Selfie-Zeit mit Bernd Stelter (Bildmitte, blaue Jacke) – für die Gewinner des „Walk and Talk“ und die Fragen von Schwarzwälder Bote Kreisredaktionsleiterin Cornelia Spitz (hinten links) nahm sich der Prominente viel Zeit. Foto: Müller

Keine Lust auf klassische Fantreffen. Lieber geht Bernd Stelter mit Gewinnern wandern. Vor dem Auftritt in Villingen erzählt er von FKK-Pannen und folgt seiner Navi-Dame querfeldein.

So ein „Meet and Greet“, wie es viele seiner Kollegen anbieten, „passt doch eigentlich für niemanden“. In der Veranstaltungspause mal eben mit dem Künstler auf Tuchfühlung gehen, während der in seiner Kabine sitzt und kurz verschnaufen will? Der fernsehbekannte Karnevalist, Komiker, Schauspieler und Schriftsteller Bernd Stelter schüttelt den Kopf. So stellt er sich den guten Kontakt zu seinen Fans wirklich nicht vor. Und die vermutlich auch nicht – „die müssen Pipi oder wollen was zu trinken holen“, selbst der Fotograf des Medienpartners habe dann doch wirklich Besseres vor.

 

Bernd Stelter hat kurzerhand sein eigenes „Meet and Greet“ kreiert – und das bietet er jetzt im wahrsten Sinne „laufend“ an. „Walk and Talk“ heißt das Format nämlich. Und drin ist, was draufsteht: laufen und schwätzen mit dem Promi.

Auch für seinen Auftritt in der Neuen Tonhalle in Villingen am 7. Mai hat Bernd Stelter zum „Walk and Talk“ geladen. Die Plätze dafür wurden in Zusammenarbeit mit der Redaktion des Schwarzwälder Boten und der Neckarquelle verlost. Zweimal zwei Glückspilze dürfen in der Folge um die Mittagszeit am Veranstaltungstag die Wanderschuhe schnüren und mit dem Kabarettisten auf Tour gehen.

Gut gelaunt macht sich die Gruppe auf den Weg am Kirnbergsee. Foto: Cornelia Spitz

Der wartet schon auf dem Parkplatz und haut prompt den ersten echten Stelter raus: „Ich habe gar nicht gewusst, dass das so weit draußen ist!“ Dabei war er es doch, der, wie jedes Mal, die Route für seine Gewinnertour auswählte. Doch wer beim Routenplaner in der App Villingen-Schwenningen eingibt, der kann schon mal am Kirnbergsee in Bräunlingen-Unterbränd landen. Aber: „Nicht aufregen! Gibt nur Falten.“

Tatsächlich Programm

Dass das bei Bernd Stelter nicht nur der Titel seines neuen Bühnenformats, sondern in der Tat Programm ist, wird schnell deutlich. Er ärgert sich einfach nicht. Und überhaupt kommt schon von Anfang an die Frohnatur in ihm zum Vorschein, sehr zur Freude der glücklichen Gewinnerinnen Renate Baumann aus Donaueschingen und Anita Nottensteiner aus Dauchingen, die beide ihre Männer mitgebracht haben. Stelter grüßt fröhlich in die Runde, schnappt sich seine Walkingstöcke, und los geht’s. „Biegen Sie nach rechts ab“, tönt es wenig später aus seiner Jackentasche. Die Lady vom Routenplaner ist immer dabei – und scheint einen Plan zu haben.

Stelters Plan ist glasklar: Jeden Tag 10.000 Schritte – auch, aber nicht nur weil’s so gesund ist und erdet. Es passt ins Lebenskonzept. In die Wiege gelegt wurde ihm dieser Eifer jedenfalls nicht. „Wir hatten Verwandtschaft, zwei Kilometer entfernt, da sind wir immer mitm Auto hingefahren. Bewegung, war bei uns nicht.“ Er lacht und freut sich offensichtlich übers Echo, die Lacher seiner kleinen Reisegruppe. Die wächst urplötzlich noch ein wenig an. „Darf ich mich anschließen?“, jeder schaut erstmal verdutzt, als Uwe Müller aus Unterbränd, ganz offensichtlich schon fürs Wandern ausgerüstet, auf einmal dasteht. Er habe bei der Verlosungsaktion der Redaktion leider kein Glück gehabt, merkt er an – aber sein Zuhause liegt nur einen Steinwurf entfernt, seit dem Vormittag konnte er also er Ausschau halten nach dem Fernsehstar. Um 13 Uhr mit Erfolg – und dann wurde er eben selbst seines Glückes Schmied: Er, und wenig später auch seine Frau Tanja, durfte mitlaufen, alle waren einverstanden.

Fünf goldene Ls

Schritt für Schritt bekommen die Teilnehmer eine Ahnung davon, wie Bernd Stelter es schafft, so unglaublich gelassen und fröhlich durchs Leben zu gehen. „Wer älter wird, braucht Spaß im Leben“, verkündet er (s)eine Weisheit und verrät seine fünf goldenen „Ls“ dafür: Laufen, Lernen (dazu zählt auch seine zweite Dauer-Challenge, „jeden Tag 30 Seiten lesen“), Lachen („Ohne Humor ist das Älterwerden nicht zu ertragen“) und Loslassen – „man braucht nicht mehr jeden Scheiß“.

So viel Zeit muss sein – Tanja Müller schießt ein Erinnerungsfoto von Bernd Stelter und ihrem Mann Uwe. Foto: Cornelia Spitz

Was man an diesem Tag aber braucht: die Anekdoten, die der Kabarettist unterwegs immer wieder beim Walk and Talk auspackt, bei dem Hunde übrigens immer sehr willkommen sind. Auch dieses eine Mal als gleich zehn Menschen mit Hund anrückten und sich wunderbar verstanden – „nur die fünf Hunde eben nicht“. Oder das andere Mal, als ein Hund mitkam, „der der langsamste der ganzen Gruppe war“. Und dann wäre da noch die Erinnerung an seinen Hollandurlaub mit FKK-Baden. Herrlich frei habe er sich gefühlt, als er sich bis zum Hals in die Fluten stürzte, den Blick schweifen ließ, erst nach rechts „nix“, dann nach links – „auf einmal war da ein Seehund“, und da dachte sich Stelter: „Wenn ich jetzt nur ne eng anliegende Badehose hätte....“

Die Lady aus der Jackentasche

Jetzt genießt er die Idylle am Kirnbergsee. Immer wieder macht er Fotos. Inhaliert die Atmosphäre. „Ihr habt’s wirklich schön hier“, findet Stelter auch dann noch, als die Lady aus seiner Jackentasche sich mal wieder meldet und klar wird, dass sie die Region wohl doch nicht wie ihre selbige kennt.

Die Navi-Dame in der Jackentasche sagt, hier führt der Wanderweg entlang. Foto: Cornelia Spitz

Auf unkonventionellem (Trampel-)Pfad geht’s mit einem Mal querfeldein durch ein kleines Waldstück, in Richtung Landstraße anstatt die im angezeigte Fortsetzung des Wanderwegs, über Stock und Stein und Moos. Stelter frohlockt: „Geil, das gefällt mir!“ Klar: Nicht aufregen! Gibt schließlich nur Falten.