Die aufwendige Trennwandkonstruktion – hier ein Foto während des Baus – in den Bestandstunneln soll Fledermäuse schützen. Doch das allein reicht nicht aus. Foto: Klormann

Ab April gilt für die Hesse-Bahn ein neuer Fahrplan. Der erste Zug fährt dann früher, der letzte später – allerdings weiter nur stündlich. Grund dafür sind einmal mehr die Fledermäuse.

Wer an die Hesse-Bahn denkt, die seit Februar zwischen Calw und Weil der Stadt verkehrt, dem mag vieles in den Sinn kommen. Eines vermutlich nicht: dass zu wenig in den Umwelt- und Artenschutz investiert wurde.

 

Rund 85 Millionen Euro des 240 Millionen Euro schweren Projekts flossen in ebensolche Maßnahmen – von den berühmten Trennwandkonstruktionen in den Bestandstunneln bei Hirsau und Althengstett bis zu den aufwendigen Sicherungsarbeiten der Stützmauern im Hau bei Heumaden.

Die wohl größten Brocken wurden bekanntermaßen zum Schutz der Fledermäuse fällig.

Und letztere wiederum sind einmal mehr der Grund, warum die Züge – buchstäblich – noch nicht so richtig Fahrt aufnehmen dürfen. Ein Umstand, der grundsätzlich schon lange klar ist. Doch der Reihe nach.

Hintergrund des Stundentakts

Bereits im Herbst vergangenen Jahres hatte das Calwer Landratsamt eine gestufte Inbetriebnahme angekündigt.

Zu Beginn, diese Phase läuft aktuell, muss die Hesse-Bahn dabei langsam statt mit voller Geschwindigkeit durch die Bestandstunnel rollen. Bis abschließend feststeht, dass keine Fledermäuse mehr vor den Bahntunneln schwärmen. Denn nicht nur Trennwände, auch weniger Tempo schützt die Tiere.

Doch die Sache hat einen Haken: Die Fahrzeit zwischen Weil der Stadt und Calw verlängert sich so um rund sieben Minuten, erklärt Mara Müssle, Pressesprecherin des Calwer Landratsamts. Zu langsam, um den angestrebten 30‑Minuten‑Takt halten zu können.

Und so entwickelten die Verantwortlichen im Jahr 2025 eine Vergrämungsmethode mittels Ultraschallwellen, die die Fledermäuse davon abhält, in die Tunnel zu fliegen. Das funktionierte in Tests schließlich zu 100 Prozent. Nun muss es sich jedoch auch im laufenden Betrieb bewähren.

„Da es sich um ein neu entwickeltes System handelt, ist hierfür ausreichend Zeit zum Testen und zur Nachsteuerung erforderlich“, so Müssle. Steht der Beweis, dass die Anforderungen der naturschutzrechtlichen Auflagen erfüllt werden – dass die Tunnel also fledermausfrei sind und bleiben –, steht auch einer schnelleren Fahrt nichts mehr im Weg.

Bis dahin kann die Hesse-Bahn jedoch nur im Stundentakt verkehren.

Optimistische Prognose

Frank von Meißner, Geschäftsführer des Zweckverbands Hermann-Hesse-Bahn, hatte darauf schon im Dezember vergangenen Jahres hingewiesen.

Damals ging er jedoch davon aus, dass der Halbstundentakt ab April umsetzbar sei. Eine offenbar zu optimistische Annahme.

„Im Interesse eines vorhersehbaren und stabilen Fahrplanes haben wir nun hierfür ausreichend zeitlichen Puffer eingeplant und streben den Juni an“, führt Sprecherin Müssle an.

Übergangsweise soll darum vorerst weiterhin die Buslinie 670 zwischen Calw und Weil der Stadt ebenfalls im Stundentakt verkehren. „Für die Fahrgäste ergeben sich somit halbstündliche Fahrtmöglichkeiten, abwechselnd mit dem Zug und dem Bus 670“, so Müssle.

Neuer Fahrplan

Dennoch werden ab April deutlich mehr Züge der Hesse-Bahn fahren. Ab Sonntag, 12. April, um genau zu sein. Denn dann gilt ein neuer Fahrplan.

Während die erste Bahn bislang noch um 6.04 Uhr in Calw abfährt (um 5.32 Uhr in Weil der Stadt), sind die Züge ab Mitte April bereits ab 5.34 Uhr (ab Calw) beziehungsweise ab 5.06 Uhr (ab Weil der Stadt) unterwegs.

Die gravierendere Änderung betrifft jedoch die Fahrten am Abend. Aktuell startet der letzte Zug um 17.32 Uhr in Weil der Stadt und um 18.19 Uhr in Calw.

Ab dem 12. April gilt: Die letzte Abfahrt ab Weil der Stadt erfolgt um 0.06 Uhr, die letzte Rückfahrt ab Calw um 0.34 Uhr.

Längere Umsteigezeit

Und eine weitere Neuerung ist geplant: eine längere Umsteigezeit. „Um die Reisekette für Fahrgäste zuverlässiger und stressfreier zu gestalten, wurden die Übergangszeiten zur S-Bahn optimiert“, heißt es aus dem Calwer Landratsamt.

Zahlreiche Fahrgäste hätten zuvor von einer knappen Anschlusssituation zur S‑Bahn berichtet, schreibt Frank von Meißner, Geschäftsführer des Zweckverbands Hermann-Hesse-Bahn, auf der Online-Plattform „LinkedIn“.

Am 31. Januar dieses Jahres feierte die Hesse-Bahn ihre Jungfernfahrt. Foto: Fritsch

Gerade nachmittags stünden nur fünf Minuten zum Umsteigen zur Verfügung; bei Verspätungen der S-Bahn seien dadurch auch Anschlusszüge verpasst worden.

Neu ist nun: „Wer von der Hermann-Hesse-Bahn in die S-Bahn umsteigt, hat künftig sechs Minuten Zeit für den Gleiswechsel. In der Gegenrichtung – von der S-Bahn zur Hermann-Hesse-Bahn – stehen sogar neun Minuten zur Verfügung“, gibt das Landratsamt bekannt. Dadurch sollen Fahrgäste Anschlüsse auch bei kleineren Verzögerungen im S-Bahn-Netz noch sicher erreichen können.

Der neue Fahrplan ist bereits verfügbar unter www.hermann-hesse-bahn.de.