Zur symbolischen Schlüsselübergabe in Form eines Hefezopfs stellten sich die Hauptakteure und Redner für ein Foto zusammen. Foto: Alexandra Günzschel

Bisher mussten die meisten Menschen mit psychischen Problemen nach Emmendingen fahren. Jetzt wurde das Zentrums für seelische Gesundheit Lörrach (ZsG) eingeweiht.

Dieses steht unter der Trägerschaft des ZfP Entsprechend groß wurde die offizielle Einweihung am Samstag gefeiert. Auch Landesgesundheitsminister Manne Lucha war gekommen.

 

Das Land hat das Zentrum mit 51 Millionen Euro unterstützt. Derweil lässt die Betriebsaufnahme im neuen Gebäude weiter auf sich warten. Die Inbetriebnahme der Kliniken für Erwachsenenpsychiatrie und Psychotherapie sowie für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie wurde nun auf den 15. Juni verschoben. Probleme mit der Wasserversorgung hatten zu der Verzögerung geführt, wie ZfP-Geschäftsführer Michael Eichhorst den Gästen erläuterte.

103 stationäre Plätze für Erwachsene

Eichhorst konnte sich nicht erinnern, dass in den vergangenen 50 Jahren irgendwo ein größerer Psychiatriestandort eröffnet worden wäre. 103 stationäre Plätze für Erwachsene stehen in dem Gebäude künftig bereit.

Hinzu kommen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie 30 stationäre und 15 tagesklinische Plätze in Lörrach sowie weitere 15 tagesklinische Plätze in Lauchringen. Denn das ZsG Lörrach übernimmt den Auftrag zur Vollversorgung auch für den Landkreis Waldshut-Tiengen sowie für Teile des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald.

Eine Besonderheit, die ihresgleichen suche, sieht Eichhorst in der Verschränkung zwischen Psychiatrie und somatischer Medizin, die durch die gläserne Brücke zum neuen Dreiland-Klinikum ihren sichtbaren Ausdruck findet. Das bringt Vorteile überall dort, wo seelische Gebrechen mit körperlichen einhergehen. „Eine psychiatrische Versorgung gehört mitten in die Gesellschaft. Wir wollen für Sie da sein“, bekräftigte der Geschäftsführer. Ganz besonders hob er das Engagement des Ministers hervor, der als nächstes das Wort ergriff.

Blick ins Innere Foto: Alexandra Günzschel

Jeder Dritte leide in seinem Leben einmal an einer behandlungswürdigen psychischen Erkrankung, erklärte der scheidende Gesundheitsminister von Baden-Württemberg. Psychosen, so wusste er zu berichten, hätten auch etwas mit Reizüberflutung zu tun, ein Problem, das in unserer modernen Welt zunehme. Zumeist treffe diese sozialtoxische Indikation junge Leute, die gerade anfangen wollten, ihr Leben zu gestalten. Gerade für sie brauche es eine verständnisvolle Umgebung, professionelle Hilfsangebote und dazu ein wertschätzendes Menschenbild. „Es gibt keine Ränder. Alles passiert in der Mitte der Gesellschaft“, zeigte sich Lucha überzeugt.

Es wäre gut gewesen, zwei Jahre früher anzufangen

Würde sie diesen schwierigen Weg noch einmal gehen? Landrätin Marion Dammann beantwortete diese Frage, die ihr oft gestellt werde, mit einem klaren Ja. Doch wäre es gut gewesen, zwei Jahre früher anzufangen, sagte sie rückblickend. Der Neubau ermögliche erkennbar eine qualitativ hochwertige Versorgung in Kombination mit attraktiven Arbeitsplätzen.

Aus der Idee sei ein Ort entstanden, „der Menschen hilft, sie begleitet und ihnen wieder Perspektiven eröffnet“. Es sei ein Ort der Begegnung, der Hoffnung, der professionellen Hilfe und menschlichen Nähe. Neugierig zeigte sich Dammann auf die angekündigte Führung durchs Gebäude, das sich durch seine heilende Architektur auszeichnen soll.

Minister Lucha kam nach Lörrach. Foto: Alexandra Günzschel

Lörrachs Oberbürgermeister Jörg Lutz erinnerte an die Anfangsschwierigkeiten, einen geeigneten Standort zu finden. Auch er begrüßte das ZsG in der Mitte der Stadtgesellschaft als ein Gegenmittel zu Stigmatisierungstendenzen, die noch immer existierten.

Stephan Schieting, Medizinischer Direktor des ZfP Emmendingen, ging auf die Anfänge der psychiatrischen Versorgung im Landkreis Lörrach ein. So konnte nach dreijähriger Planung im Jahr 2003 die Psychiatrische Tagesklinik Lörrach in Betrieb genommen werden. Im Jahr 2010 folgte die Psychiatrieabteilung im Krankenhaus Schopfheim. Nun soll der Aufbau der Erwachsenenpsychiatrie stufenweise fortgeführt werden, bis mit der Eröffnung des Dreiland-Klinikums im kommenden Jahr die Voll- und Notfallversorgung etabliert werden kann.

„Wir sind froh, dass wir bald auch junge Erwachsene behandeln dürfen“, sagte Chefarzt Clemens Keutler. Denn im Jugendbereich soll auch eine Adoleszentenstation entstehen. Keutler wies auf das Problem hin, dass eine Behandlung mit dem Übergang ins Erwachsenenalter oft abrupt abbricht, da neue Ärzte gefunden werden müssten.

„Wir wollen nah am Patienten sein“

Almut Koß, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, freute sich darauf, dass es nun endlich losgehen kann. Sie gehört zu den wenigen Rückkehrerinnen aus der Schweiz und möchte nun gemeinsam mit anderen etwas Neues auf die Beine stellen. Das trifft auch auf Axel Pickhardt zu. „Wir wollen anziehend für die Bevölkerung sein und nah beim Patienten“, sagte der Pflegeleiter. „Mit einem Team, das bereit ist mitzugestalten, kann etwas Gutes entstehen“, ergänzte Andrea Trinler-Hinkelmann, die leitende Oberärztin auf der Kinderstation.

Viel Grün Foto: Alexandra Günzschel

Beim Rundgang durch die Stationen, darunter auch eine Krisenstation mit nur 15 statt 22 Plätzen, stachen die Dachgärten besonders ins Auge. Aber auch Gemeinschafts- und Entspannungsräume sowie schöne Aussichten lassen eine Wohlfühlatmosphäre trotz noch fehlender Dekoration bereits erahnen

t Text Text Text Text]