Einst war die Charlottenhöhe in Schömberg eine stolze Lungenheilstätte. Inzwischen ist sie eine Brandruine. Derzeit ist ungewiss, wie es mit dem Areal weitergehen soll. Demnächst gibt es ein weiteres Kapitel in der Geschichte der Charlottenhöhe.
So soll es am Mittwoch, 22. Januar, ab 9 Uhr, einen Termin zur Zwangsversteigerung der Charlottenhöhe geben. Das geht aus der Homepage des Amtsgerichts Calw hervor. Die Versteigerung soll demnach im Raum 200 (Sitzungssaal) im Amtsgericht Calw, Schillerstraße 11, sein. Als Verkehrswert wird der symbolische Preis von einem Euro angegeben.
Die ehemalige Klinik im Wald zwischen Schömberg und Calmbach hat eine theoretische Nutzfläche von 6000 Quadratmetern. Das Grundstück ist fast 31 000 Quadratmeter groß. Der Zustand des seit vielen Jahren leerstehenden Objektes wird auf der Homepage des Amtsgerichts Calw als „sanierungsbedürftig“ bezeichnet. Das ist eine freundliche Umschreibung angesichts der Tatsache, dass es sich um eine Brandruine handelt. Wer das Areal betritt, begibt sich in Lebensgefahr. Darauf weisen einschlägige Schilder hin. „Im Hinblick auf den jahrelangen Leerstand der gesamten Liegenschaft, den damit verbundenen Verfall der Bausubstanz und den Brand in Gebäude Nummer 6 ist keine realistische Nutzungsmöglichkeit mehr gegeben“, heißt es auf der Homepage des Amtsgerichts weiter.
Die Gemeinde Schömberg hat noch Forderungen offen
Die Gemeinde Schömberg beantragte bereits im vergangenen Jahr die Versteigerung des Gebäudes, wie die Pressesprecherin der Kommune, Stefanie Stocker, im Gespräch mit unserer Redaktion erläuterte. Im Laufe der Jahre hat die Gemeinde bei der Charlottenhöhe Forderungen von mehr als 300 000 Euro angesammelt. Doch damit nicht genug: Am Abend des 11. Oktober 2023 brach in der Charlottenhöhe auch noch ein Feuer aus. Der Einsatz der Feuerwehr kostete 40 000 Euro, rechnete Stocker vor.
Mit der Zwangsversteigerung am 22. Januar soll ein neuer Eigentümer gefunden werden. Dabei hat die Charlottenhöhe einen solchen. Im Juni 2021 bekam bei der jüngsten Zwangsversteigerung durch das Amtsgericht Calw in einer rund dreistündigen Bieterschlacht ein Mann aus Mannheim den Zuschlag für rund 1,3 Millionen Euro. Doch die Zahlungsfrist, der 2. September 2021, verstrich, ohne dass etwas passierte.
Besonders kurios: Eine Auflistung des Berliner Touren- und Reiseanbieters Travelcircus veröffentlichte im Herbst 2022 eine Liste, auf der pro Bundesland ein „Lost Place“ aufgeführt wurde. Für Baden-Württemberg war es die Charlottenhöhe. Das Makabre: Die einsturzgefährdeten Gebäude wurden unter der übergeordneten Kategorie „Urlaubsziele“ gelistet.
Dabei war die Charlottenhöhe einst eine glanzvolle Adresse. Zur Einweihung im Mai 1907 reisten Namensgeberin Königin Charlotte und König Wilhelm II. von Württemberg an. Von den ruhmreichen Zeiten ist nichts geblieben.
Einige Gebäude stehen bis heute unter Denkmalschutz, wie auf der Homepage des Amtsgerichts zu lesen ist. Diese dürfen nicht abgerissen werden. Dazu müsste erst die Denkmalschutzeigenschaft aufgehoben werden. „Dies ist eine Voraussetzung für einen Abbruch der geschützten Gebäude“, teilte Marie Lindenberger, Pressesprecherin des Landratsamtes Calw, auf Anfrage unserer Redaktion mit. „Das Landratsamt steht als untere Denkmalschutzbehörde in Kontakt mit den höheren Denkmalschutzbehörden bezüglich der Aufhebung der Denkmalschutzeigenschaft“, fügte sie hinzu.
Landratsamt und Gemeinde kümmern sich um die Sicherung des Areals
Das Landratsamt kümmert sich, teilweise zusammen mit der Gemeinde Schömberg, seit einigen Jahren auch um die Verkehrssicherungsmaßnahmen. Dafür wurde bis jetzt ein niedriger fünfstelliger Betrag ausgegeben, war von Lindenberger zu erfahren. „Die Kosten für die Sicherungsmaßnahmen werden zunächst gegenüber dem Eigentümer vollstreckt“, so Lindenberger abschließend.