In Lörrachs Kirchen sind über Ostern zahlreiche Gottesdienst gefeiert worden. Einen besonderen inhaltlichen Akzent setzte Pfarrerin Martina Schüßler in der Nikolauskirche in Hauingen.
Das Osterfest wurde meistens mit Gottesdiensten meist am Vormittag und Treffs mit Osterfeuern im Dunkeln beginnend für Frühaufsteher gefeiert. Einen speziellen inhaltlichen Akzent setzte Pfarrerin Martina Schüßler in Hauingen.
Sie verband ihre Gottesdienste zum Osterfest (Gründonnerstag, Karfreitag und Ostersonntag) zu einer Linie, in der es darum ging Jesu Tod am Kreuz (Karfreitag) und seine Auferstehung am dritten Tag danach (Ostern) ihrer Gottesdienstgemeinde als gedankliche Einheit zu vermitteln. Dabei rückten vor allem die Frauen dieser Geschichten in den Blick.
Diesen Blick auf die Frauen in der Leidensgeschichte Jesu Christi (Tod am Kreuz) und seiner Auferstehung (Osterbotschaft) verstärkte Schüßler mit dem Roman „Marias Testament“ des Iren Colm Tóibín (geboren 1955). Schüßler zeigte, wie schon die Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes die Frauen in ihre Verkündigung einbringen.
Eine Frau salbt Jesus
Die zentralen Stücke ihrer Jesusgeschichten (Kreuzigung, Tod und Auferstehung) sind primär männlich besetzt. Und doch kämen die Frauen dazu. Vor Jesu letztem Abendessen mit seinen zwölf Jüngern (Abendmahl an Gründonnerstag) gibt es schon ein Mahl, wo sich eine Frau dazugesellt, die Jesus verehrt und ihn mit teurem Öl salbt, was Männer damals aufbringt.
An Karfreitag, bei der Kreuzigung, stehen Maria, Jesu Mutter, und ihre Schwester besorgt in der Nähe. Und an Ostern sind es Frauen, darunter mehrere mit Namen Maria, die zuerst von den Engeln am Grab erfahren, dass Jesus, ihr Sohn, Herr und Freund, auferstanden sei.
Und Schüßler vertieft dies auch mit Worten aus dem Roman von Tóibín: „Ich (Maria) war dort. Ich floh, bevor es vorbei war, aber wenn ihr Zeugen braucht, dann bin ich eine Zeugin, und wenn ihr sagt, dass er die Welt erlöst hat, dann sage ich, dass es das nicht wert war.“
Diese menschlich naheliegenden, kirchlich aber provozierenden Worte der Maria bei Tóibín passen auch zu den bewegten Überlegungen von Frauen im Nachgespräch zum Karfreitagsgottesdienst mit Pfarrerin Schüßler in einer Sofaecke der Nikolauskirche. Unter dem Eindruck von Jesu Tod zur Erlösung der Menschen gibt es Bedenken.
Und in Illustration zum Roman von Tóibín, der Maria in ihrer Menschlichkeit gegenüber der eher männlichen Verkündigung zu Jesus Christus zeigt, gibt es in der Gesprächsrunde zu Schüßlers Gottesdiensten auch einen Hinweis auf ein Gemälde von Max Ernst (1891 bis 1976) das zeigt, wie Maria ihren Bub Jesus eher unheilig auf seinem nacktem Hintern versohlt.
Frauen hören die Botschaft
Schüßler lenkt auch in ihrer Osterpredigt wieder die Aufmerksamkeit besonders auf die Rolle der Frauen im Evangelium. Sie waren es, denen zwei Engel die Botschaft von der Auferstehung Christi zuerst mitteilten. Diese Frauen – beide hießen Maria – wirken in ihrer Menschlichkeit heute einladend: „Die Mutter (Maria) kann es nicht verstehen, dass ihr Sohn am Kreuz hat sterben müssen. Und als sie es buchstäblich begreifen will, geht auch das nicht: Jesus ist schon auf dem Rückweg nach Galiläa – sagt der Engel.“ (Martina Steinkühler).