Künstliche Intelligenz wird inzwischen in vielen Bereichen genutzt. Doch kann sie süchtig machen? (Symbolbild) Foto: Philip Dulian/dpa

Künstliche Intelligenz ist in vielen Lebensbereichen angekommen. Doch kann die Nutzung in einer Sucht enden? Wir haben bei der Fachstelle Sucht in Rottweil nachgefragt.

In vielen Bereichen scheint Künstliche Intelligenz nicht mehr wegzudenken zu sein. Sei es auf der Suche nach schnellen Antworten auf eine wissenswerte Frage, Hilfe bei den Mathehausaufgaben, die Zusammenfassung von einem langen Text oder auch das Generieren eines einfachen Rezepts für das Abendessen – schnell und komfortabel kann auf die KI zurückgegriffen werden. Doch kann genau diese Vereinfachung im Alltag zu einem Problem werden oder gar abhängig machen?

 

Schließlich ist es ja leichter, die Künstliche Intelligenz helfen zu lassen. Unsere Redaktion hat sich bei der Fachstelle Sucht in Rottweil erkundigt und die KI selbst gefragt, ob sie ihre Nutzer abhängig machen kann.

Suchtmittel regen Belohnungszentrum an

Sucht besteht aus verschiedenen Faktoren, wie Jörg Hügel, Leiter der Fachstelle Sucht in Rottweil, aufzeigt. Zunächst einmal rege sie das Belohnungszentrum an. Die „Einstiegsdroge“ sei meist Zucker, der bei unseren biogenetischen Vorfahren mit Energie verknüpft wurde, so Hügel.

Ein Stück Schokolade nach dem Abendessen alleine mache aber noch nicht abhängig. Es stelle aber ein Potential dar. Erst durch Regelmäßigkeit und auch die persönliche Neigung komme es zu einer Abhängigkeit.

Ähnlich funktioniere das auch mit den Sozialen Medien. Likes und Follower würden das Belohnungszentrum ansprechen. Außerdem sei das Ziel der Plattform-Betreiber, dass Menschen möglichst viel Zeit auf den Kanälen verbringen, da das oft Werbekunden anlocke, so der Sucht-Berater. So würden die Videos, die man sich dort anschauen kann, auch immer schneller und kürzer.

KI nicht das Mittel zur Sucht

Eine derartige Gefahr sehe er bei der Künstlichen Intelligenz derzeit nicht. KI werde meist gezielt für einen bestimmten Zweck verwendet, wie etwa die Antwort auf eine Frage zu bekommen. In ein paar Jahren werde die Verwendung von KI völlig normal sein, so die Einschätzung des Experten. Gerade die jüngeren Generationen würden damit bereits aufwachsen.

Problematisch werden könne, wofür die KI verwendet wird. Zum Beispiel gerate Elon Musks KI gerade in den Verruf wegen des Erstellens von pornografischen Grafiken. Hierbei sei allerdings nicht die Künstliche Intelligenz das Mittel zur Sucht, sondern eine pornografische Nutzungsstörung, erklärt Hügel.

Probleme auf Beziehungsebene

Ebenfalls kritisch kann es werden, wenn Menschen eine „pseudo-soziale Beziehung“ mit einer KI führen. So könnte die Technik als Freund oder Verbündeter angesehen werden. So genannte „Deathbots“ sind zwischenzeitlich sogar soweit, dass sie Stimmen und Persönlichkeiten von verstorbene Personen simulieren.

Jörg Hügel sieht aber auch bei solchen Interaktionen bislang keine konkrete Suchtgefahr. Es würde eher die zwischenmenschlichen Beziehungen belasten.

KI stuft sich als Suchtpotential ein

Wenn man die KI nun selbst fragt, ob sie abhängig mache, bezieht sie sich hauptsächlich auf eine Ausarbeitung von „Springer Nature“ und antwortet folgendermaßen: „Ja, Künstliche Intelligenz kann abhängig machen – allerdings nicht im medizinisch-stofflichen Sinn wie Drogen, sondern psychologisch und verhaltensbezogen. Forschende sprechen hier oft von problematischer Nutzung oder Verhaltensabhängigkeit“.

In der Antwort der KI heißt es außerdem, dass auch sie das Belohnungszentrum ansprechen würde. Faktoren wie endlose Verfügbarkeit, Personalisierung und soziale Simulation wie Verständnis würden eine Sucht begünstigen.

Sie zeigt aber auch auf, dass es bislang noch keine offizielle „KI-Sucht“-Diagnose gebe. Eine zielgerichtete Nutzung, zum Beispiel beim Lernen, sei laut der KI aber unproblematisch.

Hilfe bei einer Sucht

Suchtberatung
Falls Menschen bei sich oder auch bei ihren Mitmenschen eine Sucht vermuten oder feststellen, gibt es niederschwellige Hilfsangebote. Die Fachstelle Sucht in Rottweil bietet Beratungen an. Diese können auch online stattfinden. Außerdem gibt es einen Sucht-Chat-Bot, der von der Bundesregierung gefördert wird. Hier können Betroffene Fragen stellen. In besonders schweren Fällen verweise der Bot an die Suchtstellen, so Jörg Hügel von der Fachstelle in Rottweil.