Natascha Frank von der Abteilung Forschungsprojekte bei Fair’n Green, Christian Fin, Außenbereichsleiter des Weinguts und für die Bewirtschaftung der Rebflächen zuständig, und Nicole Weymann von Fair’n Green (v.l.) vor einer der neuen Gehölzreihen Foto: Silke Hartenstein

Mit dem Vitiforst-Projekt gehört das Weingut Blankenhorn in Schliengen zu den Pionieren in Südbaden. Was es damit auf sich hat, hat unsere Zeitung beim Besuch erfahren.

Das Schliengener Weingut pflanzt im Rahmen des Projekts 30 Bäume und 200 Sträucher in eine Rebfläche oberhalb seiner Spitzenlage Schliengener Sonnenstück.

 

Vor vier Jahren wurden auf der 0,6 Hektar großen Fläche die überalterten Pinot-Noir-Reben gerodet, seitdem lag die Rebfläche brach. Dieser Tage wurden dort zwei Reihen und eine Doppelreihe Sträucher und Bäume gepflanzt, darunter Elsbeere, Felsenbirne, Ahorn, Heckenrose und Ginster. Zwischen den Gehölzreihen ist Platz für jeweils acht Rebzeilen. 2100 Pinot-Noir-Stöcke werden im April gesetzt.

2031 rechnet Eigentümer Martin Männer mit dem ersten Vitiforst-Jahrgang. An ihn und seine Ehefrau Yvonne Männer hatte Roy Blankenhorn im Jahr 2014 das 1847 gegründete Weingut übergeben.

Christian Fin, Außenbereichsleiter des Weinguts und für die Bewirtschaftung der Rebflächen zuständig, sagt zum Vitiforst-Projekt: „Bäume und Sträucher wurzeln tiefer, holen Wasser aus tieferen Schichten hinauf. In Phasen von Trockenheit können darauf auch die weniger tief wurzelnden Reben zurückgreifen.“

Reben besser geschützt

Der Baumschatten sorge für ein kühleres Mikroklima, die Rebzeilen seien besser vor Hagel, starkem Regen oder Wind geschützt und die Gehölze würden Vögel, Insekten und Kleinstlebewesen anlocken. So entwickele sich eine höhere Biodiversität, die sich positiv auf die Qualität des Bodens und der Trauben auswirke.

Seit Februar steht zudem ein „Lebensturm“ mit Insektenhotels, Nistmöglichkeiten, Totholz- und Steinhaufen am Rand der Vitiforst-Fläche. Zweimal pro Jahr grasen Schafe im Weinberg. Ihre Huftritte verdichten oberflächlich den Boden, verringern so die Erosion, sparen zwei Mulchgänge pro Jahr und bringen natürlichen Dünger sowie Saatgut ein. Nach drei Jahren Umstellungsbetrieb gibt es im Weingut Blankenhorn dieses Jahr den ersten Biowein-Jahrgang.

Der „Lebensturm“ am Rand der Vitiforstfläche Foto: Silke Hartenstein

Dass die Ertragsfläche durch die Gehölzreihen sinkt, stört Männer nicht: „Unser Ziel war es nie, viel Wein zu produzieren – sondern guten.“ Zudem steige im Zuge des Klimawandels durch mehr Hitzetage das Risiko, dass die Trauben Sonnenbrand bekämen, was bis zu 30 Prozent Ernteeinbußen führe könne. Auch verkürze sich immer öfter der Zeitraum zwischen Rebblüte und Lese.

Vergleichsfläche daneben

All das führe zu höheren Alkoholwerten und dazu, dass sich nicht mehr die Aromastoffe entwickeln, die das Weingut für tiefgründigere Weine anstrebe. Nicht zuletzt sei der Weinkonsum rückläufig, was im Land zu mehr Brachflächen führen werde. Das bestätigt das Statistische Landesamt: 2025 ging die Zahl der Weinbauflächen in Baden um zwei Prozent zurück.

Direkt neben der neuen Vitiforstfläche dient eine „normale“ Rebfläche mit Pinot Noir als Vergleichsfläche. Das ganze Projekt wird mitgestaltet vom hessischen Büro Triebwerk und vom Verband für nachhaltige Landwirtschaft und Ernährung „Fair’n Green“. Laut Natascha Frank von der Abteilung Forschungsprojekte bei „Fair’n Green“ würden in den kommenden sechs Jahren Boden- und Blattproben auf Vitiforst- und Vergleichsfläche gezogen.

Kosten: rund 20 000 Euro im ersten Jahr

Fin schätzt für das erste Jahr die Kosten für die Vitiforstfläche samt Reben, Drahtanlage und Erstbewässerung auf rund 20 000 Euro. Die jungen Gehölzreihen, sagt Frank, würden durch eine Hackschnitzel-Mulchdecke vor Austrocknung geschützt, bei Bedarf würden Leitungen für Tröpfchenbewässerung gelegt. Gefördert werde das Projekt vom Bundesministerium für Landwirtschaft – wie hoch genau, könne sie aus dem Stand nicht sagen.

Männer fasst zusammen: „Wir sammeln mit diesem Projekt viele Erfahrungswerte, die nicht nur unserem Weingut und der Branche, sondern dem Gemeinwohl zugutekommen. Es sind Schritte in den Weinbau der Zukunft.“