Mit Rückenwind aus Stuttgart und klaren Zusagen mehrerer Kommunen nimmt die angestrebte Reaktivierung der Kandertalbahn im Kreis Lörrach neue Fahrt auf.
Der Einstieg in die Planung zur Reaktivierung der Kandertalbahn rückt in greifbare Nähe: So ist der Finanzierungsanteil der anliegenden Städte für die weiteren Planungen in trockenen Tüchern. Denn: Kandern übernimmt mit bis zu 560 600 Euro einen fast doppelt so hohen Anteil (wir berichteten). An einem „kleinen Stolperstein“ soll das Vorhaben aber nicht scheitern, wie es in der Kreistagssitzung am Mittwoch hieß. Ulrich Hoehler, Erster Landesbeamter und Dezernent für Mobilität, informierte über den aktuellen Stand der geplanten Reaktivierung der Kandertalbahn.
Technisch machbar
Unterschiedliche Gutachten hatten der Ertüchtigung der Bahntrasse, die seit 1986 nur noch für die Museumsbahn genutzt wird, zwar eine Machbarkeit, aber keine Wirtschaftlichkeit bescheinigt. Doch mit der jüngsten Studie im Jahr 2023 und einer Nachuntersuchung auf Basis neuer Rechenregeln wendete sich das Blatt. „Eine Reaktivierung sei nicht nur technisch machbar, sondern auch volkswirtschaftlich sinnvoll“, heißt es in einem Schreiben von Landesverkehrsminister Winfried Hermann, das sich an Landrätin Marion Dammann und die Bürgermeister der Anrainerkommunen richtet. „Aus unserer Sicht besteht ein ordentliches Potenzial und mit der Einbindung in die S-Bahn Basel eine große Chance für die Verbesserung der grenzüberschreitenden Mobilität in der Region“, erklärt der Minister in seinem Brief vom 17. November.
Nun gelte es, zügig die weitere Planung der Leistungsphasen 1 und 2 sowie die Vergaben für einen Wirtschaftlichkeitsnachweis anzugehen. Die ersten beiden Planungsphasen seien aus seiner Sicht ein wichtiger Schritt, um viele Fragen vor Ort rund um die Reaktivierung beantworten zu können. Und als Teil der Leistungsphase 2 gehöre auch eine genaue Kostenschätzung dazu, erklärt Hermann.
Rund 2,6 Millionen Euro
Auf Basis der Ergebnisse der auf drei Jahre angelegten Leistungsphasen 1 und 2 kann letztlich entschieden werden, ob die Reaktivierung tatsächlich umgesetzt wird. Allein diese ersten beiden Phasen werden mit gut 2,6 Millionen Euro veranschlagt, von denen das Land Baden-Württemberg nach Aussagen aus dem Verkehrsministerium die Hälfte übernehmen will. Gelder, die auch dann nicht zurückgezahlt werden müssten, wenn das Projekt am Ende doch nicht umgesetzt wird, wie zu erfahren war. Unterdessen hatte der Kreistag im Oktober beschlossen, im Ergebnishaushalt 2026 bis 2028 insgesamt 700 000 Euro bereitzustellen.
Chancen erkennen
Die bis Ende vergangenen Jahres geforderten Zusagen der betroffenen Kommunen liegen mittlerweile vor. Für einen Eklat sorgte zuletzt die Stadt Weil am Rhein, weil der Gemeinderat eine Kostenbeteiligung an den nächsten Planungsphasen mehrheitlich ablehnte. Auch die Gemeinde Binzen wird keinen Eigenanteil beisteuern.
Derweil hat der Kanderner Gemeinderat am Montag beschlossen, in die Bresche zu springen und seine Beteiligung von 270 000 auf bis zu 560 000 Euro zu erhöhen. Rümmingen wird 93 400 und Wittlingen 46 000 Euro beisteuern – allerdings unter dem Vorbehalt, dass sich diese Mittel über das Sondervermögen Infrastruktur des Bundes gegenfinanzieren lassen. Für diesen vergleichsweise kleinen Betrag werde man sicher eine Lösung finden, merkte Hoehler an. „Wer nur Risiken sucht, wird Chancen nicht erkennen“, meinte Kanderns Bürgermeisterin Simone Penner (CDU). Sie zeigte sich optimistisch, auch eine Lösung für „den kleinen Stolperstein“ zu finden. Es sei eine kleine Summe, man prüfe alle Optionen, so Penner. Die Bürgermeisterin will weitere Mitfinanzierer suchen und ein Spendenkonto einrichten. Glücklich über das klare Bekenntnis zur Reaktivierung zeigte sich Daniela Meier (Freie Wähler). „Wir haben keine Zeit für Ehrenrunden, das Projekt darf nicht scheitern.“
Wichtige Grundlage
Dass man nun eine Grundlage für klare Entscheidungen brauche, befand Gabriele Weber (SPD), während Gerhard Zickenheiner (Grüne) Kandern, Wittlingen und Rümmingen seine Hochachtung aussprach.
Zudem ging der Grünen-Kreisrat auf ein an die Landrätin gerichtetes Schreiben der Glatt-Gruppe aus Binzen ein. Demnach schließt das an der Trasse liegende Unternehmen aus, Grundstücke für eine eventuelle Reaktivierung zu verkaufen. Eugen Katzenstein (Freie Wähler) forderte eine Prüfung, bevor man den Geldbeutel ganz öffne. Antworten würden die Ergebnisse der Leistungsphasen 1 und 2 liefern, erklärte Penner. „Eine Abstimmung mit den Anliegern ist natürlich erforderlich.“ Dass man das Schreiben prüfe, bestätigte dann auch Hoehler.