Die „Internationale Schopfheimer Mund-Art Literatur-Werkstatt“ mit öffentlichen Veranstaltungen in Weil, Schopfheim und Basel steht vor der Tür.
Die Veranstaltung feiert in diesem Jahr feiert ihre 36. Auflage von Freitag, 27., bis Sonntag, 29.März. Die erste öffentliche Lesung findet am Freitag ab 20 Uhr in der Galerie Stapflehus in Altweil statt.
Nach der Werkstattarbeit in der Stadtbibliothek Schopfheim am Samstag zum Thema „Dialekt und Hochsprache: zwei Paar Schuh?“ und dem Empfang im Rathaus findet ab 20 Uhr der Auftritt in Sankt Agathen im Schopfheimer Ortteil Fahrnau statt. Ebenso treten die Autoren am Sonntag, ab 11 Uhr in der Bibliothek der „Allgemeinen Lesegesellschaft Basel“, direkt neben dem Münster, auf.
Es wird eine äußerst spannende Mischung von Dialekten zu hören sein, wenn zum Beispiel der in Basel wohnende und im Wiesental geborene Alemanne Jörg Bertsch auf den Oberösterreicher Hannes Decker aus Linz trifft, oder die junge auf Ladinisch schreibende Südtirolerin Nadja Rungger auf den südfränkischen Poetry-Slam Meister Stefan Unser aus Malsch. Schweizer Vertreter ist der bekannte Liedermacher „Züriblues“ alias Igor Basic aus Zürich. Der im Kleinen Wiesental lebende Initiator Markus Manfred Jung sowie Volker Habermaier, Schwabe von Herkunft, als Moderator komplettieren das Septett.
Jörg Bertsch, 1949 in Steinen auf die Welt gekommen, sagt von sich, er sei als Kind und Jugendlicher eine „Leseratte“ gewesen. Vor allem Abenteuerbücher, darunter natürlich viele von Karl May, hätten es ihm angetan. Unzufrieden mit dem Beruf wird er schließlich doch Redakteur bei einer Lokalzeitung im Wiesental. Seine Liebe zur Sprache zeigt er darüber hinaus als Ghostwriter, Textdesigner, Lektor, Korrektor und vor allem als weltlicher Trauerredner und somit Geschichten-Nacherzähler.
Akribische Interpretationssezierungen von Literatur im gymnasialen Deutschunterricht hätten aber die Lust an der Sprache fast erstickt. So studiert er nach dem Abitur, trotz frühem Hang zum Journalismus, Jura und wird Rechtsanwalt.
Er schreibt Reiseberichte, Kurzgeschichten und satirische Erzählungen, zumeist für die Schublade. Auf Anregung von Heidi Zöllner überträgt er einige für die Zeitung geschriebene Weihnachtsgeschichten ins Alemannische und reüssiert damit.
Zweimal erhält er den ersten Preis beim Wettbewerb „Lahrer Murre“.
Hannes Decker, 1946 in Tautendorf bei Gars/Kamp in Nieder-Österreich geboren, wohnt in Linz, ist verheiratet und freut sich über vier Kinder und fünf Enkel.
Er arbeitete als Kaufmännischer Angestellter bei ewe-Küchen Wels und engagierte sich als Angestellten-Betriebsrat. Als Mundart-Schriftsteller hat er drei eigene Gedichtbände herausgegeben, zuletzt „im schpüagü“.
Er ist Ehren-Mitglied im Ober-Österreicher Stelzhamerbund und dessen „Gruppe neue Mundart“ und war lange Zeit dessen Vizepräsident. 2014 erhielt er die Kulturmedaille der Stadt Linz.
2018 wurde er als Konsulent für Volksbildung und Heimatpflege berufen. 2023 gewann er den Karl-Pömer-Preis für ungereimte Gedichte „neue mundart”.
Nadia Rungger, kam 1998 auf die Welt und lebt als Autorin in Gröden/Südtirol. Sie hat Germanistik in Graz studiert und Angewandte Sprachwissenschaft in Brixen. Ihr Debutband „Das Blatt mit den Lösungen. Erzählungen und Gedichte“ (Verlag A. Weger) erschien 2020.
Sie hat schon eine unglaublich lange Liste von Literaturpreisen und Auszeichnungen zu verzeichnen, und zwar für Prosa und Lyrik auf Deutsch und Ladinisch. Zuletzt erhielt sie den Jurypreis des Literaturpreises Irseer Pegasus 2024 und das Lichtzngen-Lyrik-Stipendium des Landes Steiermark. Sie initiiert interdisziplinäre Projekte und Ausstellungen. Ihr neuer Lyrikband erscheint im Herbst 2026. Die ladinischsprachige Radiosendung vis-à-vis: ancuntedes cun Nadia Rungger (vis-à-vis: Begegnungen mit Nadia Rungger) ist einmal monatlich auf Rai Ladinia zu hören.
