Mit 25 Jahren steht Elena Matt an der Spitze der Donaueschinger Stadtbibliothek – und erlebt, wie stark sich ihr Beruf im Wandel befindet.
Man könnte eine Stecknadel fallen hören, so still ist es in der Donaueschinger Stadtbibliothek. Gebrochen wird die Ruhe nur durch den gelegentlichen Piepton eines Scanners an der Information.
Ganz klassisch also, wie sich viele den Alltag in einer Bücherei vorstellen – ruhig und monoton.
Nur ist dieser Morgen eben nicht der typische Alltag in einer Bibliothek im Jahr 2026.
Die Klischees sind alt
Am Mittwoch machen Leiterin Elena Matt und ihr Team erst mittags auf. Zu den Öffnungszeiten ist deutlich mehr Leben drin als die alten Klischees vermuten lassen. Eine moderne Bibliothek dreht sich eben nicht mehr nur um Bücher, so Matt.
Als sie die Stelle im September 2025 übernommen hat, war Matt überrascht davon, wie viele Jugendliche etwa zum gemeinsamen Lernen vorbeikommen, aber auch davon, wie viele Veranstaltungen heute in Bibliotheken stattfinden – in Donaueschingen waren es im abgelaufenen Jahr 134.
Weg über den Buchhandel
„Schon während meiner Schulzeit in Bonndorf habe ich als Aushilfe in der Stadtbibliothek gearbeitet“, so Matt über ihre Liebe zu Büchereien. Nach einem Studium der Bibliotheks- und Informationswissenschaften hatte es sie dann aber zunächst in den Buchhandel verschlagen. „Es gibt viele verschiedene Wege in den Beruf. Bei mir war es der Buchhandel, es gibt die Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und Informationstechnik (FAMI), man kann aber auch quer einsteigen“, so Matt.
Was bei Elena Matt besonders auffällt, ist ihr Alter. Sie ist erst 25 Jahre alt. Damit ist sie aber keine Ausnahme mehr. „Es findet mittlerweile ein ziemlicher Generationenwechsel statt.“ In vielen Büchereien seien nun besonders mit Blick auf die Digitalisierung immer mehr jüngere Menschen dabei. „Also es ist kein sterbender Beruf“, sagt sie und lacht.
Interesse spiegelt sich wider
Das spiegelt sich nicht nur im Bedarf wider, sondern auch am Interesse. Überraschend viele Bewerbungen habe es auf die nun besetzte Azubi-Stelle in der Stadtbibliothek gegeben. Nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung gab es Ende 2024 bundesweit 1281 FAMI-Auszubildende, 453 davon hatten ihre Lehre in dem Jahr begonnen.
Viele stellen sich die Arbeit als abwechslungslosen Archivjob vor, so die junge Leiterin. „Der Beruf wird oft so romantisiert betrachtet, dass man selbst herumsitzt und den ganzen Tag Bücher liest. Viele Praktikanten sind dann überrascht, wie viel Arbeit dahintersteckt, bis ein Buch überhaupt im Regal steht.“
Die ganze Medien-Welt
Und die digitale Entwicklung spielt eine große Rolle. In Donaueschingen gibt es auch Videospiele und Filme zum Ausleihen. Elena Matt und ihr Team müssen nicht mehr nur Bestseller-Listen im Blick behalten, sondern auch auf Serien und Kinoverfilmungen achten. Eine Bibliothekarin ist heute nicht mehr nur Bücher-Expertin, sondern kennt sich in der gesamten Medienwelt aus.
Es „verändern sich die Formate der zu beschaffenden und ausleihbaren Medien und Objekte, sodass Bibliothekare und FAMI technologisch Schritt halten und ihren Bestand digital pflegen müssen“, sagt Natalie Huberto vom Bundesinstitut für politische Bildung. Manche Bibliotheken verleihen inzwischen nützliche Alltagsgegenstände: Fitnessgerät, Tapeziertisch, Thermomix.
Viele Trends ergeben sich in Sozialen Medien wie TikTok. „Es steht auch immer stärker im Fokus, Kindern allgemeine Medienkompetenz zu vermitteln“, sagt Elena Matt. Die Aufgabe, relevante Informationen herauszufiltern, ist vor dem Hintergrund der enormen Datenmengen, die an Wissen heute zur Verfügung stehen, eine große Herausforderung geworden. „Digitalisierung erleichtert uns aber auch einiges“, sagt die Bibliotheksleiterin. So gehe die Katalogisierung technisch einfacher, auch neue Bücher könne sie besser finden.
Der Lesespaß bleibt zentral
Am Ende geht es für die Leiterin dann aber doch im Kern um den Lesespaß. Hier bleiben für Matt die meisten Momente hängen. „Bei der letzten Vorlesestunde war ein Kind dabei, das hat mit so viel Freude mitgemacht“, erinnert sie sich. „Wenn man das richtige Buch für jemanden gefunden hat, das ist schon ein tolles Gefühl.“ Für die Expertin ist übrigens klar: Auch Hörbücher zählen als Lesen. Vielleicht können diese ja bei einem ihrer großen Ziele helfen: „Ich würde gerne das Interesse bei 14- bis 25-Jährigen noch mehr wecken.“
Stadtbibliothek
Im Regierungsbezirk des Regierungspräsidiums Freiburg (RP) existieren 104 Gemeinden, die eine kommunale öffentliche Bibliothek betreiben. Davon werden nach Angaben des RP 38 hauptamtlich geleitet. Elena Matt leitet die Donaueschinger Stadtbibliothek seit September 2025. Die Bücherei wurde im Jahr 1987 eröffnet. Heute sind dort nach Angaben der Stadt mehr als 28.000 Medien verfügbar.