Eine Krebsdiagnose kommt zumeist überraschend und hat große Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen und deren Familien. Hier setzt die neue Beratungsstelle an.
Mit der Psychosozialen Krebsberatung des Diakonischen Werks im Landkreis Lörrach wird eine Versorgungslücke in der Region geschlossen. Denn im südbadischen Raum zwischen Freiburg und Konstanz gab es ein solches Angebot bisher nicht.
„Wir laufen offene Türen ein“, erklärt Geschäftsführerin Karin Racke beim Pressegespräch. Schon jetzt gebe es Terminanfragen, und der Kalender fülle sich zusehends. „Man hat auf uns gewartet“, stellt sie fest. Im Mittelpunkt des Angebots stehen zwei Frauen, die sich die 100-Prozent-Stelle fortan teilen werden. Die Psychologin Birgit Böhler-Räuber und die Sozialpädagogin Sarah Braun-Sanguedolce wollen die Ratsuchenden gemeinsam begleiten.
Auch für Angehörige und Freunde Betroffener
Dabei steht die Beratungsstelle nicht ausschließlich den Betroffenen selbst zur Verfügung. Auch belastete Familienmitglieder, Freundinnen oder Freunde von Krebserkrankten sind willkommen, wenn sie Rat und Hilfe suchen. Einzelberatungen sind genauso vorgesehen wie Termine mit der ganzen Familie, wie Mirjam Lavanchy, Leiterin des Fachbereichs Psychologische Beratung bei der Diakonie, betont. Denn eine Krebsdiagnose ändert vieles. Die Beratungsstelle will in dieser Situation Halt und Orientierung bieten. Für krebskranke Kinder indes ist dieses Angebot nicht gedacht.
Krebsdiagnose zieht Boden unter den Füßen weg
„Kommt eine Krebsdiagnose aus heiterem Himmel, hat sie das Potenzial, den Betroffenen den Boden unter den Füßen wegzuziehen“, erklärt Böhler-Räuber, die sich derzeit in Psychoonkologie weiterbildet. Die Beratung soll dann zunächst einmal dabei helfen, den Stress, das Gefühl des Ausgeliefertseins, so weit herunterzufahren, dass es wieder möglich ist, sinnvolle Entscheidungen zu treffen. Im weiteren Verlauf der Beratung geht es um den Umgang mit Ängsten, Trauer und Unsicherheiten. Die kostenlose Anlaufstelle will Bewältigungsstrategien und Perspektiven aufzeigen, aber auch das soziale Umfeld der Betroffenen stärken.
Neben den psychologischen Aspekten steht die Beratung in praktischen Dingen, wie Braun-Sanguedolce erläutert. Finanzielle und berufliche Fragen tauchen auf. Und viele wüssten erst einmal nicht, wie es weitergeht. Zahlreiche Anträge müssten gestellt werden. Es geht auf einmal um sozialrechtliche Ansprüche und Versorgungsleistungen, um Reha-Maßnahmen, Patientenverfügungen oder Vorsorgevollmachten. Dies alles könne in so einer Situation schnell überfordernd sein, erklärt die Sozialpädagogin.
Eine auf solche Fälle spezialisierte Beratungsstelle kann deshalb für Betroffene sehr hilfreich sein. Aufgrund der festgestellten Unterversorgung in der Region wird die Einrichtung zum Großteil von den Krankenkassen, aber auch vom Land Baden-Württemberg finanziert. Ganz auskömmlich ist diese Finanzierung jedoch nicht, weshalb das Diakonische Werk zusätzlich auf Spendengelder hofft.
Einzugsgebiet umfasst zwei Landkreise
Das Einzugsgebiet der Beratungsstelle reicht dabei über den Landkreis hinaus. Auch der Landkreis Waldshut soll mitversorgt werden. Und weil die nächstgelegene Psychosoziale Krebsberatung in Freiburg überlastet ist, sehen die Frauen weiteren Bedarf entlang der Rheinschiene bis nach Müllheim.
Vor allem aus diesem Grund werden die Beratungen zusätzlich via Telefon oder Video angeboten. In akuten Krisensituationen, so der Anspruch, solle jeder innerhalb von zwei Wochen einen Gesprächstermin erhalten.
Die Hilfesuchenden wiederum können von der guten Vernetzung der Diakonie profitieren, beispielsweise durch eine Weitervermittlung in Selbsthilfegruppen, die Stabilität geben können. Zwar liege der Fokus der Beratung auf der Lebensqualität, geht es jedoch zu Ende könnten auch die Kontakte zur ambulanten Hospizarbeit in der Region von Nutzen sein.
Kontakt: Psychosoziale Krebsberatung, Nansenstraße 10, Tel. 07621/88128; E-Mail: krebsberatung.loerrach@diakonie.ekiba.de.