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Konstanz.

Die Betrugsmasche wurde zuvor schon im Stuttgarter Raum beobachtet. Die Ludwigsburger Polizei warnte bereits im August vor falschen Spendensammlern. Diese geben sich als Gehörlose aus und sammeln mit Klemmbrett für eine angebliche Hilfsorganisation. Das Vorgehen der Täter bei der Klemmbrett-Masche ähnelt anderen Vorgehen, die über geschickte Ablenkungsmanöver funktionieren.

Mete Ünal beobachtete ein verdächtiges Trio auf dem Parkplatz des dm-Marktes. Foto: Mete Ünal

Die Klemmbrett-Betrüger sind meistens in kleinen Gruppen unterwegs. Eine Person trägt dabei ein Klemmbrett mit einer Unterschriftenliste. Oft stehen in dieser Spendenliste bereits Eintragungen, sodass es den Anschein einer seriösen Aktion mache, so erklärt es der Bochumer Kriminalkommissar Klaus Tigges auf der Internetseite www.polizei-dein-partner.de. Dabei erleichtern die Betrüger die Passanten häufig nicht nur um die Spende. Situativ nutzen sie das Klemmbrett als Ablenkung und verschaffen sich Zugang zur Handtasche oder zum Geldbeutel.

Geldbörse verborgen lassen und Abstand halten

Schützen kann man sich, indem man Abstand hält und die Geldbörse verborgen lässt. Wer spenden möchte, macht dies am besten über den schriftlichen Weg an eine seriöse Organisation. Klaus Tigges empfiehlt, lose Münzen griffbereit zu haben, falls man auf der Straße spontan etwas an Hilfsbedürftige geben möchte.

Oft machen sich Diebe das Gedränge bei Veranstaltungen, in Geschäften oder öffentlichen Verkehrsmitteln zunutze. Laut der polizeilichen Kriminalstatistik für 2024 wurden 107.720 Taschendiebstähle angezeigt. Dabei machten die Diebe 52,4 Millionen Euro Beute. Auch Weihnachtsmärkte sind beliebte Orte für Taschendiebstähle.

„Sollte man Opfer einer solchen Straftat werden, dann sollte man als Erstes Anzeige bei der zuständigen Polizei erstatten“, empfiehlt Rosenthal.

Die Kampagne

Taschendiebstahl-Prävention
In einer europaweiten Präventionskampagne macht die Bundespolizei zusammen mit europäischen Partnern auf Taschen- und Trickdiebstähle aufmerksam. Ziel der Kampagne ist es, Menschen über typische Verlaufsweisen und Tricks von Taschendieben aufzuklären. Dazu gehört zum Beispiel die Ablenkung durch „Anrempler“, „Drängler“ oder „Falsche Touristen“. Die Kampagne gibt praktische Verhaltensregeln wie beispielsweise Wertsachen nah am Körper tragen, Geld und Karten getrennt aufbewahren, Taschen verschlossen halten und in Menschenmengen besonders wachsam sein. Zur Aufklärung gibt es kostenlose Broschüren und Videos, zu finden im Internet unter www.polizei-beratung.de.