Stefan Unser, arbeitet in der IT einer wissenschaftlichen Bibliothek und lebt in Malsch (bei Karlsruhe) – dem Dorf, in dem er 1963 geboren wurde. Er sagt über sich, er sei schon immer auf der Suche nach intelligentem Leben gewesen und glaube seit seiner Kindheit an Gutlinge. Seit 2006 schreibt er literarisch und ist 2014 in die Poetry-Slam-Szene eingestiegen. „Aus Versehen“ sei er 2016 der Poetry Slam Landesmeister Baden-Württemberg. Inzwischen ist er mit mehr als 1000 Auftritten einer der aktivsten und erfolgreichsten Slam Poeten im Land.
Stefan Unser hat ehrenamtlich mehr als 350 Slam-Veranstaltungen organisiert/moderiert und die Karlsruher Poetry Slam Szene über ein Jahrzehnt geprägt. Er kann Hochdeutsch (wells monchmol gscheider riwwerkommt un oin sonscht koiner meh verschteht), un a gonz normal schwätze (däheim). Im vergangenen Jahr reizte ihn das vom Dachverband der Dialekte ausgeschriebene „Kurpfälzer Drabble Battle“ in Weinheim, wo er mit seinen fünf 100-Wörter-Texten gleich Sieger wurde. Dies spornte ihn an, verstärkt Texte in seinem Karlsruher unterfränkischen Dialekt zu schreiben.
Igor Basic, 1986 geboren und aufgwachsen in Zürich ist ebenda von Zeit zu Zeit als Mundart Liedermacher „Züriblues“ auf Bühnen zu sehen. Nach seinem Debutalbum „Rägetrinke“ aus dem Jahr 2021 ist vor ein paar Monaten sein zweites Album „Fürimmerfriede“ erschienen. Seine Liedertexte handeln von den Widrigkeiten des Lebens und der Liebe.
Im Lied „Ufem Trottuar“ etwa geht es um zwei Menschen, die sich immer näherkommen, es aber trotzdem nicht schaffen, sich zu berühren. Die Art und Weise, wie er seine teils humorvollen Geschichten vorträgt, haben ihm schon zum Sieg am Schweizer Mundart Liedermacherfestival „Troubadix“ geführt. Er schafft es, mit seiner warmen Stimme den harten Zürcher Dialekt sanft klingen zu lassen. Neben seiner Leidenschaft für Mundarttexte arbeitet Igor Basic seit vielen Jahren als Kulturjournalist beim Schweizerischen Rundfunk SRF, unter anderem für die Sendungen Kulturplatz, Passage oder Perspektiven.
Markus Manfred Jung, geboren 1954 in Zell im Wiesental, aufgewachsen in Lörrach, studierte Germanistik, Skandinavistik, Philosophie und Sport in Freiburg/Breisgau und Oslo/Norwegen.
Er schreibt Prosa, Lyrik, Theaterstücke und Hörspiele in Hochdeutsch und alemannischer Mundart. Er war Lehrer am Theodor-Heuss-Gymnasium in Schopfheim, ist Schriftsteller und lebt mit der Malerin Bettina Bohn in Hohenegg, Kleines Wiesental.
Mit ihr zusammen gab er zuletzt den Bild-Gedichtband „Dies geatmete Licht – Des gschnupfti Liecht“ heraus. Er begründete 1989 mit Thomas Burth die „Internationale Schopfheimer Mund-Art Literatur-Werkstatt“, die er zusammen mit Volker Habermaier leitet. Weitere Informationen sind unter www.markusmanfredjung.de zu finden.
Volker Habermaier, Oberstudiendirektor und Schulleiter des Georg-Büchner-Gymnasiums in Rheinfelden, Präsident des „Hebelbund Lörrach“, ist seit einundzwanzig Jahren Moderator der Literatur-Werkstatt und der Mund-Art Veranstaltungen.
Der aus dem Schwabenland stammende Germanist und Historiker publiziert wissenschaftliche Aufsätze zu literarischen, historischen und musikalischen Themen. Zudem ist er Schulbuchautor und Verfasser fachdidaktischer Arbeiten, auch zur Mundartliteratur.
Zwölf Jahre lang war er Mitglied der Hebelpreis-Jury. Für seine unermüdliche und erfolgreiche Tätigkeit auf diesen Gebieten erhielt er 2022 die „Heimat-Medaille Baden-Württemberg“. Er lebt in Schopfheim-Kürnberg.