Der Möbel-Discounter Roller wird seinen Standort in Villingen aufgeben. Wie lange das Unternehmen noch in der Doppelstadt bleibt und was aus dem Gebäude wird – wir haben nachgefragt.
„Räumungsverkauf wegen Schließung“ – so kündigen gelbe Plakate vor dem Möbel-Discounter Roller in der Sebastian-Kneipp-Straße in Villingen das Ende des Standorts an. Und das hat sich offenbar bereits herumgesprochen: Am Dienstagnachmittag bilden sich lange Schlangen an der Kasse. Die Kunden nutzen die Gelegenheit, noch das ein oder andere Schnäppchen zu ergattern, bevor das Möbelhaus aus der Doppelstadt verschwindet.
Die Schließung des Möbelgeschäfts ist ein weiterer Schlag für den Einzelhandel in Villingen-Schwenningen. Seit September 2007 – und damit fast 20 Jahre – war das Möbelhaus in der Doppelstadt ansässig. Doch damit ist bald Schluss. „Der Roller-Markt in Villingen-Schwenningen wird Ende Juni 2026 schließen“, teilt das Unternehmen aus Gelsenkirchen auf Anfrage unserer Redaktion mit. „Die Entscheidung zur Schließung wurde von uns nach sorgfältiger Prüfung aller Rahmenbedingungen getroffen“, heißt es zu den Gründen der Standortaufgabe.
Aktuell laufe der Abverkauf mit stark reduzierten Angeboten, so das Unternehmen weiter.
Wer weiterhin bei Roller einkaufen möchte, muss künftig weitere Wege in Kauf nehmen: Die nächstgelegenen Filialen befinden sich in Singen oder Freiburg.
Doch auch für die Mitarbeiter hat die Schließung Folgen. „Den Mitarbeitenden werden alle möglichen offenen Stellenangebote bei Roller in der näheren Umgebung aktiv angeboten“, teilt das Unternehmen auf Nachfrage mit. Wie viele Beschäftigte von der Schließung in Villingen betroffen sind, lässt Roller unbeantwortet.
Die Schließung der Filiale spiegelt die derzeit angespannte Lage der Möbelbranche in Deutschland wider. So lag der Umsatz der deutschen Möbelindustrie in den ersten neun Monaten des Jahres 2025 um rund vier Prozent unter dem Vorjahr, wie die Verbände der deutschen Möbelindustrie in einer Mitteilung schreiben. Die Branche leide unter der Konsumzurückhaltung, der hohen Sparneigung und dem rückläufigen Wohnungsbau.
Roller schließt in ganz Deutschland Filialen
Die Standortaufgabe in Villingen reiht sich in eine Reihe von Filialschließungen bei Roller ein. Wie jüngste Medienberichte zeigen, machte Roller im Mai 2025 eine Filiale in Neumünster (Schleswig-Holstein) dicht, es folgte die Schließung eines Standorts im September 2025 in Husum (Schleswig-Holstein) und auch eine Filiale in Crailsheim (Kreis Schwäbisch Hall) ist von einer Schließung betroffen. Aktuell verfüge das Möbelhaus noch über 100 Standorte in ganz Deutschland, teilt Roller mit.
Die Immobilie an der Sebastian-Kneipp-Straße beherbergt indes seit Anfang der 1980er-Jahre Möbelgeschäfte. Auf dem ehemaligen FC08-Platz in der Sebastian-Kneipp-Straße eröffnete 1983 das große Hölzle-Möbelhaus, von Helmut Hölzle selbst geplant und federführend errichtet.
2007 zog Roller in das Gebäude ein, nachdem die Familie „Möbel Hölzle“ aufgegeben hatte. Das Familienunternehmen, in das 2014 auch Tochter Viktoria Kettner eingestiegen ist, ist jedoch weiterhin in unmittelbarer Nachbarschaft von Roller mit „Happy Hölzle“ und „Küchen Hölzle“ aktiv. Die Eigentümerfamilie Hölzle bestätigt auf Anfrage unserer Redaktion ebenfalls die baldige Schließung der Roller-Filiale.
Doch wie geht es nach dem Auszug von Roller mit dem Gebäude in Villingen weiter? Die Eigentümerfamilie teilt im Gespräch mit unserer Redaktion mit, dass sie bereits in Verhandlungen mit potentiellen Interessenten stehe. Ein Möbelhändler werde aber offenbar nicht mehr in das Gebäude einziehen – „es geht in eine andere Richtung“, erklärt Helmut Hölzle.