Aufgrund des Nahostkonflikts wird die Partie von Maccabi Tel Aviv beim SC Freiburg am Donnerstag zum Hochrisikospiel. Die Freiburger Polizei bereitet sich auf einen Großeinsatz vor.
Lange Schlangen vor dem Stadion und eine hohe Polizeipräsenz in der Stadt – diese Bilder produzierte die Europa-League-Partie zwischen dem VfB Stuttgart und Maccabi Tel Aviv Anfang Dezember in der Landeshauptstadt. Ähnlich dürfte es am Donnerstagabend in Freiburg aussehen, wenn der Topclub aus Israel beim Sport-Club antreten wird.
Denn auch in Freiburg ist das Spiel als Hochrisikospiel eingestuft – mitsamt großer Sicherheitsvorkehrungen. „Aufgrund der Gesamtsituation handelt es sich für uns um eine besonders herausragende Einsatzlage. Das Polizeipräsidium Freiburg hat auch das mit dem Nahostkonflikt verbundene hohe Emotionalisierungs- und Mobilisierungspotenzial fest im Blick“, sagt Polizeisprecher Michael Schorr.
Einer der größten Einsätze seit dem Papstbesuch
In der vergangenen Woche hatte der SC Freiburg bereits über sein für dieses Spiel erarbeitete Sicherheitskonzept informiert. Dieses beinhaltet unter anderem strengere Einlasskontrollen mit dem stichprobenartigen Einsatz von Metalldetektoren und das Verbot von Taschen im Stadion. Zudem dürfen nur auf der Südtribüne und im Gästeblock Fahnen, Banner und Schilder verwendet werden. Auch aufgrund dieser Regelungen für den Stadionbesuch teilten die vier Gruppen der aktiven Fanszene des SC Freiburg am Montag in einer Stellungnahme in den Sozialen Medien mit, dem Spiel fernzubleiben.
Die Polizei dagegen wird in der Stadt mit zahlreichen Kräften präsent sein. An den drei Einsatztagen – Mittwoch, Donnerstag und Freitag – rechnet man mit insgesamt rund 2000 Beamten „aus den verschiedensten Einsatzbereichen im Einsatz“, so Schorr. Unterstützung kommt dabei auch von der Bundespolizei und „Kräften benachbarter Bundesländer“, erklärt der Behördensprecher.
Es dürfte also einer der größten Polizeieinsätze in der jüngeren Freiburger Vergangenheit sein. „Einer der größten Einsätze seit dem Papstbesuch“, so Polizeisprecher Schorr. 2011 besuchte Benedikt XVI. Freiburg, zum Gottesdienst mit dem Oberhaupt der katholischen Kirche kamen damals 100 000 Menschen auf den Freiburger Flugplatz.
Bislang eine Versammlung in der Stadt angemeldet
Auf den Einsatz rund um das Europa-League-Spiel am Donnerstag um 18.45 Uhr bereite man sich „umfassend und mit allen Fähigkeiten“ vor, sagt Schorr. Dazu befinde man sich im ständigen Austausch mit „anderen Sicherheitsbehörden, der Stadt Freiburg und dem SC Freiburg“. Denn das Ziel ist klar: Fußballfans soll in Freiburg der sichere Besuch des Spiels ermöglicht werden. Gleichzeitig ist die Polizei vorbereitet: „Möglichen antisemitischen Handlungen begegnen wir entschlossen und gehen gegen jede Form der Gewalt mit aller gebotenen Konsequenz vor“, so Schorr.
Zudem wurde „ein umfangreiches Luftraumschutzkonzept erstellt, in welchem auch eine Flugverbotszone und der Einsatz eines Drohnenabwehrsystems sowie die Verwendung der Polizeidrohnen geregelt ist“. Konkrete Gefährdungserkenntnisse gebe es derzeit nicht. „Dennoch berücksichtigen wir die recht hohe abstrakte Gefährdungslage.“
Flugverbotszone und Drohnenabwehrsystem
Polizei will friedlichen Protest schützen
Für Donnerstag ist bislang eine Versammlung in der Innenstadt angekündigt, weitere Anmeldungen können – auch kurzfristig – folgen. Auch solche mit propalästinensischem Inhalt. Darauf ist die Polizei vorbereitet. „Friedlicher Protest ist nicht nur erlaubt – er ist gelebte Demokratie und das schützen wir. Doch jeder Versuch, Hass oder Gewalt hineinzutragen, wird auf Grenzen treffen, die wir gewährleisten“, sagt Schorr.
Und so hoffen in Freiburg alle darauf, dass es ähnlich laufen wird, wie in Stuttgart Anfang Dezember. Dort kam es zu keinen größeren Zwischenfällen.