Nach einem tödlichen Unfall mit einem Linienbus in Weil am Rhein sind immer noch viele Fragen unklar. Foto: Feuchter

Auch drei Tage nach dem folgenschweren Unfall sitzt der Schock in Weil noch tief: Die Ermittler suchen mit Hochdruck nach der Ursache, die SWEG ist bestürzt.

Eine tote Frau, je drei Schwer- und Leichtverletzte, dazu rund 40 Augenzeugen und Passanten, die von Helfern psychologisch betreut werden mussten – das ist die verheerende (vorläufige) Bilanz des schweren Busunfalls am Wochenende auf der Weiler Friedensbrücke. Die Ermittlungen der Verkehrspolizei dauern freilich an. 

 

Der Linienbus wurde beschlagnahmt und wird nun eingehend von Spezialisten untersucht. „Bis das technische Gutachten vorliegt, kann es ein paar Wochen dauern. Solange kann zur Unfallursache nichts mitgeteilt werden“, sagte Polizeisprecher Christoph Efinger am Montag auf Nachfrage unserer Redaktion. 

Technischer Defekt oder Bedienfehler

Nach ersten Erkenntnissen geht die Polizei davon aus, dass entweder ein technischer Defekt oder ein Bedienfehler der Busfahrerin zu dem folgenschweren Unfall führte. Der Bus, in dem keine Fahrgäste saßen, hatte am Samstagnachmittag zunächst einige Fahrzeuge touchiert und dann mehrere Menschen erfasst, bevor er schließlich am Geländer der Friedensbrücke zum Stehen kam.

Getötete Frau lebte in der Schweiz

Als gesichert gilt: Die bei dem Unfall getötete 34-Jährige, die in der Schweiz lebt, war nicht die Mutter eines „mittelschwer“, aber nicht lebensgefährlich verletzten Kindes, wie Polizeisprecher Efinger unserer Redaktion berichtete: „Es wohnt ganz woanders.“ 

SWEG spricht Beileid aus

Derweil ist die Bestürzung nach wie vor groß – auch bei der Südwestdeutschen Landesverkehrs-GmbH (SWEG), zu deren Fuhrpark der Unglücksbus gehört. „Die SWEG ist tief betroffen von der Nachricht des Todes einer Passantin bei dem Busunfall in Weil am Rhein am Samstag. Den Angehörigen der Verstorbenen sprechen wir unser aufrichtiges Beileid aus, den Verletzten wünschen wir eine rasche Genesung“, erklärte das Unternehmen mit Sitz in Lahr (Ortenaukreis) auf Nachfrage unserer Redaktion am Montag.

Keine Infos zum Unfallhergang

Die Busfahrerin war am Samstag mit leichten Verletzungen in eine Klinik gekommen. Sie hatte zunächst keine Angabe  zu dem Unfall gemacht. Wie es der Frau geht, will ihr Arbeitgeber nicht sagen, ebenso wenig, ob es schon nähere Informationen zum Unfallhergang gibt. „Die Ermittlungen der Polizei und Behörden unterstützen wir selbstverständlich größtmöglich. Wir bitten jedoch um Verständnis, dass wir zum aktuellen Ermittlungsstand sowie zum Gesundheitszustand der Busfahrerin öffentlich keine Aussage treffen“, heißt es von der SWEG.

Schwere Unfälle „sehr selten“

Für weitere Einschränkungen habe der Unfall auf der Friedensbrücke nicht gesorgt: „Der Busverkehr in Weil am Rhein verkehrte nach Freigabe der Straßensperrungen durch die Polizei am Samstag wieder planmäßig.“

Die SWEG betont, dass solch tragische Zwischenfälle wie in Weil „sehr selten“ seien: „Zahlreiche Statistiken belegen, dass der Bus eines der sichersten Verkehrsmittel überhaupt ist.“

Feuerwehr berichtet von Schaulustigen

„Auch an uns gehen solche Einsätze nicht spurlos vorbei“, berichten Gerold Engler und Joel Salathe, die Pressesprecher der Weiler Feuerwehr am Montag auf Nachfrage. Um sich der Belastung zu stellen, gebe es interne Angebote, die jede Einsatzkraft wahrnehmen kann, antworten die beiden auf die Frage, wie es den beteiligten Feuerwehrleuten zwei Tage nach dem Vorfall geht.

Die Feuerwehr war schnell mit Einsatzkräften vor Ort. Foto: Siegfried Feuchter

Wichtig sei, untereinander in Kontakt zu bleiben – „In der Gemeinschaft sind wir am stärksten.“

Versorgung Verletzter im Fokus

Bei dem Unfall am Samstag war die Feuerwehr mit den ersten Kräften sehr schnell vor Ort, auch wegen eines Ausbildungstags in der Feuerwache.

Die Lage sei unübersichtlich gewesen, Feuerwehrleute mit rettungsdienstlicher Ausbildung hätten umgehend mit der Versorgung Verletzter begonnen. Unabhängig von der Einsatz-Organisation hätten für alle Einsatzkräfte, die als erste am Unfallort eintreffen, die lebensrettenden Maßnahmen oberste Priorität.

Viele Schaulustige

Panik unter den Umstehenden sei der Feuerwehr zufolge keine zu beobachten gewesen. Allerdings habe sich eine ungewöhnlich große Menge an Schaulustigen gebildet. Schon in der Anfangsphase entschied sich die Feuerwehr daher dafür, einen Sichtschutz aufzubauen.

Passanten sollen geschützt werden

So ein Sichtschutz diene der Privatsphäre der Patienten, aber durchaus auch dem Schutz der Passanten vor der Szenerie der Einsatzstelle.

Mit dem Einsatz am Samstag sei die Arbeit der Feuerwehr noch nicht beendet gewesen. Am Sonntag sei der Kleinalarm der Abteilung Stadt zur Einsatzstelle vom Vortag gerufen worden, wegen der Rutschgefahr für die Passanten.

Absperrungen wurden mutwillig entfernt

Vor Ort habe sich herausgestellt, dass jemand mutwillig die Absperrungen der Feuerwehr entfernt hatte. Der Bereich wurde erneut abgesichert.

Zudem laufen bei der Feuerwehr die Nachbereitungen des Einsatzes. Verbrauchsmaterialien mussten aufgefüllt, die Ausrüstung geprüft und gereinigt werden. „Wie auch jeder größere Einsatz wird auch dieser fachlich aufgearbeitet. Wir führen Gespräche mit unseren Einsatzkräften, ob es ihnen nach den Eindrücken der letzte Woche gut geht“, halten Engler und Salathe fest.