Schlagzeuger und Percussionisten des Musikvereins Harthausen leisteten Großartiges beim Frühjahrskonzert. Foto: Karina Eyrich

„Es gibt nichts Schöneres am Ostersonntagabend, als ein Konzert zu besuchen – noch dazu in Harthausen!“ Deshalb war Karl Edelmann, der Vorsitzende des Blasmusik-Kreisverbands Zollernalb, nicht zum ersten Mal beim Musikverein auf der Scher.

Tolle Idee: In seinem Programm für das Frühjahrskonzert am Ostersonntag hat der Musikverein Harthausen alle Aktiven neben dem Bild ihres Instruments benannt, und so wurde klar, wie stark die Familie des Vorsitzenden Holger Lorrain – wie Familie Biener mit vier und nur getoppt von Familie Kromer mit fünf Aktiven – im Orchester vertreten ist, das Dirigent Walter Hauser durch einen schwungvollen Abend geführt hat.

 

Einen goldenen Auftritt hatten die jungen Musikerinnen der Jugendkapelle HaWiStra. Foto: Eyrich

Der Everest hat nichts mit Bergsteigern zu tun

An dessen Beginn trat der Rock ’n’ Roll seinen Siegeszug an mit „Summer Nights“ aus dem Musical „Grease“, ehe die Jugendkapelle HaWiStra unter Mareike Kasunics Leitung ins „Zauberland“ entführte, Coldplays „Viva la Vida“ zelebrierte und mit „Smoke on the Water“ eine rhythmische Zugabe spielte. Schon dabei wurde klar: Wenngleich der Musikverein Harthausen sich der Blasmusik verschrieben hat und nur eine seiner Musikerinnen „Klopfer“ heißt, hat er doch wahrlich exzellente Schlagzeuger und Percussionisten: Markus Abt, Gerhard Brendle, Linus Traub und Jochen Wittner legten weit mehr Taktgefühl an den Tag, als heutzutage unter Mitmenschen verbreitet ist, und krönten die fetzigen Stücke – der Höhepunkt: „Hard Beat“ von Tom Raes – mit exakten Stick- und Klöppelschlägen.

Die Jugendkapelle leitete den Abend ein. Foto: Eyrich

Auf dieser höchst soliden Grundlage ließen auch die Holz- und Blechbläser des Großen Orchesters die Töne tanzen bei einem bunten Mix an Stücken, zu dem die charmante Ansagerin Kathrin Metzger die Hintergründe lieferte. „Everest“ etwa habe nichts mit Bergsteigen zu tun, sondern erzähle von einem Abend des Komponisten Jacob de Haan in angenehmer Atmosphäre im gleichnamigen Restaurant im 40. Stock eines Wolkenkratzers in Chicago. Warum dann so viele Moll-Töne zu Beginn? Vielleicht gab es ja Wermut zum Aperitif!

Die Solisten sind durchweg ein Glücksgriff

Ein weiterer Holländer, Hans van der Heide, hat die „Festival Ouvertüre“ geschrieben, welche die Freude an der Musik vermitteln soll – und das ist den gut aufgelegten Akteuren vollauf gelungen.

Glücksgriff: Gayle Meintel Foto: Eyrich

Dass der Musikverein Gayle Meintel zur Verstärkung geholt hat, erwies sich bei Philip Sparkes „White Light“ als echter Glücksgriff, veredelte sie mit ihrem Oboen-Solo doch die Komposition, die eine japanische Oboistin in Auftrag gegeben hatte – die Titelfarbe „Weiß“ mag diese am liebsten.

Sax Bomb: die vier Saxofonisten in Aktion Foto: Eyrich

Überhaupt haben die Harthauser glänzende Solisten in ihren Reihen – sogar Sänger: Tobias Metzger schmetterte mit opernreifem Tenor das Solo bei Kurt Gäbles „Mein großer Traum“, und die Saxofonisten Jana Müller, Irina Klopfer, Anna Maria Mauz und Udo Rapp brillierten zu „Sax Bomb“ von Marcel Saurer, mit dem das Orchester in die Heimat des Jazz, nach New Orleans, entführte.

Jung, aber oho: Simon Kühn (links) spielte ein fantastisches Solo. Foto: Eyrich

Bekannte Ohrwürmer standen ebenfalls im Programm, etwa der Sister-Act-Hit „I Will Follow Him“, bei dem der junge Simon Kühn ein fantastisches Posaunen-Solo spielte, und der Lieblingsmarsch der Neuen Egerländer Musikanten, „Gruß an Böhmen“.

Walter Hauser dirigierte sein Orchester souverän und mit Verve. Foto: Eyrich

Der Wunsch im Titel des Eingangsstücks „Let’s Celebrate“ von Gilbert Tinner, wurde somit wahr: Ein gut gelauntes Publikum feierte das gut ausbalancierte, in allen Registern engagierte und bestens harmonierende Orchester mit so viel Applaus, dass es gleich mit mehreren Zugaben belohnt wurde, darunter die „Hymne der Blasmusik“, wie Kathrin Metzger sagte: Die Polka „Wir Musikanten“ gab Tobias Metzger noch einmal Gelegenheit, auch stimmlich zu begeistern.