Anneta Käfer hat ihre Stelle als Kulturamtsleiterin in Villingen-Schwenningen angetreten. Sie will viele Menschen erreichen, setzt auf Inklusion und niederschwellige Angebote.
Kultur für alle zu machen und so viele Zielgruppen wie möglich anzusprechen, das hat sich die neue Kulturamtsleiterin Anneta Käfer auf die Fahnen geschrieben. Im Januar hat sie die Stelle in Villingen-Schwenningen offiziell angetreten und scheint bereits mitten in der Stadt angekommen zu sein.
Aus Stuttgart hat es sie in den Schwarzwald gezogen, die Stellenausschreibung habe sie sofort angesprochen, erzählt die 42-Jährige. „Die Arbeit des Kulturamts ist ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens und lässt das Oberzentrum weit über die Grenzen hinaus glänzen“, schwärmt sie schon jetzt von ihrer Arbeit und der Vielfalt.
Als Nachfolgerin von Andreas Dobmeier ist sie für die kulturellen Abteilungen mit gut 60 Mitarbeitern von den Museen und der Galerie über das Depot bis zur Stadtmusik verantwortlich, zudem für das Kulturmanagement.
Das neue Führungsduo ergänzt ab 1. März der künstlerische Leiter Jens Daryousch Ravari. Der Abteilungsleiter Theater und Konzerte plant die Gastspiele im Theater am Ring, im Franziskaner und in der Neckarhalle, übernimmt das Marketing sowie die Gestaltung des gemeinsamen Internetauftritts des Kulturamts und der Tourist-Information samt der anstehenden Einführung eines modernen Ticket-Systems.
Umsetzung von Ideen
Diese Aufgabenteilung ist es, die für Anneta Käfer den Reiz der Position ausmacht – und die Möglichkeit, als Amtsleiterin direkt unter Oberbürgermeister Jürgen Roth Entscheidungen zu treffen und Ideen umzusetzen. Sie sieht sich an der Schnittstelle zwischen Verwaltung und künstlerischen Inhalten, will die passenden Strukturen und Rahmenbedingungen schaffen.
Da könne sie auf ihre Erfahrungen an den Staatstheatern Stuttgart zurückgreifen, betont Anneta Käfer. Auf das Studium der Betriebswirtschaft und des Kultur-, Freizeit- und Sportmanagement in Künzelsau setzte sie den Master in Kultur- und Medienmanagement an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg drauf.
2011 wechselte sie beruflich nach Stuttgart, war zunächst Mitarbeiterin für Sponsoring an der Oper, dann am Staatstheater in der Direktion Kommunikation und seit 2013 bis zuletzt persönliche Referentin und Büroleiterin des Geschäftsführenden Intendanten der Staatstheater Stuttgart. Sie habe organisatorische Abläufe ausgearbeitet, Budgetverantwortung getragen und ein Leitbild entworfen, all diese Kenntnisse aus der Praxis könne sie jetzt einbringen.
Spielzeit bereits geplant
Froh ist sie, dass Dobmeier ihr in einer zweimonatigen Einarbeitungsphase ab November zur Seite stand und auch Ravari in das Amt einführt. Ohnehin trage die Spielzeit 2026/27 noch die Handschrift ihres Vorgängers. Erst in der im Herbst 2027 startenden Saison könne sie mit ihrem Kollegen eigene Akzente setzen. Sicher ist sie sich, dass es ihnen mit Dobmeier gelingt, ein tolles Programm zusammenzustellen, seien sie alle drei doch breit vernetzt und könnten zusammen auf eine ausgezeichnete Basis zurückgreifen.
Allerdings sei es auch am neuen künstlerischen Leiter, die Spielzeiten der vergangenen Jahre auf den Prüfstand zu stellen, die Nachfrage nach den Veranstaltungen und die Kosten zu analysieren. In Zeiten knapper Kassen sei das Kulturamt nicht vor dem Sparzwang geschützt, betont sie. Dennoch ist sie sich sicher, durch clevere Kooperationen ein hochwertiges Angebot für Menschen jeden Alters schaffen zu können. Nicht nur Kinder und Jugendliche seien Adressaten kultureller Bildung, sondern ebenso Erwachsene bis zu den Senioren.
Aufführungen für Zuschauer mit Hör- und Sehbehinderungen
Ihr schweben neue Formate vor, ob die Einbindung von Bürgern oder Projekte für Menschen mit und ohne Beeinträchtigung. Überhaupt hat sie sich der Inklusion verschrieben, denkt an Aufführungen für Zuschauer mit Hör- und Sehbehinderungen, um ihnen das Erlebnis von Theater, Ballett und Konzert zu ermöglichen.
Zunächst gelte es jedoch, das Vorhandene anzuschauen und zu überlegen, was fehlt. Sie sei nicht gekommen, um alles umzukrempeln. In Sachen Kultur gebe es wahre Schätze. Es sei ein Privileg, diese pflegen und weiterentwickeln zu dürfen, zeigt sie sich begeistert – und bringt auch die kulturschaffenden Vereine oder die Tradition der Fasnet ins Spiel, die sie derzeit genieße und zum Knüpfen von Kontakten nutze.
Aufbau von Netzwerken
Sie freue sich, wie offen sie die Menschen aufgenommen hätten. Zumal es ihr Ziel sei, durch Netzwerke mit Vereinen und Akteuren jeglicher Couleur Ideen zu entwerfen. Diese Strukturen seien ihr vertraut, erzählt sie. Sie sei in Großaltdorf im Kreis Schwäbisch Hall selbst mit Vereinen im Dorf aufgewachsen, habe Querflöte in der Musikkapelle gespielt und Jazztanz betrieben. So ist es ihr auch in der Doppelstadt wichtig, ein breites Spektrum abzudecken, mehr Besucher als bisher anzulocken und niederschwellige kulturelle Orte zu schaffen – Kultur für alle als Herzensangelegenheit.