Die Big Band W ist unter der Leitung von Hanjo Gißler im Lahrer Schlachthof aufgetreten. Foto: Baublies

Die Lahrer Big Band W hat am Wochenende eine eindrucksvolle Hommage an den Ausnahmekomponisten auf die Bühne gebracht.

Eröffnet wurde das Konzert, das Ausnahmekomponist Klaus Doldinger (1936-2025) gewidmet war, von einer Interpretation von „Zarathustra“. Richard Strauss vertonte 1896 seine „sinfonische Dichtung“ nach dem Buch „Also sprach Zarathustra“ von Friedrich Nietzsche (erschienen 1881). Das Intro, die weithin bekannte Fanfare, konzipierte Strauss dabei als die „Vorrede“ Zarathustras.

 

Der grandiose Auftakt „Zarathustra“ im Schlachthof war ein Arrangement des Bandleaders Hanjo Gißler. Er kombinierte dafür zwei modernere Jazzimprovisationen des Themas „Zarathustra“. Das Bläserarrangement stammt aus den 1970er-Jahren. Den Beitrag der Rhythmusgruppe aus Schlagzeug mit Kontrabass – gut ergänzt durch die E-Gitarre und Keyboards – kannten manche der Zuhörer vielleicht noch aus der Interpretation des Brasilianers Eumir Deodato. Diese „Vorrede“ als Mix zweier Stile war schon einmal sehr vielversprechend.

Klaus Doldinger kennen alle „Tatort“-Fans. Die Erkennungsmelodie der seit 56 Jahren etablierten sonntäglichen Krimis in der ARD stammt von dem Komponisten. Wie viel mehr der Jazzmusiker Doldinger geschaffen hat, zeigte die Lahrer Big Band nun mit etlichen Arrangements. „Abracadabra“ gehört zu den frühen Werken der Formation „Passport“, die Doldinger im Jahr 1970 gegründet hatte, bei der damals ein junger Drummer namens Udo Lindenberg mitmischte.

Solistische Fähigkeiten der Musiker sind verblüffend

Gerade die Stücke Doldingers aus der Anfangszeit von „Passport“ zeigten bei dem Lahrer Konzert, welche internationale Klasse diese Formation hatte. Die Mischung der Bläsersätze mit den Rock-Elementen war vor mehr als 50 Jahren revolutionär. „Passport“ gehörte damals zu einer Liga, in der Bands wie „Blood, Sweat & Tears“ oder „Colosseum“ spielten.

Das Arrangement der Big Band im Lahrer Schlachthof hat das bravourös wiedergegeben. So gehörten im zweiten Teil die Stücke „Ataraxia“ und „Handmade“ sowie „Balance of Happiness“ zur Hommage „Doldinger“. Es ist immer wieder erstaunlich, wie gut die Bläser (unüberhörbar der jazzige Teil der Big Band) mit den Rock- und Pop-Elementen zusammenspielen und gelegentlich miteinander auf der Bühne konkurrieren.

Genauso verblüffend sind die solistischen Fähigkeiten bei den meisten der Bläser, genauso an der E-Gitarre, den Keyboards oder am Bass und einmal am Schlagzeug. Das Ensemble, das Carlo Bäder vor fast 40 Jahren gegründet hat, blickt nicht nur auf eine eigene Tradition mit Arrangements zurück. „A Touch of Spain“ ist „Made in Lahr“: Herbert Joos hat das Stück für die Big Band W geschrieben.

Bei den Auftritten der Big Band ist Isabel Haist (Gesang) längst eine feste Größe. Da „Abracadabra“ Zauberei verkörpert, stieg die Sängerin mit „Witchcraft“ (etwas frei als „Magie der Hexen“ übersetzt) ein. Um Zauberer und Hexen zu ergänzen, gab es später eine „Höllenfahrt“ samt einer blutroten Bühne. „Go to Hell“ stammt von Gitte Hænning. Sicher haben die wenigsten unter den Besuchern gewusst, dass die Schlagersängerin („Ich will ’nen Cowboy als Mann“) auch und vor allem eine begnadete Jazz-Sängerin ist. „Go to Hell“ gehört zu einer Jazz-Scheibe, die Hænning aufnehmen durfte, wenn sie weiter bei demselben Label Schlager singen würde. Haist und das Ensemble haben diesen musikalischen Wutausbruch der Dänin auf der Lahrer Bühne wunderbar wiedergegeben.

Auch nach den letzten Tönen von „Too darn hot“ (im Original von Ella Fitzgerald gesungen und von Cole Porter für das Musical „Kiss me, Kate“ komponiert) war das mehr als zweistündige Konzert am Sonntagmorgen nicht zu Ende. Eine der Zugaben war „Natural Woman“, das Aretha Franklin gesungen hatte.

So geht’s weiter

Das nächste Konzert im Lahrer Schlachthof steigt am Samstag, 21. Februar. Dann wird die Band „Viaznaka“ Pop und Folk aus der Ukraine spielen. Außerdem mit dabei ist die Formation „Sonic Circus“ aus Lahr. Der Erlös kommt dem Lahrer Verein „Gemeinsam Europa“ zugute.