Wolfgang Faller erhält den Markgräfler Kunstpreis 2026 der Stiftung der Sparkasse Markgräflerland. Foto: Dorothee Philipp

Wolfgang Faller aus Müllheim erhält den diesjährigen Markgräfler Kunstpreis der Stiftung der Sparkasse Markgräflerland. Ein Besuch bei dem Künstler.

Die Ausstellung im Weiler Stapflehus zu diesem Anlass zeigt ein umfangreiches Œuvre, in dem Ölbilder und aus Fundstücken komponierte Objekte dominieren. Allen gemeinsam ist eine kraftvolle Formensprache und eine selbstbewusste, mutige Farbigkeit.

 

Geboren in Villingen im Schwarzwald, zog es Faller schon früh in die romanischen Länder, zum Studium nach Mailand und Lille-Tourcoing, es folgten verschiedene Reisen durch die mediterranen Länder. Ein Arbeitsstipendium im Casa delli Artisti im Trentino öffnete ihm viele Kontakte und Beteiligungen an internationalen Gruppenausstellungen. 2010 folgte ein neues Arbeitsstipendium des Kulturvereins Arci del Trentino. Mehrere Jahre lebte und arbeitete Faller im südfranzösischen Montpellier.

Seine emotionale Verbindung in die mediterranen Länder, vor allem zu seinem „Herzensland“ Italien, hat er sich bis heute bewahrt. Er spricht fließend Französisch und Italienisch, hat viele Kontakte zu Künstlerkreisen in diesen Ländern. Es folgte eine längere Zeit in Berlin, wo er mehr als zehn Einzelausstellungen an verschiedenen Orten zeigte, bevor es ihn mit seiner Familie ins Markgräflerland zog, wo er seit 2003 lebt.

Unverwechselbarer Stil

Fallers unverwechselbarer Stil prägt das gesamte, inzwischen fünf Jahrzehnte umfassende Werk, folgt keinen vordergründigen Moden und zeigt auch keine Anbiederungsversuche an die ganz Großen der Kunstszene. Van Gogh habe ihn immer fasziniert, durch seine Leidenschaftlichkeit der Farbgebung und sein Thematisieren der menschlichen Psyche, sagt Faller.

Das Thema, das bei Fallers Arbeit immer wieder aufscheint, ist das Oval des menschlichen Kopfes, eine Variable mit tausend Interpretationsansätzen, durchaus auch politisch und gesellschaftskritisch. „Der Blick wird gelenkt hinter die Hochglanzfassaden. Seine Bildentwürfe sind nicht Abbilder des Sichtbaren, sondern vielmehr Gestaltungen des Ausgesparten“, schreibt der Kunstexperte Stefan Simon in einem Ausstellungstext. Sei es im kleinen Rahmen oder auf der großen Bühne, Faller ist ein Künstler, der mit Ernsthaftigkeit, Fleiß und Ausdauer seine Arbeit tut.

Als 2020 im Islip Art Museum auf Long Island, USA, eine Gruppenausstellung zum Thema „A Book about Death – The Last Waltz“, eine Hommage an den 1995 verstorbenen Künstler Ray Johnson gezeigt wurde, war Faller mit einem Beitrag vertreten. Später kaufte das Moma in New York das gesamte Konvolut der als Mail Art konzipierten Ausstellung.

Ausstellung angeregt

Dieses Konzept, das Künstler einlädt, sich mit einem Werk von genau definieren Größenmaßen an einem Thema zu beteiligen, fand seinen Widerschein in einer von Faller angeregten Ausstellung im Markgräfler Museum in Müllheim zum Thema „(R)Evolution“ vor zwei Jahren. Aus mehr als 40 Ländern kamen Beiträge von fast 400 Künstlern – ein bemerkenswertes Statement in Zeiten, in denen die Bewertung von Kunst vielfach auf ihren Kaufpreis reduziert wird.

Eine andere große Werkgruppe Fallers sind die aus Fundstücken komponierten Objekte, „Zugvögel“, die scheinbar schwerelos zu schweben scheinen, koboldhafte, aus Wurzel- oder Aststücken zusammengesetzte Figuren, bei denen oft nur ein kleiner Farbauftrag genügt, um das darin schlummernde Wesen freizusetzen, Künstlerporträts auf geöffneten Sardinenbüchsen.

Zeitreise durch Jahrzehnte

„Für mich war die anstehende Ausstellung im Stapflehus in Weil eine Zeitreise durch Jahrzehnte“, sagt Faller. Beim Sortieren des umfangreichen Fundus habe er Werke entdeckt, die er ganz vergessen hatte. Einige davon hat er rigoros umgearbeitet, die Malkartons zerrissen und die Schnipsel neu angeordnet und übermalt, so dass sich jetzt eine plastische Wirkung entfaltet.

Aber es sind auch neue Arbeiten zu sehen, die er für die nicht ganz einfach zu bespielenden Verhältnisse der Stapflehus-Räume geschaffen hat, so zum Beispiel zwei 80 mal 150 Zentimeter große Bilder für die Seitenwände im Erdgeschoss.

Markgräfler Kunstpreis

Die Verleihung
des Markgräfler Kunstpreises findet am Mittwoch, 15. April, ab 18.30 Uhr im Stapflehus in Weil am Rhein statt. Der Markgräfler Kunstpreis ist mit 5000 Euro dotiert.

Die Ausstellung
im Stapflehus ist bis zum 31. Mai zu sehen. Sie ist samstags von 15 bis 18 Uhr sowie sonn- und feiertags von 14 bis 18 Uhr geöffnet.