Vor großer Zuhörerkulisse – darunter vor allem Feuerwehrleute – hat sich der Ortschaftsrat Margrethausen einstimmig gegen den Beschlussvorschlag ausgesprochen, in Lautlingen ein gemeinsames Feuerwehrhaus für Lautlingen, Margrethausen und Laufen zu bauen. Foto: Karina Eyrich

Kurzfristigkeit, fehlende Kommunikation und den Plan für die Schließung eines funktionierenden Feuerwehrhauses – das sind die wesentlichen Punkte, die Feuerwehrleute und Ortschaftsräte in Margrethausen beklagen. Am Montag war viel los im Ortschaftsrat.

Tapfer standen die Feuerwehrleute der Abteilung Margrethausen – im Eyachtal die mannstärkste – in der Ortschaftsratssitzung, in der Mona Lehmann, persönliche Referentin des im Kreistag weilenden Oberbürgermeisters, Hiltrud Betz, Leiterin des Hochbauamts, und Stadtbrandmeister Thomas Daus drei Alternativen für die Immobilien-Zukunft der Feuerwehren in Margrethausen, Lautlingen und Laufen vorstellten.

 

Neue DIN-Normen für Feuerwehrhäuser, die eingehalten werden müssten, um die Feuerwehrleute zu schützen, und die auf längere Sicht klamme Finanzlage der Stadt führte Betz – Mitglied der Projektgruppe Gebäudebestandsoptimierung – als Hauptgründe ins Feld dafür, einen Grundsatzbeschluss als Basis für die Weichenstellung im Ausrückebereich West mit den drei Stadtteilen zu fassen, was der Gemeinderat am Donnerstag tun soll.

Die Diskussion – inklusive der Bürgerfragen zu Beginn, die auch Feuerwehrangehörige stellten – drehte sich im wesentlichen um folgende Punkte:

Kommunikation: Dass Ortschaftsräte und Feuerwehrleute aus der Zeitung erfahren mussten, dass die Abteilung Margrethausen nach Lautlingen umziehen soll, schmeckte beiden Gruppen nicht. Markus Deufel beklagte, dass keine Zeit sei, vor der Entscheidung des Gemeinderats mit den Feuerwehrleuten zu sprechen. Lehmann wies darauf hin, dass es den Stadträten freistehe, eine Vertagung der Entscheidung zu beantragen.

Beantworteten alle Fragen in der sachlichen Diskussion: die stellvertretende Ortsvorsteherin Ingrid Wildmann, Mona Lehmann, Hiltrud Betz und Thomas Daus (von rechts). Foto: Eyrich

Entfernung: Die Abteilung Margrethausen wird es weiter nach Lautlingen haben als die Laufener – aber nicht so weit wie manche Ebinger und Tailfinger zu ihrem Feuerwehrhaus. Sollten Feuerwehrleute zu schnell fahren, weil’s brennt – und nicht gerade mit Tempo 100 durchs Dorf rasen – werde das Bußgeldverfahren in aller Regel eingestellt, so Daus. Eine Befahrung bei Schneefall mit maximal Tempo 80 habe ergeben, dass die zehn Minuten, die in 90 Prozent der Fälle als Einsatzzeit einzuhalten seien, auch beim Standort am Lautlinger Ortsende Richtung Laufen eingehalten werden können.

Fahrzeuge: Die Feuerwehr Margrethausen hätte im gemeinsamen Haus in Lautlingen auch Zugriff auf die Feuerwehrautos der anderen beiden. Ob Lautlingen das erste ausrückende Fahrzeug überhaupt voll besetzen könne, wollte ein Zuhörer wissen und erfuhr, dass dies immer der Fall sei, wenn auch manchmal nur mit der Mindestbesetzung von sechs Kräften.

Schnuckelig klein, aber nicht so marode wie das Lautlinger und das Laufener ist das Feuerwehrhaus Margrethausen. Foto: Eyrich

Gebäude und Technik: Technisch werde das zu planende Gebäude auf dem neuesten Stand sein, so Lehmann. Grundsätzlich gehe es bei der Planung um Zukunftsmusik, nicht um einen unmittelbaren Bau. Ideen und Anregungen aus den drei Abteilungen sollen mit einfließen.

Größe: Mit Blick auf die Verlautbarung, dass Feuerwehrleute in Margrethausen und Laufen austreten wollen, sollte ihr Feuerwehrhaus aus ihrem Stadtteil verschwinden, erklärten die Verwaltungsvertreter, dass dies Auswirkungen auf die Planung haben werde: Für den Bau eines Magazins werde die aktuelle Mannschaftsstärke zugrunde gelegt.

War es ein Signal an die Verwaltung? Vor der Sitzung im Kloster hatte die Feuerwehr ihr Auto vor das Magazin gestellt. Foto: Eyrich

Organisation: Ausdrücklich nicht gewollt sei eine Zusammenlegung der Abteilungen, betonte Daus, schon um den Vereins- und Stadtteilcharakter zu wahren. Eine Chance für alle ist laut Daus die Möglichkeit, innerhalb des Ausrückebereichs West Spezialisierungen zu ermöglichen, etwa für Ausbildung, Technik und andere Themen. Alle Feuerwehrangehörigen hätten die Möglichkeit, anzugeben, ob sie nur für den eigenen Stadtteil oder den ganzen Ausrückebereich West alarmiert werden wollen. Insgesamt werde dieser gestärkt, so dass Ebingen seltener hinzualarmiert werden müsse.

Kosten: Thomas Flad zweifelt daran, dass die Kosten, welche die Verwaltung für die drei Varianten – drei Feuerwehrhäuser, eines für Lautlingen und Laufen oder eines für alle drei Stadtteile – errechnet hat, eingehalten würden. Das habe in Albstadt keine Tradition. Betz betonte, dass es sich um eine „Grobschätzung“ handle. Genaue Berechnungen seien erst möglich, wenn feststehe, was gebaut wird.

Nachnutzung: Was passiert mit dem Feuerwehrmagazin im Kloster im Fall eines Umzugs? Das soll dann zusammen mit den Margrethausenern entschieden werden. Das Kloster stehe unter Denkmalschutz, kein Teil davon werde verkauft.

Kinder- und Jugendwehr: Die Feuerwehr wird laut Thomas Daus dafür Sorge tragen, dass Kinder, die nicht gebracht werden können, sicher zum Feuerwehrhaus und zurück nach Hause transportiert werden.

„Best-Practice-Beispiel“: Die Situation in Saudorf, das für sechs Ortsteile zwei Feuerwehrhäuser erbaut hat, sei mit den Entfernungen und Abteilungsgrößen im Ausrückebereich West vergleichbar, so die Verwaltung. Daniel Obajdin fragte, ob auch ein nicht funktionierendes Beispiel vorliege, was die Verwaltung verneinte. Sie betonte aber, dass es in Sauldorf – nach anfänglichen Vorbehalten – gut funktioniere.

Abstimmung: Am Ende stimmten die Ortschaftsräte geschlossen gegen den Beschlussvorschlag für ein gemeinsames Magazin der drei West-Stadtteile in Lautlingen. Die endgültige Entscheidung liegt am Donnerstag, 10. April, 17.30 Uhr beim Gemeinderat.