Mit gut 200 geladenen Gästen hat der Gesangverein „Liederkranz“ am Samstagabend in der Zimmerner Turn- und Festhalle sein 150-jähriges Bestehen gefeiert.
Neben Gesang und guten Essen gab es interessante Rückblicke auf das Vereinsleben im Wandel der Zeiten. Unzählige Gratulanten wünschten der „Oma unter den Vereinen“, wie es Daniel Rühle, der Sprecher der Vereinsgemeinschaft Zimmern, in seiner Ansprache formulierte, auch für die nächsten 150 Jahre nur das Beste.
Dass gerade ein Gesangverein so hochbetagt ist, das ist freilich eine Besonderheit, geben doch landauf, landab immer mehr Gesangvereine aufgrund von Überalterung, oder Sängermangel auf. Nicht so der Zimmerner „Liederkranz“.
Das Geheimrezept: Der Verein hat sich immer wieder den Anforderungen der Zeit gestellt, sich angepasst, neue Chöre gegründet und den Gesang für alle Altersgruppen attraktiv gemacht. Schon die Kleinsten singen im „SchuKi“-Chor. Und so dürfen die Zimmerner ordentlich stolz sein auf ihre „Vereins Oma“.
Ursula Berner an der Spitze
Seit mittlerweile gut 30 Jahren führt Ursula Berner den Verein an. Angangs als zweite Vorsitzende, mittlerweile mehr als 20 Jahre als Vorsitzende. Gemeinsam mit ihrem Team ist es ihr gelungen, den Verein auch durch schwierige Fahrwasser zu manövrieren, auf Kurs zu halten und Kontinuität zu bieten. „150 Jahre Vereinsgeschichte schafft man heute nicht einfach so“, würdigte Bürgermeisterin Carmen Merz das Wirken des ältesten Zimmerner Vereins.
Gemeinschaft zählt
Vor 150 Jahren habe das Leben in Zimmern noch völlig anders ausgesehen als heute, blickte sie zurück. „Es gab keine Autos auf unseren Straßen, keine Smartphones und vieles von dem, was für uns heute selbstverständlich ist, existierte damals noch gar nicht“, so Merz. Aber eines sei schon damals genauso wichtig gewesen wie heute: Gemeinschaft, Zusammenhalt und die Freude am gemeinsamen Singen.
150 Jahre sind etwas besonderes
Im Jahr 1876 wurde der Gesangverein Liederkranz Zimmern gegründet. Dass ein Verein über eineinhalb Jahrhunderte hinweg Bestand habe, sei alles andere als selbstverständlich. „150 Jahre Vereinsgeschichte bedeuten vor allem, dass Generationen von Menschen bereit waren, Verantwortung für Gemeinschaft und Vereinsleben zu übernehmen“, betonte Merz in ihrer Ansprache. Der Gesangverein gehöre seit seiner Gründung fest zu Zimmern und sei bis heute ein wichtiger Teil des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens in der Gemeinde. „Gerade diese Kontinuität ist bemerkenswert“, lobte die Bürgermeisterin.
Vereinsarbeit bestehe eben nicht nur aus einzelnen Höhepunkten oder Jubiläen. Sie lebe vor allem von der Arbeit über das ganze Jahr hinweg: von Proben, Organisation, Ausschusssitzungen, Auf- und Abbau, Nachwuchsarbeit und unzähligen Stunden ehrenamtlichen Engagements.
Ein vielseitiger Verein
Aus dem ursprünglichen Männerchor habe sich Schritt für Schritt ein vielseitiger Verein entwickelt. Und auch wenn über die Jahre einzelne Chorprojekte wieder eingestellt werden mussten, verdiene es umso größeren Respekt, „dass Sie immer wieder Neues ausprobieren und zeigen, dass Chormusik auch heute noch Menschen begeistern kann“, so Merz abschließend. Im Namen der Gemeinde überreichte sie Ursula Berner einen Jubiläumszuschuss in Höhe von 1500 Euro.
Ursula Berner hieß die Gäste ebenfalls herzlich willkommen und gab einen interessanten Einblick in die Vereinsgeschichte. „150 Jahre Gesangverein Zimmern, was für eine Zahl und was hat der Verein schon alles in seiner Vereinsgeschichte erlebt“, sagte sie.
17 Männer der ersten Stunde
1876 hätten sich 17 Männer der ersten Stunde gefunden und den Grundstein für den Gesangverein gelegt. „Noch heute sind Ur-Urenkel der Gründer mit dabei, und viele Sängerinnen und Sänger sind über Generationen hinweg mit dem Verein verbunden“, so Berner.
„150 Jahre – das sind Kriege, Krisen, aber vor allem unzählige Stunden der Probe, der Geselligkeit und der kulturellen Bereicherung für unsere Gemeinde“, sagte die Vorsitzende. Dass es der Stammchor aus Mangel an Aktiven nicht bis ins Jubiläumsjahr geschafft habe, das bedauerte sie sehr. „Ein solches Jubiläum feiert man nicht nur wegen der Jahreszahl, sondern wegen der Menschen dahinter“, sagte die Vorsitzende und sprach allen Aktiven, der Vorstandschaft und den vielen Helfern im Hintergrund ihren Dank aus, allen voran der Vereinsgemeinschaft, die für den Liederkranz als Geschenk die Bewirtung an beiden Tagen übernahm.
Glückwünsche überbrachte auch Dieter Kleinmann, Vorsitzender des Chorverbandes Schwarzwald-Baar-Heuberg. Zudem überreichte er Ursula Berner die Jubiläumsurkunde des Deutschen Chorverbandes und die Jubiläumsgabe in Höhe von 300 Euro vom Schwäbischen Chorverband. „Die Geschichte des Vereins ist beeindruckend“, würdigte er den Verein. Auch heute werde das Motto „Tradition trifft Leidenschaft“ fortgeführt, betonte er und wünschte dem Verein alles Gute.
Unzählige Fotos
Bevor das großartige Büfett eröffnet wurde, gab es musikalische Kostproben von „Taktlos“ unter Leitung von Volker Welge. Und unzählige alte Fotos, die als Bildershow auf der Bühne gezeigt wurden, erinnerten an alte Zeiten.
Zudem gab es eine besondere Programmeinlage mit der Sängerin und Bauchrednerin Murzarella. Am Sonntag wurde mit dem Familientag weitergefeiert.