Die Festhalle in Ostelsheim war beim Neujahrsempfang gut besucht. Foto: Felix Biermayer

Bürgermeister Ryyan Alshebl kündigt an, dass der Gemeinderat am Freitag über einen Bürgerentscheid zu den geplanten Windrädern abstimmt. Er hält die Diskussion zum Thema für wichtig – und die Gäugemeinde für ein gutes Beispiel eines guten Miteinanders.

Windräder sind zentraler Bestandteil der Energiewende. Auch in Ostelsheim gibt es Pläne für die Errichtung dreier Windenergieanlagen. Sie sollen im Bereich „Lochwald“ gebaut werden, wo der Regionalverband ein Vorranggebiet ausgewiesen hat. Die Gemeinde hat bereits einen Gestattungsvertrag mit den Stadtwerken Tübingen (SWT) unterschrieben. Im Landkreis Böblingen schließt sich auf der Gemarkung Dätzingen ebenfalls ein Vorranggebiet direkt an.

 

Abstimmung am 13. April geplant

Doch in Ostelsheim formiert sich Widerstand. Etwa 1000 Unterschriften hat der Verein „Freie Landschaft Ostelsheim“ nach eigenen Angaben gesammelt – und zwar für einen Bürgerentscheid über das Vorhaben. Diesem Vorstoß schließt sich nun auch Bürgermeister Ryyan Alshebl an. „Ich will für Klarheit sorgen“, sagte er beim Neujahrsempfang. Deshalb werde der Gemeinderat am Freitag darüber entscheiden, ob es einen Bürgerentscheid zu den Windrädern gibt. Falls das Gremium zustimmt, finde die Abstimmung am 13. April statt. Dessen Ergebnis sei für den Gemeinderat dann bindend.

Beim Neujahrsempfang kündigte Ryyan Alshebl an, dass der Gemeinderat über einen Bürgerentscheid zum Windradbau abstimmen werde. Foto: Felix Biermayer

Alshebl machte aus seiner Position zum eigentlichen Thema keinen Hehl. Er will die Windräder. Die würden bei der Erreichung der Klimaziele helfen, nachhaltige Energie liefern und dazu noch Geld in die Gemeindekasse bringen. Deshalb habe man auch einen Gestattungsvertrag mit den SWT unterschrieben. Sollte der Bürgerentscheid für die Windräder positiv ausfallen, komme im August die Wirtschaftlichkeitsprüfung der SWT. Bei einem Votum gegen die Windräder werde die Kommune aus diesem Vertrag aussteigen, müsse dann aber an die SWT eine Erstattung für die bisher entstandenen Kosten zahlen. Wie hoch diese sind, könne er aktuell noch nicht sagen.

Alshebl lobt sachliche Debatte

Die Gegenseite, so Alshebl, sehe im „Lochwald“ den falschen Ort für Windräder. Alle Informationen seien auf der Homepage der Gemeinde verfügbar. Er unterstrich auch, dass der Gemeinderat einen Eid abgelegt habe, zum Wohl des Ortes zu entscheiden und auch die Vertreter im Gremium gewählt seien. Trotzdem gebe es den Vorwurf mangelnder Transparenz. Und der Wunsch nach mehr Diskussion und Einbindung sei deutlich spürbar. Diskussionen seien wichtig, brauchten aber auch ein Ergebnis. Deshalb sei er für den Bürgerentscheid.

Alshebl betonte aber, dass die Diskussion bisher sehr konstruktiv abgelaufen sei. Er lobte die „sachliche und respektvolle Art“ der Debatte. Er freute sich, dass es in Ostelsheim harmonischer zugehe, als bei bundesweiten Debatten. Er erinnerte an die Flugtickets der AfD in Karlsruhe, mit welchen die Partei Migranten zum Abhauen aufgefordert habe. Aggressive Rhetorik und hämische Provokation seien inakzeptabel. Man müsse gemeinsam für die Werte eintreten, welche „unsere Gemeinschaft zusammenhalten“. Dafür gab es Applaus aus der vollen Festhalle.

Rückblick auf 2024

Der Bürgermeister blickte noch auf 2024 zurück: Norma-Eröffnung, Gemeindeentwicklungskonzept, Sanierungskonzept für den Ortskern, Dorfcafé, neue Buslinie nach Stuttgart, Vereinsförderung, Sanierung der Schule. Gemeinsam habe man viel geschafft oder angestoßen.

Auch das „Jahrhundertprojekt“ Hermann-Hesse-Bahn (HHB) solle 2025 endlich abgeschlossen werden. Diese Aussage sorgte für Lachen in der Halle. Und auch Alshebl schien noch nicht so ganz an die Inbetriebnahme im Dezember zu glauben. Auch kritisierte er die bürokratischen Hürden. „Es gibt keine Vorschrift, die gesunden Menschenverstand ersetzt“, sagte er. Vom Nutzen der HHB für den Ort zeigte er sich aber weiterhin überzeugt. Beim nächsten Neujahrsempfang werden die meisten Gäste hoffentlich schon mit der Bahn gefahren sein, meinte Alshebl.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus Mack sprach den Menschen trotz vieler Krisen Mut zu. Zwar seien die Wirtschaftszahlen schlecht, die Prognose für Europa aber gut. Das zeige, dass sich die Probleme lösen ließen. Mut mache ihm auch, dass sich so viele Menschen wie noch nie ehrenamtlich engagieren. Diese „Schaffermentalität“, die es in Ostelsheim und der Region gebe, bräuchte es auch in Berlin. Er rief die Menschen dazu auf, am 23. Februar zur Wahl zu gehen.

Gedenken an Rainer Sixt

Musikalisch wurde der Neujahrsempfang von der Ostelsheimer Stubenmusik umrahmt. Alshebl erinnerte deshalb an den Dirigenten Rainer Sixt. Der war im vergangenen Sommer überraschend verstorben. „Ostelsheim hat nicht nur einen äußert talentierten Musiker verloren, sondern auch einen leidenschaftlichen Bürger, der sein Herz und seine Seele in die Gemeinschaft investiert hat“, so Alshebl. Sixt werde dem Ort „schmerzlich fehlen“. Sixt wurde mit einer Schweigeminute gedacht.