Auch der Rettungshubschrauber „Christoph Ortenau“ war am Donnerstag vor Ort. Foto: Köhler

Einen Tag nach dem Unfall mit zwei Toten kritisiert die Stadt das Verhalten von rücksichtslosen Schaulustigen. Der Fahrer des Lkws ist wieder auf freiem Fuß.

Mehrere Stunden nach dem schweren Unfall, der zwei Menschenleben kostete, sind die Spuren noch zu sehen. Auf der B 415 im Bereich der Einmündung zur B 3 sind Abstandsmarkierungen eingezeichnet. Wer weiß, was sich hier am Donnerstagnachmittag abgespielt hat, bekommt bei ihrem Anblick ein beklemmendes Gefühl.

 

Ein Lkw-Fahrer soll kurz vor 15 Uhr von Lahr kommend auf der Bundesstraße Richtung Autobahn gefahren sein. Dabei soll er im Bereich der Einmündung zur B 3 auf einen Opel Corsa aufgefahren sein, dieser kollidierte mit einem Ampelmast. In der Folge erfasste der Lkw zwei Menschen auf dem Fußgängerüberweg und fuhr weiter Richtung Autobahn. Für eine 38-jährige Fußgängerin kam jede Hilfe zu spät. Der zweite Fußgänger, ein 37-jähriger Mann, starb trotz Reanimationsmaßnahmen an der Unfallstelle. Die Insassen des Pkw wurden verletzt und in ein Krankenhaus gebracht.

Auch die Stadtverwaltung trauert um die Verstorbenen. Zugleich appelliert sie in einer Mitteilung an die Bevölkerung, sich an Unfallstellen respektvoll zu verhalten und die Arbeit der Rettungskräfte nicht zu erschweren.

Die Lahrer Feuerwehr befreite die Insassen, die im Corsa eingeklemmt waren, und unterstützte den Rettungsdienst. Die Einsatzkräfte der Feuerwehr berichteten laut städtischer Mitteilung indes von aufdringlichem und rücksichtslosem Verhalten Schaulustiger sowie weiterer Verkehrsteilnehmer in einem Ausmaß, wie sie es bislang in Lahr noch nicht erlebt hätten. Demnach missachteten einige Gaffer die Absperrungen, andere filmten gar die Arbeit der Rettungskräfte aus nächster Nähe – zum Teil im Beisein von Kindern und Jugendlichen.

„Unsere Gedanken sind in diesen schweren Stunden bei den Opfern dieses furchtbaren Unfalls und ihren Angehörigen. Allen, die den Verstorbenen nahestanden, gilt unser tief empfundenes Beileid. Den Verletzten wünschen wir eine rasche und vollständige Genesung“, sagt OB Markus Ibert. „Das unvernünftige und pietätlose Verhalten Schaulustiger dagegen ist für uns in keiner Weise nachvollziehbar. Wir danken der Feuerwehr, der Polizei, den Rettungsdiensten, den Ersthelferinnen und Ersthelfern sowie allen weiteren Einsatzkräften, die unter schwierigen Bedingungen Hilfe geleistet haben. Ihr Engagement verdient unseren größten Respekt.“

Zeugen: Ampel war für Verkehr Richtung Autobahn rot

Der 56-Jährige Lkw-Fahrer wurde am Donnerstag kurz nach 16 Uhr gefunden und vorläufig festgenommen. Wie die Polizei am Freitag mitteilte, werden ihm fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung, fahrlässige Gefährdung des Straßenverkehrs und unerlaubtes Entfernen vom Unfallort vorgeworfen. Er wurde der Ermittlungsrichterin beim Amtsgericht in Offenburg vorgeführt. Sie setzte den französischen Staatsbürger auf freien Fuß, weil er einen festen Wohnsitz nachweisen kann. Seine Fahrerlaubnis wurde ihm für Deutschland entzogen.

Zum Unfallzeitpunkt sollen die beiden Fußgänger laut Mitteilung der Polizei den Fußgängerüberweg überquert haben. Die vernommenen Zeugen gaben übereinstimmend an, dass die Ampel für den in Richtung Autobahn fahrenden Verkehr auf Rot geschaltet war. Bei den beiden verstorbenen Fußgängern wurde eine Obduktion richterlich angeordnet.

Gesuchter E-Scooter-Fahrer wurde gefunden

Ob die Ursache für den Unfall medizinischer Natur war und warum der Lastwagenfahrer nach dem Zusammenstoß mit dem Opel und den Fußgängern nicht angehalten hatte, ist ein Gegenstand der verkehrspolizeilichen Ermittlungen. Hinweise auf eine Beeinträchtigung durch Alkohol oder Betäubungsmittel zum Unfallzeitpunkt lagen nicht vor.

Der Zeugenaufruf nach einen gesuchten E-Scooter-Fahrer war erfolgreich. Ein junger Mann meldete sich am späten Abend bei der Polizei. Zudem meldeten sich die Eltern eines Jungen, der sich ebenfalls auf dem Fußgängerüberweg befunden hatte.

Sperrung

Die B 415 war am Donnerstag für mehrere Stunden gesperrt. Die Sperrung wurde erst gegen 21.30 Uhr wieder aufgehoben.