Jan Pieper starb mit 81 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit. Der beliebte Geistliche wirkte 22 Jahre lang in Schliengen und der Seelsorgeeinheit, bis er 2009 pensioniert wurde.
Nach kurzer schwerer Krankheit ist Jan Pieper am Wochenende im St. Josefskrankenhaus in Freiburg gestorben. Der 81-Jährige hatte in Freiburg auch seine letzten Lebensjahre verbracht.
Der Verstorbene war ein spätberufener Priester. Der gebürtige Westfale wurde 1985 in Freiburg zum Priester geweiht. Nach zwei Vikariatsjahren, unter anderem in Sankt Stephan in Karlsruhe, kam er 1987, mit 43 Jahren, nach Schliengen, wo er bis zu seiner Pensionierung ununterbrochen tätig war. Vor seiner Priesterweihe war Pieper als Lehrer am Gymnasium in Staufen und an der Gewerbeschule in Freiburg tätig.
In seiner Amtszeit erlebte Pieper zahlreiche Veränderungen in der Seelsorgelandschaft, die schließlich 2004 in der Bildung der Seelsorgeeinheit Schliengen mit den vier Pfarrgemeinden Schliengen, Liel, Bad Bellingen und Bamlach mündeten.
Einsatz für Ökumene und Weinbau
Für sein Wirken wurde der beliebte Geistliche 2008 mit dem Schliengener Sonnenstück geehrt – nach der Ehrenbürgerwürde die zweithöchste Auszeichnung der Gemeinde.
Der damalige Bürgermeister Werner Bundschuh würdigte in seiner Laudatio das große Engagement des Geistlichen. Entscheidendes Argument für die Verleihung des Sonnenstücks sei Piepers Einsatz für die Ökumene und die Zusammenarbeit der Christen beider Konfessionen in der Gemeinde Schliengen gewesen, hieß es.
Sanierung der Lorettokapelle und Renovierung der Schliengener Kirche
Hervorgehoben wurde der Einsatz des katholischen Geistlichen im Förderverein für den Neubau der evangelischen Kirche am Ort sowie dessen Engagement für den Erhalt und die Sanierung der Lorettokapelle. In Piepers Amtszeit fiel auch die Renovierung an der Schliengener Kirche, deren Umsetzung „ein Kraftakt“ gewesen sei.
Aber auch um den Weinbau habe sich der Pfarrer verdient gemacht. Bundschuh erinnerte an die schwierigen Zeiten Anfang und Mitte der 1990er-Jahre, als sich Pieper aktiv für den Erhalt der Schliengener Winzergenossenschaft eingesetzt habe.
Während seiner Amtszeit in Schliengen war Pieper außerdem Militärseelsorger der deutsch-französischen Brigade und Vorsitzender bei der kirchlichen Sozialstation.
Nach Indien gereist
Der Tod des langjährigen Schliengener Pfarrers treffe ihn persönlich sehr, wie Altbürgermeister Bundschuh auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilt. Beide waren bis zuletzt freundschaftlich verbunden. Auch durch besondere Erlebnisse: Im Jahr 2009 reisten sie gemeinsam nach Indien, um Schliengens Ehrenbürgerin Elisabeth Vomstein abzuholen und in die Heimat zu begleiten. Vomstein hatte mehr als ein halbes Jahrhundert als Lepraärztin in Südindien gewirkt.
Engagiert und präsent
Jan Pieper sei in der Gemeinde außerordentlich engagiert und präsent gewesen, blickt Bundschuh zurück. „Er hat sich voll ins Gemeindeleben eingebracht.“ Der langjährige Pfarrer und Seelsorger sei – wenn es sein Terminkalender zugelassen habe – bei jeder Generalversammlung oder Konzert anwesend gewesen. „Und es kam auch schon mal vor, dass er nachts im Jugendraum auftauchte, um mit den jungen Leuten ins Gespräch zu kommen“, verweist Bundschuh auf Piepers positiven Bezug zur Jugend, den er auch in dessen Lehrertätigkeit begründet sah. Der Geistliche habe mit viel Freunde an der Hebelschule Religion unterrichtet.
Herzblut investiert
Wie beliebt Jan Pieper in der Seelsorgeeinheit war, manifestierte sich auch beim Abschiedsgottesdienst im September 2009. Pieper habe die Seelsorgeeinheit mitgestaltet und durch das erfolgte Zusammenwachsen deutliche Spuren hinterlassen, hieß es damals. In jeder Kirche stecke ein Tropfen seines Herzbluts, würdigte der damalige Pfarrgemeinderat Siegfried Thoma Piepers jahrzehntelanges Wirken.
Die Beerdigung
Pfarrer Jan Pieper
soll in Schliengen beerdigt werden. Der Termin für die Trauerfeier stand am Montag indes noch nicht fest.