Durch die Serie „The Bear“ ist ein T-Shirt der Marke „Merz b. Schwanen“, das in Tailfingen produziert wird, weltweit bekannt geworden. Wie ist es zu diesem einzigartigen Erfolg gekommen?
Nicht selten inspirieren die Protagonisten von Filmen und Serien durch ihren Charakter – oder ihren Stil. In der beliebten Disney-Serie „The Bear“ trägt US-Schauspieler Jeremy Allen White ein schlichtes weißes Baumwoll-T-Shirt – und macht Furore damit. Das Shirt aus Berlin, das bei der Einkleidung 2022 dank perfekter Passform unter einem Dutzend Konkurrenten den Zuschlag erhielt, trägt den Markennamen „Merz b. Schwanen“ und wird an einer Produktionsstätte der Firma Gota Wäsche in Tailfingen hergestellt.
„The Bear“-Shirt: Stil und Qualität der Verarbeitung – einzigartig
Wie es dazu kam? Durch einen Besuch von Peter und Gitta Plotnicki – beide Ehepartner sind Modedesigner, er zudem gelernter Herrenschneider – auf dem Berliner Mauerpark-Flohmarkt.
Dort stolperte das Paar mit der Passion für Textilien, die den Geist der traditionellen Industrieproduktion bewahrt haben, 2010 über ein altes Knopfleistenhemd, das die beiden sofort faszinierte.
Sowohl der Stil als auch die Qualität der Verarbeitung waren einzigartig. Neugierig begannen sie zu recherchieren und stießen auf den Herstellernamen: „Merz b. Schwanen“ – eine Tailfinger Traditionsfirma des vergangenen Jahrhunderts.
Aus dem Stand war die Idee geboren, ein Produkt wiederzubeleben, von dem es nur noch Restposten gab. Die Plotnickis forschten nach, woher diese speziellen Hemden stammten, und stießen auf Rudolf Loder.
Der Mann aus Tailfingen hatte einen mächtigen Warenposten aus dem Besitz von Reinhold Merz, dem Urenkel des Gründers von „Merz b. Schwanen“, an jenen Berliner Flohmarktbeschicker vermittelt – und er führte die Tailfinger Traditionsfirma Gota, in der immer noch Rundwirkstühle mit Baujahren zwischen 1890 und 1960 ratterten. Rundwirkmaschinen wie die, auf denen einst der Stoff der Hemden vom Mauerpark-Flohmarkt entstanden war. Loder war der Mann, den die Plotnickis suchten.
Denn eines war klar: Mit modernen Maschinen war das, was Peter und Gitta Plotnicki vorschwebte, nicht zu bewerkstelligen. Das Besondere an den „Merz-b.-Schwanen“-Hemden ist, dass sie ohne Seitennähte auskommen: Die alten Maschinen stricken Schläuche – wobei es neuerdings auch Modelle mit Seitennaht gibt, die auf modernen Maschinen entstehen.
Charakteristisch ist zudem die leicht unregelmäßige Textur des Materials – sie verrät, dass die Maschine noch auf Änderungen von Temperatur und Raumklima reagiert. Dem Wirkvorgang folgen Ausrüstung und Veredelung, Zuschnitt, Nähen, Bügeln, Etikettieren und Verpacken. Nicht alles davon in Tailfingen – aber alles auf der Schwäbischen Alb.
Der Erfolg des neuen alten Produkts war durchschlagend: Immer mehr „betuchte“ Textilnostalgiker, die an der Arbeitskleidung der Zwischenkriegszeit Gediegenheit und Qualität schätzen, zeigten Interesse an der Marke. Die Nachfrage nach den hochwertigen Baumwollprodukten nahm stetig zu.
„The Bear Shirt“ im Fundus der Disney -Serie „The Bear“
Und schwappte schließlich über den großen Teich: Das Ehepaar Plotnicki stellte fest, dass eines seiner T-Shirts den Weg in den Fundus der erfolgreichen US-Serie „The Bear“ gefunden hat.
Die Serie, die im Januar bei den Emmy Awards gleich zehn Auszeichnungen erhielt, machte das „Men’s loopwheeled T-Shirt 215“ als „The Bear Shirt“ international bekannt.
Shirt aus Disney-Serie ausverkauft - die Produktion in Albstadt läuft
So bekannt, dass es derzeit ausverkauft ist – der gesamte Lagerbestand ist binnen eines Wochenendes in die USA gewandert; auf der Warteliste stehen momentan 12 000 Namen. Die wollen erst einmal abgearbeitet sein – in Tailfingen werden rund 700 Exemplare pro Woche produziert. Die alten Rundwirkstühle brauchen zehnmal so viel Zeit wie moderne Maschinen.
Michael Schleicher, der „Merz b. Schwanen“-Produktionsleiter in Albstadt, hat nur die erste Staffel von „The Bear“ gesehen – die enorme Nachfrage in den USA erklärt er sich damit, dass viele Amerikaner Wert auf Qualität legten und ein Retro-T-Shirt „Made in Germany“ für sie sicherlich einen besonderen Reiz habe. „Qualität setzt sich eben durch.“
Schleicher betont, dass der Erfolg ohne die enge Zusammenarbeit mit der Berliner Zentrale von „Merz b. Schwanen“ nicht möglich gewesen wäre.
Übrigens sind die schwäbischen T-Shirts mittlerweile nicht mehr nur in der Disney-Serie zusehen, sondern werden auch in weiteren Filmen von bekannten Hollywood-Größen getragen.