Gleich acht Jahreszeiten-Werke standen beim Konzert des Schwarzwald-Musik-Festivals in Schiltach mit dem Kammerorchester der Bayerischen Philharmonie auf dem Programm.
Als Solisten in den Werken von Antonio Vivaldi und Astor Piazzolla brillierten dabei Geiger Tassilo Probst und der amtierende Europameister im „Human Beat-Boxing“ Robert Wolf aka Robeat.
Der Mix aus Lyrik (Robeat rezitierte vor jeder Jahreszeit das von Vivaldi 1725 dazu verfasste Sonett), der spannenden Gegenüberstellung der europäischen (Vivaldi) und südamerikanischen Jahreszeiten (Piazzolla) mitsamt der fast 250 Jahre Musikgeschichte, die zwischen diesen beiden Komponisten liegen und den Einwürfen der „Fachkraft für Mundakrobatik“
Tassilo Probst zeigte sich vom Start weg sehr dem begleitenden Orchester zugewandt und fand sichtlich Spaß an den kleinen Duetten und Duellen, die Vivaldi für die Sologeige beispielsweise mit den beiden Celli vorgesehen hatte. Solist und Orchester wurden von Robeat als menschliche Drum-Station nach Kräften unterstützt. Piazzollas erste Jahreszeit atmete die schwere Melancholie des südamerikanischen Sommers, die stehende Hitze wurde lautmalerisch unterbrochen vom Vogelgezwitscher aus der menschlichen Beat-Box, dann dominierten die düsteren Klangbilder der Bässe, denen Piazzolla unter anderem „mit dem Bogen auf die Saiten schlagen“ als Spieltechnik ersonnen hatte. Einem Fiebertraum gleich retteten sich Solist und Orchester in den hochdramatischen Schlussakkord.
Mit der Imitation von Turteltaube, Kuckuck, Stieglitz und – als Comedy-Element - der Stechmücke von der menschlichen Beat-Box ging es zurück in den europäischen Sommer.
Virtuos spielte sich Probst mit den beiden Cellisten warm für die ikonischen Melodien des barocken Meisterwerks, die über Jahrhunderte bereits fest im europäischen Kulturkanon verankert sind, zusammen mit den wuchtigen „vocal percussions“ von Robeat wehte ein Hauch von „Rock meets Classic“ durch die Schiltacher Stadtkirche.
Stürmischer Herbst
In der Abfolge der Jahreszeiten ging es wieder auf die Südhalbkugel, der Herbst als stürmische Übergangsjahreszeit nötigte Probst in hohem Tempo unter anderem ein Bartok-Pizzicato und das ganze dynamische Spektrum von Piano-Stellen nahe der akustischen Wahrnehmbarkeitsgrenze bis hin zum wieder hochdramatischen Schlussakkord ab.
Nach der Pause kam Vivaldis Herbst deutlich entspannter daher, die Piano-Stellen boten Solist und Orchester die Chance, feine Melodien registerübergreifend zu wiederholen, erstmals kam in der wunderbaren Akustik der Kirche auch das Cembalo zur Geltung. An der Beat-Box beschränkte sich Robeat auf das leise Pfeifen des Windes.
In Piazzollas Winter erhob sich die klagende Stimme der Solo-Violine über die klirrende musikalische Kälte. Piazzollas Narrativ eines Wintertags war konsequent erzählt von der Weigerung des Orchesters, sich auf die Violin-Motive einzulassen bis hin zum erstmals fehlenden jahreszeitlichen Schlussakkord.
Vivaldis Sonett wurde von Robeat zähneklappernd vorgetragen, Schneematsch, ein Sturz auf glattem Eis und weitere Spezialeffekte bildeten die Lautkulisse für den sinfonischen europäischen Winter, dem Vivaldi im letzten Allegro-Satz deutlich mehr Zuversicht auf den nahenden Frühling komponiert hatte. Die winterliche Arbeitsverweigerung war passé, begeistert ging das Orchester jede Volte des Solisten mit, Bratsche, Cello und selbst die Kontrabassistin glänzten mit Einwürfen, Robeat gab ein letztes Mal mit viel Verve das menschliche Schlagzeug.
Mit stehenden Ovationen erklatschte sich das Schiltacher Publikum zwei Zugaben.