Altgesellschafter Klaus Wohlfarth hält nach wie vor die BBS-Markenrechte. (Archivfoto) Foto: Fritsche

Während bei der BBS Autotechnik aus Schiltach die Abwicklung läuft, vertreibt die KW Automotive fleißig BBS-Räder. Deren Geschäftsführer Klaus Wohlfarth hatte vor der vierten BBS-Insolvenz die Markenrechte aus dem Unternehmen herausgekauft. Was plant er nun?

Der Mitarbeiter am Messestand blickt freundlich in die Kamera: „Unser Team ist hoch motiviert. Wenn ihr Fragen habt zu Produkten, Produkte auch kaufen wollt, dann kommt einfach vorbei.“ Dort, auf der Essen Motor Show, wirbt BBS für seine Räder. Und scheinbar mit Erfolg, glaubt man dem Instagram-Auftritt von „BBS Germany Official“: „Können uns nicht beklagen wie die Messe läuft“, heißt es in einem Kommentar des Accounts.

 

Aber Moment mal, ist BBS nicht insolvent? Das fragen sich zumindest einige Menschen auf Instagram, die sich über den offensiven Messeauftritt wundern. Den irritierten Nutzern entgegnet der BBS-Account, dass „demnächst neue News auf euch zu kommen“. Den Kommentaren und der Presse solle man nicht immer Glauben schenken, heißt es weiter. „Ihr hört von uns.“

Die Presse war es, die in den vergangenen Monaten das Drama bei der BBS Autotechnik in Schiltach dokumentiert hat. Rund 240 Mitarbeiter waren dort noch beschäftigt, bis Anfang Oktober das Insolvenzverfahren eröffnet worden ist. Für sie gab es am Ende keine Hoffnung mehr – die Realität bei der BBS Autotechnik: kein Geld mehr für Löhne und Gehälter, keine Aufträge, keine Markenrechte.

Letztere liegen wohl seit Oktober 2022 bei Klaus Wohlfarth, wie ein Eintrag bei der World Intellectual Property Organization (WIPO) zeigt. Wolfarth ist Geschäftsführer der KW Automotive – also von dem Unternehmen, das BBS nach der dritten Insolvenz übernommen hatte. Im September 2023 war allerdings auch die damals als BBS Automotive bezeichnete Gesellschaft wieder insolvent. Daraufhin übernahm die türkische IS Holding den Schiltacher Felgenhersteller und führte ihn erneut in die Pleite – ohne die Markenrechte. Ein Rückkauf vom Altgesellschafter KW war zwar angekündigt worden, ist aber nie zustande gekommen.

Mit den Markenrechten und seiner KW Automotive vertreibt Wohlfarth nun fleißig BBS-Räder an Kunden – offenbar von Herbolzheim (Kreis Emmendingen) aus. Denn dort sollen einem Bericht der Fachzeitschrift Neue Reifenzeitung zufolge Räder lagern, die er vor dem Insolvenzantrag aus der BBS Automotive rausgekauft haben soll.

Klar ist aber: Irgendwann wird Wohlfarth Nachschub brauchen, soll es langfristig weitergehen. „Sehr wahrscheinlich werden neue Räder produziert werden“, will die Neue Reifenzeitung wissen. Wo genau, stehe aber noch nicht fest.

Die Spur führt nach Herbolzheim

Die Spur führt aber auch hier nach Herbolzheim – zu der noch jungen „Räder-Manufaktur Herbolzheim GmbH“. Gegründet wurde die Gesellschaft dem Portal North Data zufolge unter dem Namen „Blitz S24-683 GmbH“ im Auftrag der Blitz Erste Gründungs GmbH – einem Unternehmen, das sich um die „Gründung und Veräußerung so genannter Vorratsgesellschaften“ kümmert, also solche, die zunächst nur als Hülle existieren und dem Käufer dazu dienen können, sich Gründungsformalitäten zu ersparen und schnell den Geschäftsbetrieb aufzunehmen.

Die Anteile an der GmbH sind am 20. August auf die KW Beteiligungsholding übertragen worden – und seit dem 6. September ist Klaus Wohlfarth Geschäftsführer der neuen Gesellschaft, die am 15. Oktober in „Räder-Manufaktur Herbolzheim“ umbenannt worden ist. Zweck der Gesellschaft ist „die Entwicklung, Herstellung, der Vertrieb und die Logistik von Rädern, der Handel mit Radsystemen und Radzubehör, sowie alle dem Geschäftszweck dienenden Nebentätigkeiten“.

Wohl ehemalige BBS-Mitarbeiter eingestellt

Ist das also Wohlfarths Plan? Mit den BBS-Markenrechten eine Rädermanufaktur in Herbolzheim zu betreiben? Dazu würde passen, dass KW eine „an zwei Händen abzählbare“ Anzahl an BBS-Mitarbeitern eingestellt haben soll, wie aus Insiderkreisen zu hören ist.

Die KW Automotive will dies auf Anfrage weder bestätigen noch dementieren und sich nicht zu möglichen Plänen äußern, teilt aber mit, dass sie sich in „zukunftsorientierten Gesprächen“ mit dem Insolvenzverwalter der BBS Autotechnik befinde. Auch die Kanzlei des Insolvenzverwalters bestätigt, dass es Gespräche mit KW gibt.

KW trifft Vorbereitungen

Auf erneute Anfrage, in der unsere Redaktion explizit nach der „Räder-Manufaktur Herbolzheim GmbH“ fragt, antwortet KW schließlich: „Im Zuge der laufenden Gespräche sind wir angehalten alle notwendigen formalen Vorbereitungen zu treffen, um bei einem positiven Verlauf handlungsfähig zu sein. In diesem Zusammenhang steht auch die Gründung dieser Gesellschaft.“ Wie, wann und in welchem Umfang diese tätig werde, sei Stand jetzt noch nicht absehbar. „Wir werden Sie und die Öffentlichkeit nach Abschluss der Gespräche gerne informieren und bitten auch in diesem Zusammenhang noch um Geduld.“

Zum Inhalt der Gespräche äußern sich die Parteien mit Verweis auf die Verschwiegenheitspflicht nicht. Klar ist aber, dass bei der insolventen BBS Autotechnik nur noch ein kleines Team damit beschäftigt ist, das Anlagevermögen zu verwerten. Wohlfarth könnte sich also Maschinen sichern, die für eine Manufaktur in Herbolzheim gebraucht werden könnten.

Von der Marke überzeugt

Dass Wohlfarth an das Aftermarket-Geschäft bei BBS glaubt, ist kein Geheimnis. Als die Firma noch zu KW gehörte, kündigte er an, sich nicht mehr auf das Erstausrüstungsgeschäft mit den OEM-Kunden konzentrieren zu wollen, was er mit steigenden Energie- und Rohstoffkosten sowie der Einkaufspolitik der Automobilindustrie begründete. Stattdessen wollte er BBS auf die Endverbraucher ausrichten. Diesem Ziel scheint er nun näherzukommen.