Der ehemalige Kindergarten in der Nagolder Straße wird übergangsweise zum Schulgebäude. Doch der Zeitplan ist straff. Foto: Thomas Fritsch

Rund 1,9 Millionen geschätzte Kosten, weniger als acht Monate Bauzeit: Das Projekt, den alten Kindergarten in der Nagolder Straße auf Vordermann zu bringen, ist – gelinde gesagt – ambitioniert. Doch die Uhr tickt. Schon im September 2025 soll dort der Unterricht beginnen.

Wer einen Altbau saniert, sollte mit vielem rechnen. Etwa mit unvorhergesehenen Problemen in der Bausubstanz. Und dass alles ein bisschen länger dauern könnte.

 

Das ist auch Gemeinderat und Verwaltung in Neuweiler bewusst. Umso ehrgeiziger wirkt vor diesem Hintergrund Neuweilers neuestes Vorhaben.

Wie der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung beschloss, wird der ehemalige Kindergarten in der Nagolder Straße, der aktuell noch zu einem kleinen Teil genutzt wird, nun saniert.

Das Vorhaben

Der Hintergrund: Der Landkreis Calw möchte dort übergangsweise die Platzprobleme der Karl-Georg-Haldenwang-Schule in Sommenhardt lösen und die Räume in Neuweiler für rund fünf Jahre anmieten – mit einer Option für eine Verlängerung.

Vorgesehen ist der Einbau von insgesamt acht Klassenräumen. Der im Gebäude vorhandene Turnraum bleibe weiterhin abends für Vereine nutzbar.

Damit das klappt, ist für das Gebäude nun im Einzelnen etwa geplant, das Dach zu sanieren und zu dämmen, marode Wasserleitungen auszutauschen, zahlreiche Fenster zu ersetzen, Sanitäranlagen und Elektrik zu erneuern.

Zeitplan mit Unsicherheiten

Und das alles bis Ende August – also in weniger als neun Monaten –, damit im September der Unterricht dort beginnen kann. Die eigentliche Bauzeit wird sogar nochmals deutlich kürzer sein. Denn vor dem neuen Jahr dürfte dort rein baulich nichts geschehen.

Nur „ein extrem enger Rahmen“ stehe damit für das Projekt zur Verfügung, räumte Architekt Michael Pfeifle in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats Neuweiler ein. Zumal es einige Unsicherheiten gebe, die sich noch nicht voraussehen ließen.

Zum Beispiel, „ob wir da Handwerker kriegen“, wenn erst wenige Wochen vor Baubeginn überhaupt ausgeschrieben werde, meinte Pfeifle.

Denkmal- und Brandschutz könnten jeweils noch für zusätzliche Arbeiten sorgen. Möglicherweise mache das Wetter beim Bauablauf einen Strich durch die Rechnung.

Und dann könnten natürlich noch „Überraschungen aus dem Gebäude selber“ kommen – etwa hinsichtlich der Bausubstanz, die in alten Häusern mitunter auch schlechter aussieht, als erhofft.

Finanzen

Was die Kosten betrifft, so nannte der Architekt eine erste grobe Schätzung: etwa 1,9 Millionen Euro. Etwa 50 Prozent davon würden jedoch mit dem Landessanierungsprogramm finanziert, erklärte Bürgermeister Martin Buchwald. Auch der Landkreis beteilige sich, ganz vorsichtig geschätzt, mit 100 000 Euro oder mehr.

Am Ende bleibe wohl ein Betrag von 900 000 Euro an der Gemeinde hängen – oder entsprechend mehr, sollten die Baukosten steigen. Der Zuschuss wachse dann aber gewissermaßen mit und betrage immer etwa die Hälfte der tatsächlich entstehenden Kosten.

Was bei der Finanzierung der Maßnahme zudem helfen dürfte, sind die Mieteinnahmen. Rund 360 000 Euro sollen innerhalb der angedachten fünf Jahre fließen – möglicherweise mehr, falls die Räume länger gebraucht werden.

Buchwald sprach daher auch von einer „einmaligen Chance“, die sich nun biete. Wenn die Schule wieder ausgezogen sei, habe man ein fertig saniertes, in großen Teilen bereits bezahltes Haus für die nächsten Jahrzehnte, das zudem durch kleinere Maßnahmen schnell wieder als Wohnraum weiter vermietet werden könnte.

Das sagt der Gemeinderat

Kaum überraschend, dass sich auch der Gemeinderat angetan zeigte. „Das ist natürlich ein dicker Brocken für uns“, meinte zwar Bernd Greule mit Blick auf die Kosten.

Das Gremium sei sich aber immer einig gewesen, das „wunderschöne, historische Gebäude“ erhalten zu wollen, das auch das Ortsbild mitpräge. Zudem gebe es damit eine sinnvolle Nutzung, die zugleich bei der Finanzierung helfe. Und nicht zuletzt bereichere eine Schule auch die Gemeinde.

Reinhard Kussack freute sich ebenfalls über die Gelegenheit, das Haus so retten zu können. Da der Zeitplan jedoch extrem knapp sei – was, wenn es nicht klappe? Pfeifle erwiderte, dass manche Maßnahmen auch noch beendet werden könnten, wenn der Schulbetrieb bereits laufe.

„Am besten gleich nach Dreikönig“

Barrierefreiheit lasse sich dagegen nicht herstellen, erklärte er auf Kussacks Nachfrage. Das werde aber für den angedachten Zweck auch gar nicht benötigt.

Der Zeitplan machte indes auch Jonathan Stockinger Sorgen. Da nicht zuletzt Architekt Pfeifle erklärt hatte, dass es „am besten gleich nach Dreikönig“ mit dem Ausräumen losgehen sollte, regte Stockinger an, ob hier nicht der Bauhof bereits entrümpeln könnte.

„Das kriegen wir sicher hin“, erwiderte Buchwald. Allerdings sei es damit nicht getan, es müssten beispielsweise auch alte Toiletten und andere Teile der Bausubstanz entfernt werden. „Da brauchen wir Unterstützung.“

Der Rat sprach sich am Ende einstimmig für das Vorhaben aus – und fällte damit auch gleich den Baubeschluss.