Der Mondstupfer: eine traditionsreiche und besondere Figur in Dotternhausen. Foto: Günther Schmidt

Der Narrenzunft Dotternhausen fehlen dringend helfende Hände. Das Ultimatum lautet: Entweder mehr Hilfsbereitschaft oder keine Fasnet mehr.

Neun Personen, die die gesamte Dorffasnet stemmen? Vorstand und Narrenräte der Mondstupfer haben jahrelang das Unmögliche möglich gemacht. „Es ist kein Gejammer, sondern Tatsache“, sagt Vorsitzende Silke Ritter. „Es fällt Arbeit an, die geleistet werden muss, und je weniger bereit sind, zu helfen, desto mehr fällt aus.“

 

Die Dotternhausener Narrenzunft stand bereits 2019 vor dem Aus. Die Amtsträger konnten die erforderliche Leistung nach jahrelangem Engagement nicht mehr erbringen. Damals ergab sich jedoch glücklicherweise ein Generationenwechsel. Sieben Jahre später skizziert sich eine ähnliche Situation. „Es war schon immer eine Herausforderung, die Fasnet in so einer kleinen Gruppe zu organisieren“, so die Vorsitzende. „Es sind immer die Gleichen, die am gleichen Strang ziehen, aber wir brauchen einfach mehr Schultern, auf denen wir es stemmen können.“

Wie ernst die Lage ist, wurde bereits in der Generalversammlung verlautet, die im April stattfand. Der Verein ist noch handlungsfähig. Das bedeutet, dass die Posten der 1. und 2. Vorsitzenden besetzt sind, ebenso wie Kassierer und Schriftführer. Zudem gibt es fünf Narrenräte. Die Position des 1. Vorsitzenden ist jedoch laut Vereinssatzung als Team gedacht und kann von ein bis drei Personen bekleidet werden – was es auch braucht, wie sich im Gespräch mit den Aktiven zeigt. Seit dem Jahr 2023 ist Silke Ritter allein damit beauftragt. Für sie steht jedoch fest: „Ich stehe nur noch bis März 2027 als 1. Vorsitzende zur Verfügung. Da muss es eine Lösung für den Verein geben.“

Vorsitzende gibt Amt ab

Es sind mehr als nur Gefühle, die die aktiven Mondstupfer umtreiben. Die Statistiken belegen es anschaulich: 120 bis 140 Arbeitseinsätze gibt es im Jahr, rund 100 davon allein in der Hochphase der Fasnet. Über 40 Prozent davon liegen auf den Schultern der neun aktiven Mitglieder, 20 weitere Prozent leisten die altgedienten Ehrenräte und auch die Lebensgefährten der Aktiven fangen einen Großteil auf. Gerade einmal 38 Prozent werden von freiwilligen Helfern übernommen. Dabei zählt der Verein über 300 Mitglieder, immerhin 180 davon in einem Alter, in dem sie ihren Beitrag zur Gemeinschaft leisten könnten.

Vom Schmotziga bis Fasnetsdienstag volles Programm, davon drei Tage mit der Hallenfasnet und Umzügen. Zudem wurde im Jahr 2019 die Polonaise vom Musikverein wieder ins Leben gerufen, die bereits in den 50er- und 60er-Jahren auf dem ehemaligen Traubenplatz, wo heute das Rathaus steht, stattfand. Freitags gibt es die Generalprobe für den Mondstupfer-Ball. Auf der Bühne stehen dankenswerterweise andere Vereine aus dem Ort, etwa Show und Tanz, der Sportverein, die Freiwillige Feuerwehr. Selbstredend gestaltet der Musikverein die fünfte Jahreszeit aktiv mit.

Die zahlreichen Schichten hinter dem Tresen und die Organisation bleiben jedoch maßgeblich an den paar Schultern der Aktiven kleben. „Von der Fasnet haben wir selbst natürlich nicht viel“, sagt die Vorsitzende. Kassierer Marc Müller ergänzt: „Es funktioniert dann, aber es ist immer eine Hinterherrennerei.“

Die aktiven Mitglieder der Narrenzunft: Marc Schatz (Schriftführer), Ralf Ritter (Narrenrat), Eva Müller (2. Vorstand), Silke Ritter (1. Vorstand), Marc Müller (Kassier), Kathrin Pontarollo (Narrenrat), Holm Fassbender (Narrenrat), Michaela Eppler (Narrenrat) (v.l.).Es fehlt: Christian Uttenweiler (Narrenrat). Foto: Narrenzunft Dotternhausen

Dabei ist die Dotternhausener Narrenzunft ein wahres Kulturgut. Seit 1938 organisiert im Verein, wurde in Dotsch bereits Jahre davor die sogenannte „Wilde Fasnet“ gefeiert. Die besondere Figur des Mondstupfers mit ihrer einzigartigen Maske entstand bereits 1966 und juckt seit 1972 zu ihrem eigenen Moostupfer-Narrenmarsch. „Ich finde das geil“, schwärmt Kassierer Müller. „Du präsentierst die Zunft mit jahrzehntelanger Tradition und siehst, dass alle dabei sind. Wir haben tolle Ausfahrten, ein tolles Miteinander und eine große Gemeinschaft.“

Auch einmalige Einsätze möglich

Als aktives Mitglied gibt es konkrete Aufgaben zu übernehmen, wie etwa das Sponsoring mit Verlosung oder das Betreuen von Social Media und Website. Die Organisation von Veranstaltungen und das Fördern der Brauchtumstänze können immer helfende Hände gebrauchen. Trotz aller Herausforderungen zeigt sich der Kassierer auch hier begeistert: „Ein großer Teil ist schon lange dabei. Das ist ein geniales Team und es ist bisher immer weitergegangen, weil es auch Spaß macht.“

Es gibt auch einmalige Einsätze. Die Listen, um sich für Schichten einzutragen, sind ab Juni über eine App freigegeben. Die Narrenzunft informiert sowohl über die sozialen Medien, also Instagram, Facebook und WhatsApp-Kanal, als auch über die Homepage und das Amtsblatt. Zudem erhalten Mitglieder einen Brief. Im Herbst wird die Bereitschaft zur Mitarbeit ausgewertet, um zu entscheiden, ob die Fasnet 2027 in Dotternhausen überhaupt stattfinden wird. Die Vorsitzende Silke Ritter stellt klar: „Unser Interesse ist es, die Fasnet zu retten, aber das geht nur mit größerer Unterstützung aus der Bevölkerung.“