Die Schüler der Gerhard-Jung-Schule in Zell im Wiesental haben sich mit ihrem Namenspatron beschäftigt. Fünf Sprachexperten führten sie in die alemannische Sprache ein.
Katrin Ruesch, Heidi Zöllner, Sandhya Hasswani, Uli Fuehre und Markus Manfred Jung haben am Dienstag den Kindern der Gerhard Jung-Schule in Zell Alemannisch gelehrt. Einmal im Jahr feiert die Schule den Gerhard Jung-Tag mit Gästen, die alemannisch sprechen. In diesem Jahr wäre Gerhard Jung 100 Jahre alt geworden. Jung hat zahlreiche Gedichte in Hochalemannisch verfasst, außerdem zahlreiche Hör- und Mundartspiele.
Katrin Ruesch trug den Kindern zunächst ein Gedicht in einer Fantasiesprache von Christian Morgenstern vor, dann „Schneeglöckle“ von Gerhard Jung. Die Kinder durften Wörter aufzählen, die ihnen aus diesem Gedicht in Erinnerung geblieben sind. Auch einige Fingerspiele hatte die Lehrerin, die in Frankreich „Deutsch als Fremdsprache“ unterrichtet, parat, zum Beispiel die alemannische Version von „Wenn es regnet“. Markus Manfred Jung, einer der Söhne von Gerhard Jung, gab den Kindern Gedichtzeilen, die sie zu dem Gedicht „Pfaffenberg“ zusammensetzen sollten. Er ließ die Kinder auch einige Seiten aus „D Häslischuel“ vorlesen. Das war anfangs etwas schwierig, ab dem zehnten Bild wurde es dann flüssiger. Jung ist in die Fußstapfen seines Vaters getreten und schreibt Lyrik.
Sandiya Hasswani zeigte den Kindern die lustige Seite von Gerhard Jung. Fünf Kinder trugen den Grundschülern am Mittag zwei Gedichte von Jung vor. Der Musiker Uli Fuehre stellte den Kindern historische alemannische Lieder vor. Heidi Zöllner von der Muettersprochgsellschaft veranstaltete ein Quiz mit den Kindern, bei dem sich herausstellte, dass die Heranwachsenden sehr genau wissen wer der „Heimatdichter des Wiesentals“ ist.
Die Lehrerin Regina Jung-Mottarelli brachte den Kindern Rondelle bei, die vor allen Kindern vorgetragen wurden. In einem dieser Achtzeiler, in dem Zeilen wiederholt werden, stellte ein Junge fest: „Zell het netti Lüt“.
Und mit der Trachtengruppe studierten die Kinder Tänze ein, die am Mittag ebenfalls aufgeführt wurden. Gerhard Jung hat 1951 die Trachten- und Laienspielgruppe gegründet. Stefanie Trautner, mit Andrea Hornburg Leiterin der Kindertrachtengruppe, las eines von Gerhard Jungs „Trachten“-Gedichten vor.
Die abwechslungsreiche, halbtägige Veranstaltung wurde unterstützt vom Landesprogramm „Mundart in der Schule“, das sich für den Erhalt und die Vermittlung von Dialekten einsetzt.
Aufmerksam hörte auch Rudolf Bühler, Geschäftsführer des Dachverbands der Dialekte Baden-Württemberg, den Vortragenden zu. Überall im Land unterstützt der Dachverband Veranstaltungn die sich dem Idiom der Region widmet. Wer Dialekt spricht, fühlt sich mit seiner Heimat verbunden.