Ein Helikopter ist an der Hängebrücken-Baustelle in Rottweil im Einsatz. Foto: Corinne Otto

Faszinierende Bilder bieten sich am Montagmorgen an der Baustelle der Hängebrücke in Rottweil. Ein Helikopter ist im Einsatz.

Kurz nach 9 Uhr dröhnt es am Himmel über Rottweil – er ist da. Der Helikopter, der am Montag für einen weiteren Meilenstein beim Bau der Hängebrücke „Neckarline“ zuständig ist. Er wird das Zugseil über das Neckartal ziehen, mit dessen Hilfe dann die mächtigen Trägerseile der Hängebrücke eingezogen und montiert werden.

 

Gegen 9.15 Uhr unternimmt der Helikopter den ersten Erkundungsflug, die Gegebenheiten zwischen Pylon und Tal werden abgeklärt, die beste Flugroute wird gesucht.  Es ist ein kniffliges Unterfangen, schließlich fließt unten nicht nur der Neckar, es verlaufen da auch die Bahngleise. Hier herrscht höchste Sicherheitsstufe, wie Neckarline-Projektleiter Roland Haag erklärt.

Weil die Gleise nicht überflogen werden dürfen, musste ein provisorischer Übergang gebaut werden, über den das Zugseil – ein fingerdickes Hanfseil – schon vom Bockshof aus händisch verlegt wurde. Von dort aus wird es dann vom Heli aufgenommen und aufs Berner Feld gezogen.

Bahngleise dürfen nicht überquert werden

„Das schafft die ultimative Verbindung vom Berner Feld ins Wohnzimmer Rottweils“, freut sich Haag. Man sei mit den Brückenbau-Spezialisten der Firma HTB ein „eingespieltes Team“, betont er mit Blick auf HTB-Projektleiter Christoph Müller.

Dann startet der Helikopter erneut. Gegen 9.50 Uhr wird die erste von   drei mächtigen Stützen ins Tal geflogen, über die das Zugseil dann verlegt wird.  Die Piloten der Helix Fluggesellschaft sind spezialisiert für derartige Einsätze und präsentieren Millimeterarbeit.

Auch Investor Günter Eberhardt ist vor Ort und blickt vom im Bau befindlichen Pylon aus zufrieden übers Neckartal.  „Das wird super.“  Es ist in der Tat ein grandioser Ausblick  auf die Silhouette von Rottweil, der sich hier, am künftigen Einstieg zur  606 Meter langen Brücke, bietet.

Gegen 10.25 Uhr sind dann alle Stützen im Tal, der finale Schritt folgt:   Der Helikopter nimmt das Zugseil neben der Bahnlinie mit einer speziellen Vorrichtung auf und zieht es über die Bäume hinweg  aufs Berner Feld. Auf beiden Seiten des Tals, im Bockshof und auf dem Berner Feld, wird der Einsatz von vielen Schaulustigen verfolgt.

An der Bahnstrecke gelten derweil hohe Sicherheitsvorkehrungen, Spezialkräfte sind vor Ort, die alles überwachen. Auch auf dem Berner Feld müssen alle Beobachter während des Heli-Flugs im neuen Besucherzentrum in Deckung gehen.
Alles läuft präzise und reibungslos – der  erste „Brückenschlag“ übers Neckartal ist damit an diesem sonnigen Montagmorgen geschafft.

Wie Roland Haag erklärt, wird die  Installation der eigentlichen Brückenseile, die in großen Rollen auf ihren Einsatz warten, rund sechs Wochen dauern. Der Pylon, der die gewaltigen Kräfte abfängt,  hat mittlerweile eine Höhe von rund 40 Metern erreicht, 20 Meter fehlen noch bis zur Fertigstellung. Ihm sei es auch geschuldet, dass man mit den Arbeiten rund vier Wochen hinter dem Zeitplan liege.  Hier gab es noch weitere Aufgaben für die Statikprüfung zu erledigen. 

Im Januar, so der Plan, folgt dann der nächste große Schritt: Die Brückenteile, jeweils rund 3,5 Meter lang, werden Schritt für Schritt vom  Berner Feld  aus montiert.   Parallel dazu wird derzeit der Besucherparkplatz gebaut und momentan ist man  an der Ticketfreischaltung dran. Womöglich, so Haag. könnten  die ersten Neckarline-Gutscheine beim einen oder anderen schon unterm Weihnachtsbaum liegen. 

Wenn alles glatt geht, so hofft der Projektleiter, soll Ende April Eröffnung der  Neckarline     sein. Es ist die nach der Wildline in Bad Wildbad und der Blackforest Line in Todtnau die dritte Brücke, die Günter Eberhardt verwirklicht. Routine stellt sich da allerdings nicht ein, wie er schmunzelnd versichert. „Jede Brücke ist anders.“ Und einen direkten Spaziergang auf einer Hängebrücke quasi mitten in die Stadt hinein – das gibt es  nur in Rottweil.