Mit Mayer & Cie. verliert Albstadt eines seiner ältesten, namhaftesten und größten Industrieunternehmen. Was sagt der Oberbürgermeister dazu?
120 Jahre Firmengeschichte gehen zu Ende: Am Montag hat Mayer & Cie., traditionsreicher und lange Zeit führender Hersteller von Rundstrickmaschinen, mitgeteilt, dass es nicht gelungen ist, einen Investor für die partielle oder vollständige Übernahme des Unternehmens zu gewinnen – zeitgleich wurde die Insolvenz eröffnet; dafür reicht die Masse aus. Liquidität, die es ermöglichen würde, Produktion und Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten, ist dagegen nicht vorhanden. Aus diesem Grund gehen Ende Januar die Lichter aus und an die 270 Albstädter Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in die Arbeitslosigkeit.
Völlig unerwartet kam das Ende auch für den Oberbürgermeister nicht. Gewiss, so Roland Tralmer im Gespräch mit unserer Redaktion, das Aus für Mayer & Cie. sei ein „Schlag ins Kontor“, und zwar nicht nur für die Unternehmerfamilie Mayer und die Belegschaft, sondern für ganz Albstadt. Indes habe sich bereits seit Monaten eine „Tendenz“ abgezeichnet: Anders als vor 16 Jahren sei die jüngste Krise nicht einem konjunkturellen Kollaps – wenn auch einem globalen – geschuldet, sondern Veränderungen auf dem Markt, deren Ausmaß erst nach der Corona-Krise deutlich erkennbar geworden sei.
Was für Veränderungen? Es habe sich gezeigt, erklärt Tralmer, dass sowohl die deutschen Fahrzeug- als auch die Maschinenbauer ihren technologischen Vorsprung auf die chinesische Konkurrenz zwar nicht völlig, aber doch zu einem guten Teil eingebüßt hätten. Das nach wie vor vorhandene Plus an Qualität reiche mittlerweile nicht mehr aus, um die großen Wettbewerbsnachteile zu kompensieren: die hohen Produktionskosten und die staatlichen Subventionen, mit denen die Chinesen ihre Preise zusätzlich drückten.
„Wir müssen uns jetzt breit aufstellen“
Das Beunruhigende an dieser Diagnose ist, dass sie nicht nur einzelne Unternehmen, sondern ganze Branchen und letztlich den Investitionsstandort Deutschland trifft: Tralmer schließt nicht aus, dass die nächste große Strukturkrise nach der textilen auf Albstadt zukommt. Was sich dagegen tun lässt? „Wir müssen uns breit aufstellen – im Bereich der Zukunftstechnologien gibt vielversprechende Ansätze in Albstadt.“ Die Stadt werden versuchen, der Industrie im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu helfen, etwa mit Kontakten – „aber hexen können wir nicht“.
Im Übrigen ist sich der Oberbürgermeister sehr sicher, dass es bei der Haushaltsverabschiedung am 11. Dezember nicht zu einer neuerlichen Erhöhung der Gewerbesteuer kommen werde. Ein schlechteres Signal an die Wirtschaft sei gar nicht denkbar.