Eineinhalb Jahre nach der ungültigen Wahl in Alpirsbach ist der Chefsessel im Rathaus wieder fest besetzt: Vanessa Schmidt ist vereidigt.
Formell war es eine Gemeinderatssitzung – eigentlich aber ein Festakt, den die ganze Stadt herbeigesehnt hatte: Eineinhalb Jahre nach der für ungültig erklärten Bürgermeisterwahl und drei Monate, nachdem die Stichwahl gegen die „freie Zeile“ ebenfalls landesweit für Schlagzeilen gesorgt hat, war es soweit – mit Vanessa Schmidt konnte die neue Bürgermeisterin vereidigt werden.
Zugleich wurde Amtsverwalter Norbert Beck verabschiedet, der wegen Anfeindungen auf eine Teilnahme an der Stichwahl verzichtet hatte, obwohl er im ersten Wahlgang die zweitmeisten Stimmen bekommen hatte – ohne kandidiert zu haben.
Die Erleichterung, dass das Wahldrama der Vergangenheit angehört und der Chefsessel im Rathaus nun endlich wieder fest besetzt ist, war den mehr als 300 Gästen anzumerken, die Beck am Dienstagabend im Haus des Gastes begrüßte.
Und noch über einen weiteren Fakt freute sich Beck: 930 Jahre nach der ersten urkundlichen Erwähnung Alpirsbachs gebe es nun zum ersten Mal eine Bürgermeisterin. „Es wurde aber auch Zeit!“, sagte er und erntete tosenden Applaus.
Große Aufgaben
Die Geschichte um die Wahl blieb an dem Abend natürlich nicht unerwähnt, aber der Blick richtete sich in die Zukunft – und dort warten große Aufgaben auf die neue Bürgermeisterin, von denen ihr Stellvertreter Joachim Hermann einige aufzählte: Feuerwehrhaus, Ganztagesbetreuung, Kläranlage, die allgemeine Finanzlage und so weiter.
Dann war es soweit: Der Saal erhob sich, Schmidt sprach Hermann den Amtseid nach und wurde als Bürgermeisterin vereidigt. Dass dieser Moment einmal kommen würde, hatte die 34-Jährige noch bei der Kandidatenvorstellung im Juni nicht zu träumen gewagt, wie sie bei ihrer Rede zugab.
Amtsverwalter Beck hinterlasse große Fußstapfen, in die sie nun treten dürfe – „jedoch mit meinen eigenen Schuhen, die vielleicht ein paar Größen kleiner sind, und auch anders aussehen, aber doch auch ihre Spuren hinterlassen werden.“
Für den Start ihrer Amtszeit äußerte sie drei Wünsche. Erstens: Verständnis. „Haben Sie bitte Verständnis dafür, dass nicht alles von 0 auf 100 gehen wird.“ Zweitens: Toleranz und Akzeptanz – „auch von denjenigen, die mich bewusst nicht gewählt haben.“ Und drittens: Offenheit gegenüber Neuem, einen Wunsch, den sie auch explizit an die Verwaltung richtete – was Personalratsvorsitzender Kay Merboth in seiner Rede erwiderte.
Warum der Landrat den 12. Juli 2024 wohl nie vergessen wird
Der neue Landrat Andreas Junt musste sich als damaliger Leiter der Stabsstelle Kommunalaufsicht und Rechnungsprüfung beim Landratsamt mit der (ersten) Bürgermeisterwahl in Alpirsbach befassen. Den 12. Juli 2024 werde er wohl nie vergessen, sagte er in seiner Rede: An diesem Tage musste er nach Alpirsbach fahren – und dem Gemeinderat und der Stadt erklären, warum das Landratsamt die Wahl für ungültig erklärt hatte.
Der Wunsch nach einem guten Amtsverwalter wurde erhört: „Uns hat beeindruckt, dass Herr Beck nicht lange überlegt hat“, sagte Junt. Er habe das Ruder übernommen, die Mannschaft hinter sich versammelt und das Schiff auf Kurs gebracht. „Heute geht es darum, das Ruder weiterzugeben.“ Schmidts Kandidatur sei nicht selbstverständlich gewesen, der Job der Bürgermeisterin keiner mit einer 39-Stunden-Woche, betonte Junt. Auch er meinte: „Eine neue Bürgermeisterin darf auch mal Fehler machen.“
Nachhilfe in Badisch
Nur für Fehler mit dem badischen Dialekt hat Schenkenzells Bürgermeister Bernd Heinzelmann wohl kein Verständnis, denn „um Missverständnisse zu vermeiden“, schenkte er seiner neuen Amtskollegin im schwäbischen Alpirsbach ein badisches Wörterbuch. Er hob aber auch die Gemeinsamkeiten der Gemeinden hervor: etwa die Zusammenarbeit beim Sommerferienprogramm und in Verbänden – oder, dass beide „nicht auf vollen Stadtsäckeln sitzen“.
Dann war der Moment des Abschieds für Norbert Beck gekommen. Bürgermeister-Stellvertreter Hermann betonte: „Sie haben in den 15 Monaten die Herzen unserer Bürger, der Gemeinderäte, Ortsvorsteher, Ortschaftsräte und Rathausmitarbeiter erobert.“ Beck sei weit mehr als ein Amtsverwalter gewesen: „Sie waren und sind ein Gestalter im Amt.“ Vor allem aber habe er wieder Ruhe in die Stadt gebracht.
Mit Geschenken überhäuft, setzte Beck zu seiner Schlussrede an: Wenn er eines erreichen wollte, dann, dass aus der schlechten Stimmung in der Stadt einer Art Aufbruchstimmung werde. „Ich glaube, das haben wir erreicht.“
Seine Schlussworte: „Ich werde Euch nicht vergessen. Ihr werdet ein Teil meines Herzens bleiben!“