Viel Personal zeigte sich beim Krimileseabend in der Freudenstädter „Waldlust“ (von links): die Autorinnen Anja Puhane und Sarah Tischer, Autor Daniel Walter, Autor und Organisator Bernd Leix, Buchhändlerin Claudia Böttiger, Moderator Wolfgang Tischer, Autorin Anne Grießer und Pianist Sascha Faisst. Foto: Gerhard Keck

Fünf Autoren lasen im ehemaligen Grandhotel „Waldlust“ aus ihren Geschichten, die in dem Krimi-Sammelband „Schwarzwald morbid“ enthalten sind. Das zahlreiche Publikum wurde rund zwei Stunden gut unterhalten.

Sarah Tischer aus Igelsberg, Anne Grießer, beheimatet in Freiburg, Daniel Walter aus Stuttgart, Anja Puhane, angereist aus Mönchengladbach, und der Freudenstädter Bernd Leix brachten bei der Lesung ihre Gruselfantasien unter die Leute.

 

Weil ein solcher Aufgalopp krimineller Energie irgendwie gebändigt werden muss, fand sich in dem Journalisten und Literaturkritiker Wolfgang Tischer ein aufmerksamer Moderator. Im Verein mit den Zuhörern wachte der Gründer und Herausgeber des im Internet angesiedelten literaturcafé.de darüber, dass die vereinbarte Lesezeit von genau zwölf Minuten nicht überzogen wurde.

So mussten sich die Autoren ranhalten, um wenigstens einen Teil ihrer mitunter recht umfänglichen Texte im Saal publik zu machen. Leix trat gar in dreifacher Funktion auf: als Autor, Vertreter des veranstaltenden Vereins Denkmalfreunde Waldlust und Organisator des Krimitreffens. Seine Aufgaben ging er mit der ihm eigenen unaufgeregten Sachlichkeit, unterlegt mit einer gehörigen Portion Humor, an.

Hin zur Kulturadresse

Ein Grußwort sprach auch Siegfried Schmidt vom Vorstand des Vereins für Kulturdenkmale Freudenstadt. Der rührige Denkmalschützer, der ein waches Auge bewahrt auf erhaltenswerte lokale Immobilien und als „Retter der ‚Waldlust‘“ gehandelt wird, nutzte die Gelegenheit, auf das Anliegen des Vereins hinzuweisen. Einigkeit besteht zwischen ihm und Leix in dem Bemühen, das Image der „Waldlust“ weg vom inzwischen etwas antiquierten Lost Place hin zu einer regionalen Kulturadresse zu lenken.

„Schwarzwald morbid“, 2023 erschienen, vereinigt Geschichten von 14 Autoren. Herausgeberin Anne Grießer, selbst anwesend als Vorleserin, hatte mit ihren Mitstreitern im Verein Freiburger Krimipreis 2022 einen Schreibwettbewerb initiiert, bei dem es um verlorene Orte im Schwarzwald gehen sollte. Auf der Beliebtheitsskala rangierte an oberster Stelle die „Waldlust“ in Freudenstadt. Ihr sind drei Geschichten im Buch gewidmet.

Eine bunte Mischung

So bunt wie die Autorengruppe selbst sind die Texte. Sarah Tischer steuerte einen Beitrag unter dem Titel „Die letzten Wünsche“ mit Überraschungseffekt zur Geschichte des ehemaligen Hotels Alexanderschanze am Kniebis bei. Bernd Leix, dessen Fantasie nach eigener Einschätzung „so schwarz ist wie geronnenes Blut“, wartete mit einem schlicht als „Waldlust“ benannten Prosatext auf, den er in der Art des Schock-Altmeisters Alfred Hitchcock präsentierte.

Anja Puhane legte eine Geschichte mit dem Titel „Die Band“ vor, in der auszugsweise die Geschichte von Klein Wildbad, heute Badhaus 1897, in Bad Liebenzell zum Tragen kommt.

Geheimnisvolles im Zusammenhang mit der „Waldlust“ geschieht auch in der Geschichte „Kein Schwarzwaldmädel, keine Operette“, die Daniel Walter in zuweilen recht schnoddrigem Erzählstil vortrug. Anne Grießer siedelte ihren mystisch-gruseligen Beitrag „Picknick mit Enzo“ im südlichen Schwarzwald an, konkret im ehemals glamourösen Kurort Bad Boll, direkt an der Wutach gelegen. Der abschließende Applaus galt nicht nur den Autoren, sondern auch dem Pianisten Sascha Faisst aus Baiersbronn, der mit seinem Spiel die Übergänge zwischen den Lesungen gestaltete. Die Bewirtung besorgten die Denkmalfreunde.

Am Büchertisch der Buchhandlung Dewitz konnten die Besucher Exemplare erwerben, die von den Autoren gerne signiert wurden. Erfreut registrierten die Veranstalter, dass nach der Lesung zwanglose Gespräche zwischen Publikum und Autoren zustande kamen.

Das Buch: Schwarzwald morbid, Krimis, Gmeiner-Verlag, 264 Seiten kartoniert, 16 Euro.