Was passiert mit dem eigenen Betrieb? In Schramberg erhalten Unternehmer Tipps zur Nachfolge – von der Familie bis zu externen Lösungen.
Wie wichtig das Thema Unternehmensnachfolge ist, verdeutlichen Zahlen der Wirtschaftsförderung Schramberg: Im Handwerk in Baden-Württemberg ist jeder zweite Betriebsinhaber älter als 50 Jahre, und deutschlandweit ist ein mittelständischer Unternehmer im Durchschnitt 53 Jahre alt. Höchste Zeit also für Inhaber in diesem Alter, das Thema Nachfolge in Angriff zu nehmen, um den Weiterbestand ihres Unternehmens zu sichern. Ralf Heinzelmann und Felix Greiner von der Wirtschaftsförderung Schramberg hatten deshalb im Rahmen von „Make-it-in-Schramberg“ zu der Veranstaltung „Zukunft sichern statt Notlösung! Betriebsnachfolge im Unternehmen“ in den kleinen Sitzungssaal im Rathaus eingeladen. Rund 20 Interessierte, die meisten von ihnen Unternehmer oder Handwerker, waren der Einladung gefolgt.
Frühzeitige Planung
Fachkundiger Referent war Andreas Heft vom „Senioren der Wirtschaft Arbeitskreis e.V.“. Eine seiner Kernaussagen war, dass man sich schon ab Mitte 50 mit dem Thema Nachfolge befassen sollte. Er empfahl, fünf bis sieben Jahre Vorbereitungszeit einzuplanen. Eine Selbstorganisation sei möglich, aber zeitaufwendig; Experten (zum Beispiel Steuerberater) sollten frühzeitig eingebunden werden.Grundsätzlich sei eine familieninterne Nachfolge oft der einfachere und schnellere Weg, wenn die Firma übergeben werden soll. Die Erfolgsfaktoren seien dann, dass der bisherige Inhaber tatsächlich loslässt – da ansonsten Spannungen zwischen Senior und Junior entstehen könnten – sowie eine klare Kommunikation innerhalb der Familie.
Vermittlung
Gibt es keine Nachfolger innerhalb der Familie, könne man Nachfolgebörsen und Online-Plattformen (zum Beispiel bundesweite Portale wie „nexxt-change“) sowie Angebote von Handwerkskammern und IHK für die Suche nutzen. Grundsätzlich gelte, so ein Teilnehmer des Abends, dass Geschäftsmodelle regelmäßig (etwa alle drei bis vier Jahre) überprüft werden sollten. Dabei müsse die zentrale Frage beantwortet werden: Ist das Geschäftsmodell auch in zehn Jahren noch tragfähig?„Betriebsnachfolge ist kein kurzfristiges Projekt, sondern eine strategische Aufgabe, die frühzeitig und strukturiert angegangen werden muss“, formulierte Greiner die Kernaussage des Abends.
Beratungsmöglichkeiten
Wie Heinzelmann und Greiner auf Anfrage mitteilten, unterstützt die Wirtschaftsförderung Schramberg im Vermittlungsprozess, indem sie Unternehmer gezielt mit passenden Ansprechpartnern der Handwerkskammer, IHK, den „Senioren der Wirtschaft“ sowie spezialisierten Steuerberatern oder Kanzleien vernetzt.
Gleichzeitig wird die bisherige Gründungssprechstunde neu aufgestellt. Künftig sollen auch an der Übernahme eines Betriebs interessierte Existenzgründer sowie Unternehmer, die ihren Betrieb übergeben wollen, eine erste kostenlose Beratung erhalten können.
Die „Senioren der Wirtschaft“ sind ehemalige Unternehmer und Führungskräfte, die ihre Erfahrung weitergeben. Mitglieder der IHK haben Anspruch auf ein kostenloses Erstgespräch von maximal einer Stunde in den Räumen der IHK, in Einzelfällen auch vor Ort. Für weiterführende Beratungen berechnet der Verein eine Gebühr zur Kostendeckung. Diese richtet sich nach Art und Umfang der Beratung und wird im Vorfeld mit den Unternehmen abgestimmt.
www.senioren-der-wirtschaft.de