Elias Bloch, Kurator der Sonderausstellung zum 100-jährigen Bestehen, führt durchs Pharmaziemuseum in Basel.  Foto: Alexandra Günzschel

Das Basler Pharmaziemuseum kann auf eine 100-jährige Geschichte zurückblicken. Dabei zeigt es weit mehr als nur Medizin.

Eine Apotheke war das Pharmaziemuseum im Basler Totengässlein nie. Vielmehr wurden in der 1917 gegründeten „Pharmazeutischen Anstalt“ Apotheker ausgebildet. Mit der Erweiterung der wissenschaftlichen Lehranstalt im Jahr 1924 begann der Apotheker und Professor Josef Anton Häflinger damit, in den Räumen seine Sammlung für historisches Apothekenwesen auszustellen. Am 9. Oktober 1925 überließ er die Objekte der Universität Basel als Schenkung. Der Grundstein für das Pharmaziemuseum war gelegt.

 

In diesen Tagen blickt das Museum auf seine 100-jährige Geschichte zurück. Dabei zeigt es weit mehr als nur Medizin. Die mitunter kuriosen Ausstellungsstücke vergangener Jahrhunderte gewähren auch Einblicke in das gesellschaftliche Leben früherer Zeiten.

Es ist eine beeindruckende Fülle an Exponaten, denen sich der Besucher vor den wandhohen vollgestellten Vitrinen gegenübersieht. Von den Decken hängen ausgestopfte Krokodile und andere Exoten, genauso, wie es früher in Apotheken üblich war. Wesentlich zu dieser Fülle beigetragen hatte im Jahr 1929 der Zukauf der umfassenden Privatsammlung des Apothekers Theodor Engelmann zur „Schweizerische Sammlung für Historisches Apothekenwesen“.

Mehrsprachiger Audioguide

Beim Einordnen der zahlreichen Objekte hilft ein mehrsprachiger Audioguide. Zu entdecken gibt es ein bemerkenswertes Nebeneinander falscher Heilsversprechen und tatsächlich wirksamer Substanzen und Methoden. Und damit einhergehend die Erkenntnis, dass sich in dieser Hinsicht – allem medizinischen Fortschritt zum Trotz – vielleicht gar nicht so viel verändert hat. Immerhin gehören Mumien und hochgiftiges Arsen als Heilmittel endgültig der Vergangenheit an.

Museum hat Platzprobleme

„Wir haben hier eine der größten und umfangreichsten pharmazeutischen Ausstellungen weltweit“, erklärt Elias Bloch beim Rundgang. Zum 100-jährigen Bestehen des Museums hat er eine Sonderausstellung zur Geschichte des Hauses kuratiert, die die Dauerausstellung ergänzt. Dabei werden auch die einstigen Platzprobleme thematisiert. Eng wurde es beispielsweise ab 1938, als sich das Pharmazeutische Institut unter der Leitung des Chemikers Tadeus Reichstein im Aufwind befand. Dessen Nobelpreismedaille aus dem Jahr 1950 gehört im Übrigen auch zu den Ausstellungsstücken. Reichstein hatte sie dem Museum geschenkt.

Das Museum musste sich schließlich aus dem Vorderhaus zurückziehen und die von Häflinger geschätzten Militaria-Objekte standen bald zur Disposition – insbesondere die sechs Schaufensterpuppen in Uniformen Schweizer Militärapotheker nahmen viel Platz weg und kamen beim Erziehungsdepartement gar nicht gut an.

Die Sonderausstellung erinnert mit einigen Objekten an diesen Disput. Erstmals ist nun wieder die Uniform eines Schweizer Militärapothekers ausgestellt, dazu einige andere Objekte wie beispielsweise das Modell eines alten Militärapothekenwagens. Für mehr als eine uniformierte Puppe fand sich jedoch auch in der aktuellen Sonderausstellung kein Platz. In den 1990er-Jahren schließlich zog das Pharmazeutische Institut in die Klingelbergstraße um, womit zumindest das Gerangel um den Platz mit dem Museum beendet war.

Werbeplakate für Medikamente

Ein wenig aus dem Rahmen zwischen all den Döschen, dem Apothekerzubehör und medizinischen Gerätschaften aus mehreren Jahrhunderten fällt die Ausstellung von Werbeplakaten für Medikamente. 15 000 Flugblätter dieser Art hat ein Mediziner aus Zürich zusammengetragen. Auch diese Werbebotschaften sind Zeitdokumente, die viel über die jeweilige Gesellschaft und ihre Ansichten aussagen. Nach zwei dreisten Diebstählen Mitte der 1990er-Jahre wurden die Sicherheitsvorkehrungen im Museum verschärft, wie Bloch vor dem Nachdruck eines verschwundenen Ölbildes des Niederländers Wilhelm van Mieris aus dem frühen 18. Jahrhundert erklärt.

Ein Jahr später verschwanden auch noch ein goldener Schildkrötenpokal sowie ein Bergkristallkelch aus einer zerbrochenen Vitrine. Verantwortlich dafür war ein umtriebiger Kunstdieb aus dem Elsass, der im Jahr 2001 gefasst wurde. Doch seine Mutter hatte bereits große Teile des Diebesgutes entsorgt.

Immerhin der Schildkrötenpokal wurde im Rhone-Kanal hinter dem Haus von Mutter und Sohn wiedergefunden. An einen Mangel an spannenden Exponaten leidet das Museum deshalb noch lange nicht.