„Let The Good Times Roll“ – oder besser „Lasst uns Feiern“ ist das Motto des diesjährigen Jahreskonzerts des Musikvereins Wollbach. Alle vier Konzertabende sind ausverkauft.
Dass es sich dieses Mal um ein ganz besonderes Konzert des ohnehin auf hohem Niveau agierenden Musikvereins Wollbach handelt, zeigte sich bereits beim Entree zur Kandertalhalle. Dieses war in ein „Walk of Fame“ a la Hollywood samt rotem Teppich verwandelt worden. Die Sterne des Wollbacher „Walk of Fame“ bezeichneten die musikalischen Register wie Schlagwerk, Horn oder Flöten. Mancher der Besucher wagte sich daher auch nicht, den roten Teppich zu betreten.
Alle Abende ausverkauft
Die Wollbacher Musiker können von ihren obligatorischen Erfolgen und musikalischer Attraktivität überzeugt sein, dies zeigte sich dieses Jahr in der Ausrichtung von vier Konzertabenden an den letzten Wochenenden im Januar. Vorständin Annette Krey sagte im Gespräch mit unserer Zeitung: „Sämtliche Abende sind ausverkauft“. Pro Abend konnten in der Halle insgesamt 380 Plätze verkauft werden.
Aufwendige Umsetzung
Vorbereitet wurde die Halle mit aufwendiger Bühnen-, Ton- , Licht-, Video und Elektrotechnik. Diese wurde innerhalb zwei Wochen so schonungsvoll wie möglich innerhalb des Schul- und Sportbetriebes eingebaut. „Wir feiern dieses Mal auch den 160. Geburtstag des Vereins, der 1866 gegründet wurde“, erzählte Krey. Dann gab es noch einen zweiten, gewichtigen Grund zum Feiern: Der überaus beliebte Dirigent der Wollbacher, Oliver Hauser, ist seit 30 Jahren beim Verein und hat mit diesem eine Vielzahl beeindruckende Konzerte gestaltet. Dieses Mal durfte sich Oliver Hauser als Jubilar die Themen des Konzertes selbst aussuchen.
Hommage an Udo Jürgens
Die erste Hälfte des Konzertabends war eine Hommage an den 2014 verstorbenen Unterhaltungsmusiker Udo Jürgens mit Titeln aus dessen letztem Konzert in Zürich. Die zweite Hälfte galt den Highlights aus Pop und Rock, von den Beatles über Queen zu Nena, Sting, Michael Jackson, den Backstreet Boys oder den Spice Girls.
Vier Stunden Programm
Das einstudierte Programm war inklusive Pause mit mehr als vier Stunden sehr umfangreich. Darunter zählte auch die Einführung zum Konzert von Vize-Vorstand Thomas Kuckuk und einer sehenswerten Video-Präsentation des Lebens von Udo Jürgens. Am Tag des ersten Konzertes war weder beim Dirigent, noch beim Orchester oder der Vokalgruppe mit Alexander Gottstein und den vier beeindruckenden Sängerinnen Raja Kuckuk, Anuschka Wagner, Christina de Groote oder Damaris Arnold Nervosität zu spüren. Brillant begleitete Paulina Maslanka am Piano.
Großes Orchester mit Gastmusikern
Das Orchester der Wollbacher bestand bei seinem Projektkonzert einschließlich der elf Gast-Streichmusiker aus rund 80 Aktiven und präsentierte eine außerordentlich qualitätvolle Reise durch die Lieder von Udo Jürgens und der Pop- und Rockgeschichte. Der Verein hatte weder Mühe, noch Arbeit und hohe Ausgaben gescheut, um seinen Gästen einen unvergesslichen Abend zu bereiten. Und die Mühe hatte sich gelohnt: Es war ein Abend, der in langer Erinnerung seiner Gäste bleiben wird.
„Von der Vision zur Mission“
„Let the Good Times Roll“ erwies sich schlussendlich auch als fetziger Coversong aus den 1940er-Jahren, hinreißend präsentiert von „Rock-Röhre“ Anuschka Wagner. Bei den Rhythmen zu „All you need is love“ der Beatles hielt es sogar Dirigent Oliver Hauser am Dirigentenpult nicht mehr aus und wagte ein Tänzchen mit einer Musikerin. Das mitreißende Tanzpaar animierte zuletzt weitere Tanzpaare.
Sich selbst übertroffen hatte das Orchester mit vielen Stücken, darunter Hits wie „Bohemian Rhapsody“, „Radio Gaga“ von Queen oder „Stairway to Heaven“ von Led Zeppelin.
„Geht nicht, gibt’s nicht.“
Der 55-jährige Oliver Hauser hielt für das Publikum auch eine Rückschau auf seine Dirigententätigkeit in Wollbach, die 1996 startete. „Ich freue mich seit 30 Jahren unverändert auf jeden Donnerstag zum Proben in Wollbach“, sagte der studierte Konzertpädagoge. Er zeigte sich dankbar, dass die Musiker ihn als „bekennenden Schwaben“ aus Denkingen an der Schwäbischen Alb aufgenommen hätten. Er sei mit den Wollbachern eng verbunden und betrachtet den Verein als Familie. In den Nuller-Jahren wurde bei ihm die Arbeit in Wollbach von der „Vision zur Mission“. „Das gemeinsame Musizieren hier verursacht einfach Freude“, sagte er. Das „Kunstwerk“ dieses Konzerts würde sogar ihn erstaunen – es sei das Resultat einer Arbeit wie im Bienenstock. Das Orchester und die Gastmusiker des Konzertprojektes hätten festgestellt: „Geht nicht, gibt’s nicht.“ Hauser wird bei der Hauptversammlung des Vereins im Februar für 40 Jahre aktives Musizieren vom BDB geehrt.
Videos eingeblendet
Videos von Interviews der Angehörigen des Musikvereins wurden präsentiert, in denen ausgesagt wurde, wie tief die Verbundenheit zum Verein ist. Übereinstimmend wurde der Musikverein als „Familie“ bezeichnet, die auch in schwierigen Zeiten zusammenhält. Eine Enkelin berichtete, dass ihr Großvater sogar regelmäßig die Proben besucht, um auf dem Laufenden zu bleiben.
Großartige Unterhaltung
Eines der letzten Stücke war das passende „The Final Countdown“ von Europe. Natürlich entließ das Publikum das großartig unterhaltende Orchester nicht ohne Zugaben. Diese wurden mit Standing Ovations eingefordert. Am Konzertende wollte der Applaus nicht enden.
Für das leibliche Wohl sorgten am ersten Veranstaltungs-Wochenende die Helfer des Musikvereins Binzen.