Vorbild Stade: So könnte das Krematorium aussehen, das in Ichenheim geplant ist. Foto: Feuerbestattungen Stade

Die Pläne zum Bau eines privaten Krematoriums werden konkret – in Ichenheim gibt es jetzt einen Standort.

Nachdem die Initiatoren Ralph und Janik Rottenecker Mitte Mai ihr Vorhaben öffentlich gemacht hatten, war es ruhig geworden um den Bau eines privates Krematoriums in der Region. Im Hintergrund liefen die Planungen aber mit Hochdruck weiter, wie sich nun zeigt: Der Ichenheimer Ortschaftsrat beschäftigt sich am kommenden Mittwoch, 23. Juli, mit dem der Verkauf eines Grundstücks sowie der Aufstellung eines Bebauungsplans. Eine Woche später steht das Thema auf der Tagesordnung des Neurieder Gemeinderats.

 

Der Hintergrund ist hinlänglich bekannt: 2027 endet der Pachtvertrag der Stadt Lahr mit dem Betreiber der Einäscherungsanlage der auf dem Bergfriedhof. Dann will die Stadt selbst übernehmen – und nach einer umfangreichen Sanierung bis zu 300 000 Euro jährlich einnehmen. Dafür wurde bereits eine Gesellschaft gegründet, trotz der Aussicht auf private Konkurrenz. Bis zu 40 Bestatter wollen sich zusammentun, um ein eigenes Krematorium zu bauen, hatten sie angekündigt – und machen jetzt ernst.

Bislang galt Schuttern als Favorit

Galt bislang der Friesenheimer Ortsteil Schuttern als Standortfavorit, fiel die Wahl tatsächlich auf ein Grundstück in Ichenheim, wie aus den Ratsvorlagen der Neurieder Verwaltung hervorgeht. In unmittelbarer Nähe von Polizei und Feuerwehr sollte ursprünglich ein sogenannter Kreativ-Campus entstehen, bis dem Investor 2022 die (finanzielle) Luft ausging.

Liveübertragung vom Ofen

2024 begannen die Gespräche mit den Bestattern, die in diesem Jahr fortgesetzt wurden. Ergebnis: Es soll ein Krematorium mit einem „Haus des Abschieds“ gebaut werden. Nach der Inbetriebnahme – geplant auf Herbst 2027 – sind 3000 bis 4500 Einäscherungen pro Jahr vorgesehen. Neben der Feuerbestattungsanlage soll es einen Kühlraum für etwa 80 Särge, einen Raum für hygienische Versorgung sowie einen Abholdienst geben. Angehörige sollen durch ihren jeweiligen Bestatter begleitet werden. Zudem angedacht ist ein pietätvoll gestalteter Abschiedsraum für bis zu 40 Personen, eine Cafeteria sowie ein Garten. Die Übergabe des Sargs ans Feuer sollen Angehörige per Liveübertragung oder Videoaufzeichnung mitverfolgen können.

Sondergebiet soll entwickelt werden

Nach Angaben der Neurieder Verwaltung hat das Landratsamt bereits seinen vorläufigen Segen erteilt. Ziel sei es, aus dem Gewerbegebiet („Ichenheim Nord“) ein Sondergebiet („Krematorium“) zu machen und das Grundstück an die Investoren und späteren Betreiber zu verkaufen. Inklusive beidseitiger Rücktrittsrechte, wenn das Bebauungsplanverfahren scheitert, respektive die Vorhabenträger nicht wie angekündigt bauen. Die Anlage sei „grundsätzlich unbedenklich“, Lärm- und Geruchsemissionen aber noch durch entsprechende Gutachten abzusichern, heißt es aus dem Neurieder Rathaus. Anders herum sei zu beachten, dass das Krematorium selbst unter Lärmeinwirkungen von außen leiden könnte. Dazu soll es eine schalltechnische Untersuchung geben. Der Bestandsschutz der umliegenden Betriebe sei zu beachten, so die Gemeinde. Die Öffentlichkeit, insbesondere die direkten Anwohner, sollen im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens gehört werden.

Es läuft bereits eine Petition

Indes: So lange wollen nicht alle warten. Bereits am Dienstag wurde eine Online-Petition gegen das Krematorium gestartet. Demnach fürchtet die Initiatorin unter anderem „Gesundheitsrisiken durch Emissionen“ sowie „psychische Belastung durch die Nähe zu einer Bestattungsanlage“. Gefordert wird der sofortige Stopp der Krematoriumspläne und die Suche nach einem Standort fernab von Wohngebieten. Am Mittwochabend hatte die Petition gut 250 Unterstützer.

Gemeinde zeigt sich zuversichtlich

Die Gemeinde sieht derweil viele Vorteile durch das Krematorium, wie sie in der Vorlage auflistet: Neben kontinuierlichen wirtschaftlichen Impulsen könne das bislang ruhende Bebauungsplanverfahren abgeschlossen und in eine sinnvolle, dem Ort angemessene Nutzung überführt werden, mit einem „zuverlässigen und erfahrenen Partner“. Zudem werde mit dem Vorhaben auf den Wandel in der Bestattungskultur hin zu Feuerbestattungen reagiert. Auch mit „einer behutsamen Belebung des örtlichen Gastgewerbes“ durch die Trauerfeiern rechnet man. Nicht explizit erwähnt, aber sicher ein entscheidender Punkt: die zu erwartenden Einnahmen. Die Rotteneckers haben in der Vergangenheit von einem Gewerbesteuererlös im sechsstelligen Bereich gesprochen. Die Investitionssumme bezifferten die Ideengeber mit 4,5 Millionen Euro. Aktuell kündigte Ralph Rottenecker an, bei einer positiven Beschlussfassung in Neuried, Mitte August die nötigen Gesellschaften für den Bau und den Betrieb des Krematoriums zu gründen.

Stadt will noch nichts sagen

Passenderweise fast zeitgleich zu den Beratungen zum möglichen Neurieder Krematorium gibt es am Montag im Lahrer Gemeinderat einen Sachstandsbericht zur Einäscherungsanlage auf dem Bergfriedhof. Wie sie zu den privaten Plänen in Ichenheim steht, verriet die Stadt am Mittwoch auf LZ-Nachfrage nicht: Man wolle der Sitzung (18 Uhr, Rathaus II) nicht vorweggreifen.