Christoph Kaufmann (links) und Roland Köppel mit der Hammond-Orgel B3 aus dem Jahr 1961 gaben in der katholischen Kirche St. Peter und Paul ein Konzert. Foto: Dorothee Philipp

Die beiden Musiker entfesselten in der Kirche St. Peter und Paul in Weil am Rhein einen Dialog, der zu keiner Sekunde langweilig wurde.

Neue Dimensionen der Orgelmusik eröffnete das zweite Konzert im Regio-Orgelzyklus in der katholischen Kirche St. Peter und Paul in Weil am Rhein. Zu Gast waren die beiden Organisten Christoph Kaufmann und Roland Köppel, letzterer mit seiner Hammond-Orgel B3, einem Original aus dem Jahr 1961.

 

Die Aufstellung der beiden Instrumente, hier die Metzler-Orgel und gegenüber vor dem Altar die B3, generierte schon optisch eine ungewöhnliche Raumwirkung, die gleich mit dem ersten Stück ein akustisches Pendant erhielt. In dem von Köppel komponierten Stück entfalteten die beiden Musiker einen inhaltsreichen Dialog mit wechselnden Rollen, die sowohl die klanglichen Ähnlichkeiten als auch die Verschiedenheiten der beiden Orgeln in Szene setzten.

Singstimmen und Vibrato-Effekte

Mit einem Stück der Musiker-Legende Jimmy Smith, der die Hammond-Orgel im Modern Jazz etabliert und damit Musikgeschichte geschrieben hat, zeigte Köppel den ganzen Farbenreichtum dieses Instruments, das durch die elektromagnetisch erzeugten Klänge Singstimmen und sanftes Streicher-Timbre wecken kann. Dazu kommen eine sehr bewegliche Dynamik sowie Hall- und Vibrato-Effekte, die Köppel gekonnt und sparsam einsetzte.

Samtpfötig daherkommende Staccato-Passagen und wie eine Kugelbahn schlitternde Glissandi eröffneten in diesem Zusammenhang ganz neue Hörerleindrücke.

Klangfarben über einem Teppich sanfter Bässe

Sakrale Feierlichkeit kombiniert mit dem Glamour der Broadway-Musicals verströmte mit „Old Folks“ ein Standard, in dem die beiden Orgeln leuchtende Klangfarben über einem Teppich aus sanften Bässen aufblühen ließen.

Die Metzler-Orgel, über 30 Jahre jünger als ihre elektronische Partnerin in diesem Duo, zeigte sich solistisch in der prächtig aufgezäumten Toccata Quinta von Georg Muffat, wo sich machtvoller Mixturklang wie ein Feuerwerk über einem dröhnenden Orgelpunkt entfaltet, bis dann die Zungenregister mit fröhlichem Laufwerk übernehmen. Barocke Üppigkeit des 17. Jahrhunderts in einem neuen Kontext, denn auch die darauf folgende Filmmusik von Hans Zimmer „Only I will remain“ aus dem erst 2024 erschienenen Film „Dune Part 2“ erlebte man als stimmige Fortsetzung dieser Malerei mit Tönen.

Was das gesamte Konzert prägte, war die Transparenz und die präzise, nachvollziehbare Zusammenfügung der Motivbausteine, die sich die beiden Instrumente immer wieder zuspielten. Wunderschön aufgemacht kam ein Medley aus irischer Volkmusik daher. In einem aus dem 17. Jahrhundert stammenden anonymen „Gigg“ ließ die Metzler-Orgel lustiges Vogelgezwitscher in Diskantlage erklingen.

Klangverwandtschaft beider Instrumente

Eine fantasiereiche Version von „Georgia on my mind“ brachte säuselnden Windhauch und schmeichelndes Blues-Feeling in den Kirchenraum. „Messages“, eine Gemeinschaftskomposition der beiden Künstler zu Melodien und Rhythmen aus Mali gefiel durch eine luftige Faktur, elegant und beherrst, in der die rhythmischen Motive eine magische Manie entwickelten. Große Gestik à la Muffat beherrschte die von beiden kreierte „Toccata Rinaco“, eine „Toccata aus Reinach“, in der üppig wohlgerundete, aber keiner deutlichen Tonart zugehörende Klänge eine großartige Feierlichkeit erzeugten. Hier konnten die Zuhörer in ausschwingenden Unisono-Passagen die Klangverwandtschaft der beiden Instrumente genießen.

Die Besucher konnten dem Konzert folgen wie einer spannenden Lesung. Die verschiedenen Klangmöglichkeiten der beiden Orgeln sowie die unterschiedlichen Musikstile wurden von den beiden Musikern als stimmiges Ganzes präsentiert, das keine Sekunde langweilig wurde.

Nach dem Konzert war die Hammond-Orgel B3 umlagert von interessierten Fans. Zu den Fragen gaben die beiden Musiker gerne Auskunft.