Bis zum späten Abend waren die Ermittler und die Spurensicherung an dem Einfamilienhaus in Pfaffenweiler tätig. Foto: Marc Eich

Es ist eine unfassbare Tragödie, die sich hinter den Mauern eines schmucken Einfamilienhauses in Pfaffenweiler abgespielt hat. Ein 32-Jähriger hat seine Eltern erstochen und sich anschließend selbst umgebracht. Das ist zu der Bluttat bislang bekannt.

Das Haus wirkt einladend. Die Weihnachtsbeleuchtung war noch nicht abgehängt. Besucher müssen durch einen mit Lichterketten hell erleuchteten Bogen laufen, um zum Haus zu gelangen. Am Freitagabend sind es aber Kriminalbeamte und mit weißen Overalls ausgestattete Kriminaltechniker, die hier hindurch laufen. Denn das Haus ist zum Tatort einer Familientragödie geworden.

 

Die Ereignisse müssen wohl bereits im Laufe des Donnerstags ihren Lauf genommen haben. Denn da, so erfährt unsere Redaktion, wird das Ehepaar – sie 57, er 62 – erstmals vermisst. Offenbar waren es Arbeitskollegen, die sich Sorgen gemacht hatten.

Am Freitag gegen 16 Uhr betritt schließlich der 27 Jahre alte Sohn das Grundstück. Im Haus steht, offenbar unberührt, der Mercedes der Familie. Doch schon beim Betreten des Hauses, dürfte es dem jungen Mann eiskalt den Rücken runtergelaufen sein.

Getrocknetes Blut war dort am Boden zu finden. Nur wenige Schritte im Wohnzimmer weiter entdeckt der 27-Jährige seinen 32 Jahre alten Bruder in einer ebenfalls getrockneten Blutlache. Offenbar steckt das Messer noch im Oberkörper. Rettungsdienst mitsamt Notarzt und Polizei werden alarmiert.

Polizei entdeckt das tote Ehepaar

Den am Einsatzort eintreffenden Rettungskräften wird schnell klar: Dem 32-Jährigen können sie nicht mehr helfen. Da aufgrund des aufgefundenen Messers ein Tötungsdelikt im Raum steht, schauen sich die Beamten im Haus um. In einem Nebenzimmer des Erdgeschosses machen sie schließlich eine weitere, grausame Entdeckung: die Leichen einer Frau und eines Mannes, beide erstochen. Auch sie können nicht mehr gerettet werden. Erst später wird klar, dass es sich bei den Beiden um die Eltern der Brüder handelt.

Schon früh deutet sich ein grausames Familiendrama an, das offenbar der 32-Jährige ausgelöst hat. Die ersten Ermittlungen durch Beamte der Kriminalpolizei und der Kriminaltechnik bestätigen bereits nach wenigen Stunden den Verdacht: Der ältere Sohn der Familie hat offensichtlich zunächst seine Eltern ermordet, später sich selbst erstochen.

Spielten psychische Probleme eine Rolle?

Die Kriminalbeamten versuchen allerdings noch den genauen Ablauf der Tat zu rekonstruieren. Dafür waren auch die Nachbarn befragt worden. Klar schien vor Ort aber, dass die Tat nicht frisch passiert war. Dafür spricht auch das getrocknete Blut, wie Polizeisprecher Jörg Kluge erklärt. Möglicherweise kam es bereits am Donnerstag zu den Tötungsdelikt.

Im Mittelpunkt steht wie immer die Frage nach dem „Warum“. Spielten psychische Probleme eine Rolle, wie aus Polizeikreisen zu vernehmen war? Zunächst unklar. In den Sozialen Netzwerken zeigt sich die Familie in voller Harmonie – freudestrahlend lächelt man bei Familienfesten und an Weihnachten in die Kamera. Zumindest bis vor zwei Jahren.

Verdächtiger arbeitete in einem Villinger Autohaus

Der 62 Jahre alte Vater – gebürtig aus Kempten – hatte seit 14 Jahren die Geschäftsführung eines mittelständischen Betriebs in Villingen inne, war vor mehr als zehn Jahren an der Entwicklung der Multimedia-Schnittstelle HDMI beteiligt und Labor-Leiter eines Unternehmens in Villingen. Vor mehreren Jahren soll die Familie, so erfuhr unsere Redaktion, das damals zum Verkauf stehende Haus erworben haben. Der 32-Jährige arbeitete als Verkäufer in einem Villinger Autohaus. Zu viert waren sie dort zuletzt gemeldet gewesen.

In der Vergangenheit soll es dort bereits zu einem Rettungseinsatz gekommen sein, wie unsere Redaktion erfuhr. Ein Messer sei damals möglicherweise schon mal im Spiel gewesen heißt es, von den Eheleuten soll jemand verletzt worden sein. Ob es sich dabei um eine Körperverletzung handelte, ist nicht klar. Auch nicht, ob es eine Verbindung zu dem nun tragischen erweiterten Suizid gibt. Das Motiv des Familiendramas ist nun Gegenstand der Ermittlungen.

Mehrere Bestatter fahren am Abend vor

Diese konnten vor Ort erst nach Mitternacht beendet werden. Gegen 23 Uhr fuhren schließlich mehrere Bestatter vor. Auf Bahren wurden die Leichen zu den Fahrzeugen gebracht und anschließend abtransportiert. Es war das Ende eines Einsatzes, der die Menschen in Pfaffenweiler ratlos und schockiert zurücklässt.