Nach der Bieterschlacht vor zwei Wochen im Hirsauer Kursaal ist es jetzt offiziell: Die Charlottenhöhe in Schömberg (Landkreis Calw) hat einen neuen Eigentümer.
Schömberg/Calw - Im Amtsgericht Calw hat Rechtspfleger Martin Ertle offiziell den Zuschlag für die Charlottenhöhe erteilt. Er leitete bereits vor zwei Wochen die Zwangsversteigerung des Anwesens. Demnach ist ab sofort Sinan Yildiz aus Mannheim Eigentümer der früheren Lungenheilanstalt, die immer mehr verfällt. Bis gestern gehörte das Anwesen Pero Radu aus Moskau.
Die Gemeinde Schömberg hatte das Zwangsversteigerungsverfahren beim Amtsgericht Calw beantragt, da Radu seinen Forderungen nicht nachkam und sich um das Anwesen auch nicht weiter kümmerte.
Bis 2. September Zeit zur Überweisung des Kaufpreises
Yildiz hat nun bis 2. September Zeit, die ersteigerte Summe in Höhe von 1,301 Millionen Euro an das Amtsgericht Calw zu überweisen. Wenn das Geld dort eingegangen ist, werden die Mittel an die Gläubiger verteilt.
So beansprucht die Gemeinde Schömberg 325.000 Euro. Darin enthalten rund 13.500 Euro Verfahrenskosten.
Hinzu kommen weitere Forderungen der Kommune, sagte Gemeindekämmerer Ralf Busse am Dienstag auf Nachfrage des Schwarzwälder Boten. Rechtspfleger Ertle sagte bei der Verkündung des Zuschlags, dass es noch zwei Zwangssicherungshypotheken für die Kommune in Höhe von rund 13.200 und fast 194.000 Euro gebe. Außerdem existiere ein Briefrecht der URE 2 GmbH mit Sitz in Düsseldorf in Höhe von 400.000 Euro. Allerdings sei dieser Brief verloren gegangen.
Wenn am Ende noch etwas übrig bleibt, dann bekommt auch der bisherige Eigentümer Radu noch Geld. Wie Ertle weiter berichtete, habe Radu im Vorfeld der Verkündung des offiziellen Zuschlags noch mit ihm telefoniert. Dabei habe er gesagt, dass er die 325.000 Euro an die Gemeinde bezahlen wolle. Er habe aber die Überweisung an Bedingungen geknüpft, auf die sich Schömbergs Kämmerer Busse nicht eingelassen habe. Ertle sagte, dass Radu geplant habe, die Charlottenhöhe weiter an die Tip-Top-Bauservice GmbH mit Sitz in Singen zu veräußern.
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Fitim Haradini, kaufmännischer Leiter der Tip-Top-Bauservice GmbH, hatte vor zwei Wochen im Hirsauer Kursaal für die Charlottenhöhe mitgeboten, war aber bei 1,3 Millionen Euro ausgestiegen.
Haradini sagte nach der fast dreistündigen Bieterschlacht um die Charlottenhöhe vor zwei Wochen im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten, dass sein Unternehmen die frühere Lungenheilanstalt hätte wiederbeleben wollen. Schließlich stünden die sieben Gebäude unter Denkmalschutz.
Nach Ertles Worten hat der bisherige Eigentümer Radu noch zwei Wochen lang die Möglichkeit, von seinem Beschwerderecht Gebrauch zu machen. "Ich gehe nicht davon aus, dass er das tut", sagte Ertle jedoch.
Der Rechtspfleger bezeichnete die Gespräche mit Radu als "angenehm".
Der neue Eigentümer Sinan Yildiz war am Dienstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Auch bei der Zwangsversteigerung vor zwei Wochen gab er sich zugeknöpft und wollte nicht einmal seinen Namen preisgeben. Er bezeichnete sich im Hirsauer Kursaal als Zwischeninvestor.