Auf dem Nagolder Europaplatz trafen am Wochenende Kulturen, Geschichten und Menschen aus aller Welt aufeinander – und machten Vielfalt spürbar.
Über dem Europaplatz lag am vergangenen Wochenende ein besonderer Zauber. Der dritte Europamarkt, das „Festival der Kulturen“, war weit mehr als nur eine Aneinanderreihung von Verkaufsstellen – er war ein lebendiger Beweis für die verbindende Kraft der Menschlichkeit. Zwischen Folklore, internationaler Kulinarik und gelebter Städtepartnerschaft entstand eine Atmosphäre sommerlicher Leichtigkeit, die weit über geografische Grenzen hinausreichte.
Schon von weitem kündigte ein lebendiger Klangteppich aus Musik und lachenden Stimmen das Geschehen an. Moderator Gregor Schelp führte mit Charme durch ein Programm, das die gesamte Bandbreite menschlicher Emotionen abdeckte: von der mitreißenden Energie der albanischen Tanzgruppe „RINIA“ über die melancholischen Klänge einer ukrainischen Band bis hin zur „Kinder Mevlana-Show“ des türkischen KUBA e.V. Während die Bühne Geschichten erzählte, entfaltete sich davor das pure Leben.
Ein Streifzug durch die Aromen Europas
Zwischen den Pavillons vermischten sich würzige Dämpfe aus großen Pfannen mit der warmen Frühlingsluft zu einem unwiderstehlichen Duftbouquet. Kinder mit farbenfrohen Fahnen flitzten über das Pflaster, während Familien neugierig die Spezialitäten der verschiedenen Nationen entdeckten.
Auf den voll besetzten Bänken wurde das unbeschwerte Miteinander zur Realität – bei strahlendem Sonnenschein genossen die Besucher das familiäre Flair und ließen die Seele baumeln. Es war genau diese Offenheit, die den Kern des Festes ausmachte: Man speiste nicht nur international, man begegnete sich auf Augenhöhe.
Nagolder Spuren im Wüstensand
Inmitten dieses kulturellen Mosaiks fand sich ein besonders bewegendes Herzstück: der Stand des Vereins „Helfende Hände e.V.“. Im Gespräch mit der Vorsitzenden Gaby Frey wurde greifbar, wie tief die Wurzeln der Nagolder Hilfsbereitschaft reichen. Seit über zwei Jahrzehnten engagiert sich der Verein in Mauretanien. Was einst in der Hauptstadt Nouakchott begann, ist in der Stadt Atar längst zu einer tiefen Projektpartnerschaft gereift.
„Wer heute durch Atar läuft, findet überall Spuren von Nagold im Stadtbild“, erzählte Frey lächelnd. Es sind Fakten, die berühren: Die Stadt Nagold unterstützt die Arbeit ganz praktisch durch Stellplätze für Hilfsgütercontainer. So fanden ausrangierte Schul- und Büromöbel aus hiesigen Amtsstuben im Rathaus von Atar eine zweite Heimat. Sogar Marktabschrankungen und Mülleimer prägen heute das Bild der Wüstenstadt.
Diese „Kreislaufwirtschaft der Herzen“ zeigt, wie wertvoll Nachhaltigkeit ist, wenn sie mit Empathie gepaart wird. Ein besonderer Moment: Brahim Bdeba, der Bürgermeister von Atar, ließ es sich nicht nehmen, anlässlich des Festwochenendes persönlich aus Afrika anzureisen – ein starkes Zeichen der Wertschätzung.
Ein unsichtbares Band der Gemeinschaft
Über den gesamten Platz hinweg entstand das Gefühl, dass hier Menschen unterschiedlichster Herkunft ganz selbstverständlich zusammenkamen. Ob beim feierlichen ökumenischen Gottesdienst, den grazilen Darbietungen der thailändischen Gruppe „Suthot“ oder der zünftigen Stimmung der „Fröhlichen Oberkrainer“ – das Festival hielt, was sein Name versprach. Selbst die Politik wurde nahbar, als Oberbürgermeister Jürgen Großmann mit seinen internationalen Gästen, den Bürgermeistern Vincent Hamen (Longwy) und Peter Bohinec (Jesenice), gemeinsam über den Platz schlenderte.
Die Besucher erlebten Europa und die Welt hier nicht als abstraktes Konzept, sondern als ein Gefühl, das man schmecken, hören und im herzlichen Händeschütteln spüren kann. Als die Sonne langsam tiefer sank, war sich jeder sicher: In Nagold ist die Welt zu Hause. Die Freundschaften, die hier gefeiert wurden, reichen weit über den Kontinent hinaus – bis tief in die Sahara.