Auf einen Kaffee mit Dagmar Fük-Baumann kann man sich schnell in der Zeit verlieren – und auch über das Leben sinnieren: All das haben wir getan.
Hier ein „Hallo“, dort ein Winken – Dagmar Fük-Baumann kennt halb Lörrach. Kein Wunder, ist sie doch auf enorm vielen Feldern aktiv. 40 Jahre den gleichen Nine-to-Five-Job? Das wäre ihr schnell zu langweilig geworden.
Um alle Stationen ihres Lebens aufzuführen, bräuchte es Zeit, viel Zeit. Studentenleben, eine Zeit in Australien, Heirat, Mutter zweier Söhne und dann 1981 der Umzug nach Lörrach, weil ihr Mann hier eine Stelle als Lehrer am Hebelgymnasium antrat.
Von der neuen Heimat war sie damals indes wenig begeistert. „Am Wochenende bin ich meist geflüchtet.“ Doch die Stadt startet einen bemerkenswerten Wandel. „Lörrach fing nach und nach an zu leben.“
Leidenschaft für Kultur
Mit glänzenden Augen blickt sie vor allem auf ihre Zeit an der Seite von Helmut Bürgel zurück. „Er war und ist ein Mann mit Ecken und Kanten und einer unglaublichen Leidenschaft für die Kultur. Das habe ich wahnsinnig geschätzt“, sagt sie. „Es war eine tolle Zeit des Umbruchs und des Aufbruchs. Die Stadt hat ihm sehr viel zu verdanken.“ Sie ist bis heute dankbar, dass sie daran teilhatte. Dagmar Fük-Baumann erinnert sich an tolle Künstlerbegegnungen, an bewegende Konzerte, an spannende Menschen, wie die tibetische Sängerin, die sie zum Stimmen-Konzert chauffierte – und kennenlernte.
Zur Kulturabteilung kam sie eigentlich eher durch Zufall. Zuvor arbeitet sie acht Jahre lang im Museum an der Seite von Markus Moehring. Auch das rückblickend eine sehr spannende Zeit.
Wann immer neue Herausforderungen oder Chancen – beispielsweise in der Presseabteilung der Stadt – aufploppten, griff die heute 71-Jährige gerne zu. „Auch wenn es oft anstrengend war, habe ich es geliebt.“
Dagmar Fük-Baumann ist bestens vernetzt, kontaktfreudig, energiegeladen. Sie war beispielsweise die erste Frauenvertreterin, ist im Freundeskreis Asyl, hat zwei Jahre lang eine Flüchtlingsunterkunft geleitet, obwohl sie eigentlich im Rentenalter war. „Das war eine unerwartete neue Herausforderung. Nötig waren dazu ganz viel Offenheit, für andere Menschen, andere Kulturen, und die Bereitschaft zu lernen.“ Nachdenklich macht sie, wie sehr sich die Stimmung gegenüber Flüchtenden inzwischen gedreht hat. „Ich kann nur sagen: Alle, die ich in den zwei Jahren kennengelernt habe, wollten hier in Deutschland nur eins: ohne Angst leben, Bildung, eine Chance für ihre Kinder“, sagt sie auf die zweijährige Zeit zurückblickend. Nur ein wirklich extremer und schwieriger Fall sei ihr dabei begegnet. „Mir macht Sorgen, dass alle Flüchtlinge in einen Topf geworfen werden.“
Neue Herausforderungen
Auch jetzt engagiert sie sich noch, beispielsweise beim KKF, bei einem Projekt zur Eingliederung von geflüchteten Jugendlichen, und hilft einmal in der Woche bei der Tafel.
Engagierte Oma ist sie auch. „Ich liebe meine Enkel über alles und helfe gerne, aber ich bin sicher nicht die total eingeplante Oma“, sagt sie lachend.
Mit ihrer Vespa trifft man sie oft auf dem Weg zu Kulturterminen, Vorträgen, in die Sporthalle. „Ich war schon immer ein sehr selbstständiger Typ. Und ich brauche die lange Leine“, analysiert sie sich selbst.
Harter Schicksalsschlag
Diese Eigenschaft half und hilft ihr, den wohl schlimmsten Schicksalsschlag ihres Leben zu verkraften: Vor fünf Jahren verstarb völlig unerwartet ihr Mann Wolfgang, Lehrer am Hebelgymnasium. Gerade mal ein Jahr hatten sie gemeinsam im Pensionärsdasein. „Ich musste mich komplett neu strukturieren.“ Der Verlust schmerzt – für immer. „Wolfgang war mein Seelenmensch“, sagt sie. Mit gut gemeinten Sprüchen wie: „Melde dich, wenn du was brauchst“, konnte und kann sie wenig anfangen. „In so einer Phase macht man krasse Erfahrungen: Enttäuschungen, aber auch wunderbare Hilfe. Echte Freunde sind selten“ – aber Dagmar Fük-Baumann hat sie.
Sie versprüht eine positive, sympathische Lebensenergie mit echtem Interesse an ihrem Umfeld, an den Menschen. „Ich hab’ ja noch einen Termin “, das fällt ihr nach unserem langen Gespräch ein. Eine herzliche Verabschiedung, dann braust sie los – auf ihrer grünen Vespa.