Zum letzten Mal wurden Sieger des Lahrer Mundartwettbewerbs gekürt, der nun eingestellt wird.
Wehmut auf der einen Seite, Ernüchterung auf der anderen: Die Vergabe der „Lahrer Murre“ für das Jahr 2025 war am Montagabend gekennzeichnet von dem bereits im Oktober 2024 angekündigten Aus für den einzigen Mundartpreis in Baden. Der 2013 von Tom Jacobs und dem Lahr-Verlag mit Unterstützung der Stadt und der Muettersproch-Gsellschaft erstmals ausgelobte Wettbewerb hat es am Ende nicht vermocht, die alemannische Mundart als Literaturform nachhaltig zu fördern.
Bei der jährlichen Vergabe des seit 2015 von der Lahrer Mediathek betreuten Literaturpreises wurden zwar durchgehend ansprechende Prosa- und Lyriktexte gewürdigt. Die Zahl der eingereichten Beiträge war zuletzt aber rückläufig, das Teilnehmerfeld überschaubar. Um zu verhindern, dass immer dieselben Preisträger auf dem Podest stehen, wurden die jeweiligen Sieger zuletzt von der Teilnahme im Folgejahr ausgeschlossen.
Moderator Heinz Siebold, der auch den jährlichen „Highmat-Abend“ der Rockwerkstatt und der Bürgerstiftung im Rahmen der Literaturtage „Orte für Worte“ betreut, bescheinigte der Mundartszene am Montag nicht zum ersten Mal ein Nachwuchsproblem. Junge, unverbrauchte Gesichter sind ebenso die Ausnahme wie literarische und musikalische Juwelen. Die Szene wird von älteren Semestern geprägt, von einer Handvoll Protagonisten.
Den Machern hinter der „Lahrer Murre“ ist es letztlich nicht gelungen, den Wettbewerb attraktiv zu positionieren. 300 Euro für den ersten Preis in den Sparten Prosa und Lyrik, 200 Euro für den zweiten Platz. Dazu eine nachgeschaltete Lesung unter dem Dach des Schwarzwaldvereins in der Hammerschmiede in Reichenbach. Zu wenig, um dem schleichenden Siechtum der Mundartdialekte etwas entgegenzusetzen.
Auf der Siegerliste stehen bekannte Namen
Immerhin gab Schirmherr Guido Schöneboom am Montag ein Bekenntnis zur Mundart ab und kündigte an, sie in Lahr in anderer Form auch weiterhin zu fördern. Freilich wurde gleichzeitig der einzige Mundart-Wettbewerb am Oberrhein aufgegeben, mit einem Hinweis auf einen neu aufgelegten Dialektpreis des Landes in Stuttgart.
Die Jury-Mitglieder Stefan Pflaum, Ludwig Hillenbrand und Ulrike Derndinger hatten die fünf besten Beiträge für die von Helmut Dold umrahmte Prämierung ausgewählt. Kooperationspartner waren wieder die Muettersproch-Gsellschaft und der Schwarzwaldverein Reichenbach.
Die Preisträger sind durchweg in der Szene etabliert. Wendelinus Wurth (Gutach), der in der Sparte Lyrik den zweiten Platz belegte und in krankheitsbedingter Abwesenheit in Sachen „Lahrer Murre“ das halbe Dutzend vollgemacht hat, sitzt als Autor, Übersetzer und Verlagsleiter seit vielen Jahren fest im Sattel. Sein Gedicht „Herrebach oder Glück im Unglück“, spielt schelmisch mit dem Bild eines herrischen Landbauern. Uschi Walkenhorst (Freiburg), 2023 die Gewinnerin des „2. alemannischen Poetry-Slam“, belegte mit ihrem Gedicht „s Znüni“, eine poetische und doch auch karge Hommage an ein altes Ehepaar, in Sachen Lyrik den ersten Platz.
Den zweiten Platz in der Sparte Prosa teilten sich Willi Keller (Offenburg), der bereits zum fünften Mal bei der „Lahrer Murre“ erfolgreich war, und die in Denzlingen lebende Autorin Carola Horstmann. Die Verfasserin mehrerer Mundartbücher war bereits 2015 in Lahr erfolgreich. Sie punktete mit einer empathisch geschriebenen Kurzgeschichte über eine alte Frau, die in ihrer Demenz immer mehr den Boden unter den Füßen verliert.
Den ersten Platz belegte Valo Christiansen aus Bochum, das einzige neue Gesicht in der diesjährigen Preisträgerliste. Christiansen (32) sorgte aber spürbar für frischen Wind. Das Alemannische hat Christiansen übernommen von der Mutter und der Großmutter aus Weil am Rhein, die Sprache geschärft in zahlreichen Poetry-Slams. Hinzu kamen Moderatorentätigkeiten und Übersetzungen sowie regelmäßige Workshops.