Die Caritas-Sozialarbeiterinnen sind mit dem Thema Kinderarmut, Bildung und Chancengleichheit bestens vertraut (v.l.): Josefine Al-Dulaimi, Offene Jugendarbeit, Susanne Sprengard, Fachbereichsleiterin Familie, und Ruth Götzmann, Fachbereich Soziale Dienste sowie stellvertretende Geschäftsführerin. Foto: Siegfried Feuchter

Wenn in Familien im Landkreis Lörrach das Geld nicht mehr zum Leben reicht, leiden die Gesundheit von Kindern. Für diese Menschen leistet die Caritas wichtige Hilfe.

Der Caritasverband für den Landkreis Lörrach wird verstärkt mit dem Thema Kinderarmut konfrontiert, wie Susanne Sprengard, Leiterin des Fachbereichs Familie, Ruth Götzmann vom Fachbereich Soziale Dienste und stellvertretende Geschäftsführerin, sowie Josefine Al-Dulaimi, Sozialarbeiterin in der Offenen Jugendarbeit Efringen-Kirchen, in einem Gespräch mit unserer Zeitung an Beispielen verdeutlichen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Caritas engagieren sich für Eltern und Kinder in Armutslagen, um deren Lebenssituation zu verbessern. Denn Armut hat negative Auswirkungen auf Bildung, Gesundheit, psychische Entwicklung und soziale Teilhabe.

 

Schlechte Startchancen

Wie sich akute Geldnot in Familien auf die Gesamtentwicklung der Kinder auswirkt und welch schlechtere Startchancen damit für sie einhergehen, skizzieren die Sozialarbeiterinnen. Da ist eine Familie mit drei Kindern im Alter von eineinhalb bis sieben Jahren. Das Geld ist knapp. Die Familie weiß nicht, wie sie Miete und Nachzahlungen für Strom und Heizung begleichen und den Alltag gestalten soll. Der Familienvater ging einer Beschäftigung nach, wurde dann für längere Zeit krank, ehe ihm auch noch der Arbeitsplatz gekündigt wurde. Das Bürgergeld reicht nicht aus, um den Lebensunterhalt angemessen zu bestreiten.

„Wenn zur Geldnot noch eine Krankheit kommt oder Menschen alleinerziehend sind, dann spitzt sich die Situation zu“, weiß Ruth Götzmann aus ihrem Berufsalltag.

Es ist bei Armut keine Seltenheit, dass Kinder mit leerem Magen in die Schule gehen, weil Zuhause der Kühlschrank leer ist. Auch haben sie kein Pausenbrot dabei, zudem können sie sich in der Schule kein Mensaessen für 4,80 Euro leisten. Hinzu kommt, dass sich Familien mit existenziellen Problemen nicht gesund ernähren und aufgrund fehlender Bildung vielfach auch nicht wissen, wie gesunde Ernährung aussieht. Es mangelt an vollwertiger Nahrung. „Solche Familien sind nur im Überlebensmodus“, sagen die Sozialarbeiterinnen. Es gibt Schüler, die oft keine warme Mahlzeit am Tag haben.

Keine Chancengleichheit

Kinder aus armen Familien sind in vielen Bereichen benachteiligt, eine Chancengleichheit ist nicht gegeben. Dies wiederum wirkt sich auf die Bildung aus. Kindern mit wenig Geld bleibt es verwehrt, beispielsweise an außerschulischem Unterricht an Musikschulen teilzunehmen, Museen und Konzerte zu besuchen oder an Ausflügen und Landschulaufenthalten teilzunehmen. Auch berichten Schulsozialarbeiterinnen, dass Schüler nicht am Schulsportunterricht teilnehmen können, weil sie keinen Badeanzug oder keine Sportschuhe haben. Ebenso vereinsamen Kinder und ziehen sich auf Fernseher und Computer zurück.

Armut verbaut Bildung

Oft sind in armen Familien auch die Wohnverhältnisse prekär. Ein Beispiel: Kinder in einer kleinen Wohnung haben keinen Tisch, um daran Hausaufgaben machen zu können. Sie müssen diese notgedrungen auf dem Boden erledigen. „Und manche Jugendliche kommen ins Jugendzentrum, um Ruhe zu haben, weil sie diese daheim in beengten Verhältnissen mit mehreren Geschwistern nicht haben“, schildert Josefine Al-Dulaimi ein weiteres Beispiel. Auch fehle zuweilen das Geld, um an Projekten wie Kochen und Backen teilzunehmen, weil sich diese Kinder und Jugendlichen nicht die notwendigen Zutaten kaufen können. Hinzu kommt, dass Kinder oft auf sich allein gestellt sind, wenn es beispielsweise darum geht, eine Bewerbung zu schreiben und einen Ausbildungsplatz zu finden. Sucht und psychische Krankheit spielen in armutsbelasteten Familien nicht selten ebenso eine Rolle.

Außerdem gibt es die sogenannte Wohlstandsvereinsamung, wenn beide Elternteile arbeiten müssen und daher keine Zeit für ihre Kinder haben.

Oft sieht man Kindern Armut schon im Kindergarten an, schildern die Caritas-Mitarbeiterinnen die Auswirkungen. Das fängt schon damit an, dass sie abgetragene Kleidung tragen, die Hosen zu kurz sind oder die Kleidung mitunter schmutzig ist. Auch ein Fall aus dem Landkreis Lörrach: In einer Familie mit drei kleinen Kindern muss die Mutter die Wäsche von Hand waschen. Denn die Waschmaschine ist kaputt, und Geld für den Kauf einer neuen ist keines vorhanden. Gerade auch für solche Fälle ist die Caritas auf Spenden wie die aus der Weihnachtsaktion unserer Zeitung angewiesen, um Einzelfallhilfe leisten zu können.

Sozialberatung gefragt

„Die Sozialberatung in allen Bereichen, auch in der Schuldnerberatung, steigt“, sagt Susanne Sprengard. Selbst Leute, die bisher mit dem Bürgergeld zurechtgekommen sind, haben durch die allgemein gestiegenen Kosten Schwierigkeiten, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Deshalb sind auch immer mehr Familien auf Gutscheine für den Tafelladen angewiesen. Die Probleme und Auswirkungen der Armut sind vielschichtig.