Während die Grafenhausener Kapelle ihre melodischen Stücke vortrug, gab es parallel dazu Malereien und Fotografien von kreativen Köpfe zu sehen.
Über mangelnden Besuch konnte sich die Grafenhausener Musikkapelle (MKG) am Samstag in der Mehrzweckhalle nicht beklagen – ganz im Gegenteil. Da mussten sogar zusätzliche Tischgarnituren angebaut werden, um mehreren Hundert Gästen Sitzplätze zu bieten. Heuer stand das Frühjahrskonzert des 49-köpfigen Orchesters unter der Leitung des Dirigenten Steffen Jäger mit dem englischen Motto „Art in Concert“ an. Hier trafen und lebendige Kunst in Kombination aufeinander, wie vorab Rafael Hensel als Programmführer erläutert hatte.
Nach „A little Opening“ von Thiemo Kraas als kurzer Eröffnungsfanfare zwischen Fulminanz und ruhigeren Passagen wurde beim „Silva Nigra“ von Markus Götz das neue Konzept deutlich. Hinter dem Rücken der Kapelle erschienen dazu auf einer Großleinwand passende Bilder aus dem Schwarzwald des Oberrot-weiler Kunstfotografen Ralf Killian, aufgenommen im Frühnebel bei Sonnenaufgängen oder auch mit verwischtem oder verfremdetem Geäst.
Musikalisch begann der Waldgang mit einem trompe-tenstarken süß-melancholisch anmutendem Motiv. Tänzerische Teile kontrastierten andere Passagen etwa auch mit gregorianisch-choralähnlichem Duktus. Unter zahlreichen klanglichen Naturgeräuschen durfte natürlich dabei neben klopfenden Spechten der berühmte Schwarzwald-Kuckuck nicht fehlen.
Künstlerin malt, während die Kapelle musiziert
Zum „Drachenzähmen leicht gemacht“ von John Powell, einem Medley aus dem gleichnamigen Film, wurden fotografierte Skulpturen aus Stein des Oberwindener Bildhauermeisters Stefan Weis auf der Leinwand gezeigt. Mit „Die Hexe und die Heilige“ von Steven Reineke tauchte die Kapelle dann anschließend in die Geschichte von Zwillingsmäd-chen ein: Die eine tugendhaft im Kloster lebend, die andere als hellseherische Hexe gejagt, schließlich beide nach vergeblichem Rettungsversuch sterbend.
Nach schwermütigem musikalischem Einstieg ging es da neben ruhigen Passagen gehörig dramatisch zu. Unterdessen malte die Kunststudentin Hanna Kuhn (ansonsten Kapellen-Trompeterin) vor Ort auf Leinwand und die Bildwand vergrößert hurtig ein dazu passendes spontanes Acryl-Werk mit zwei stilisierten Gesichtern, pünkt-lich zum Ende des Stückes fertig werdend.
Der zweite Konzertteil wurde mit „Everlight“ von Randall Standridge eingeleitet. Das dynamische Werk über ewiges Licht wechselte zwischen rhythmischen Motiven und schwebenden Melodielinien mit steigender Spannung. Zum Tempo passend demonstrierte dazu Philipp Köbele, schon früher als Jüngling im Ettenheimer Circus Paletti aufgetreten, seine akrobatischen Künste am Diabolo mit bis zu zwei jonglierten Doppelkegeln auf der Handstock-Leine.
Mit anschließenden „Grapes of the Sun“ von Mario Bürki holten sie souverän zu einer fundamentalen musikalischen Hymne über die Weinherstellung aus. Dass dabei auf der illustrierenden Bildwand auch eine Trotte in Aktion plötzlich mitten im Weinberg stand, dürfte eher der Fantasie einer künstlichen Intelligenz zuzuschreiben sein.
Orchester beweist mit besonderem Stück Humor
Jedenfalls hatten vorab Philipp Köbele und Andreas Scheibel als Weinexperten schon mal fachgerecht über die Kunst dessen Herstellung philosophiert und darauf nach dem Stück angestoßen. Mit „Die Fliege“ vom Spanier Oscar Navarro präsentierte das Blasorchester anschließend ein höchst humorvolles Stück. Da surrte eine imaginäre Fliege durch die verschiedenen Instrumentengruppen, erst ruhig und dann zunehmend lästig werdend. Nach begonnener Jagd beginnt die „Fliege“ auch per geschleuderten Schwirrhölzern durch die Register zu wirbeln, landet schließlich auf der Nase des Dirigenten und wird orchestral gemeinsam mit einem Klatschen erschlagen. Dazu passend hatte Franziska Bosch das Fliegen-Gedicht von Wilhelm Busch samt dessen projizierter Zeichnungen vorgetragen.
Schließlich endete das vorgesehene Programm mit dem „Coldplay in Symphony“ als von Bert Appermont arrangierte größte Hits der entsprechenden Pop-Rockband. Zu munter-quirligen bis langsameren Pop-Melodien begeisterten hierzu auf einer Nebenbühne neun junge Damen der Kippenhei-mer Tanzschule „Meineke Dance Academy“ mit einer von Ilona Stocker einstudierten Choreografie. Schließlich verabschiedete sich nach Zugabenforderungen die Grafenhausener Kapelle mit einem „Bohemian Tequila“ zum Bühnenfinale mit sämtlichen Kunst-Vertretern und schließlich noch einem südafrikanischem „Papa Pata“.
Die Kapelle
Die Geschichte der Kapelle geht auf das Jahr 1824 zurück. Damals wurde der Verein als „Türkische Musik“ unter der Leitung des Dirigenten Baptist Weik gegründet. Heute zählt das Orchester 51 aktive Musiker mit einem Durchschnittsalter von 36 Jahren und 15 Jungmusiker.