Feine Plätzchen gebacken und schöne Adventskränze gebunden hat ein Freizeittreff für Menschen mit seelischer Erkrankung. Vierter von links Caritas-Fachbereichsleiter Werner Lauber, rechts Sozialarbeiterin Christa Braun. Foto: Siegfried Feuchter

Die Zahl der Krankmeldungen im Landkreis Lörrach wegen psychischer Leiden steigt. Angebote wie der Teilhabegarten in Haltingen geben den Betroffenen Halt.

Stark gestiegen sind in den vergangenen 20 Jahren die Krankmeldungen wegen psychischer Leiden. Das bestätigt Werner Lauber, Psychologe und Fachbereichsleiter Seelische Gesundheit beim Caritasverband für den Landkreis Lörrach, im Gespräch mit unserer Zeitung.

 

Inzwischen betreuen er und sein 19-köpfiges Team 160 seelisch erkrankte Menschen. „Wir bieten Hilfestellung durch Beratung, Prävention, Betreuung, Begleitung und Vermittlung“, sagt Lauber. Betroffen sind Menschen aller Altersgruppen und Gesellschaftsschichten – unabhängig von Bildung, Beruf und sozialem Status. Eine psychische Erkrankung könne jeden treffen.

„Stell dich nicht so an“, heißt es häufig und das weiß Bernhard (Name geändert) nur zu gut. Er will anonym bleiben, hat sich mit seiner Leidensgeschichte gegenüber unserer Zeitung aber geöffnet. Als vor rund zweieinhalb Jahren sein Vater nach schwerer Krankheit starb, zog es dem heute 40-Jährigen, der in der Schweizer Logistikbranche tätig war, den Boden unter den Füßen weg. „Ich bin in ein tiefes Loch gefallen“, sagt der Mann, der eineinhalb Jahre auf der Warteliste eines Psychologen stand und seither dreimal in einer psychiatrischen Klinikbehandelt werden musste. Er konnte nicht mehr recht schlafen, geschweige denn seinem Beruf nachgehen.

„Stell dich nicht so an“

Die Erfahrungen waren alles andere als positiv, die Bernhard in seinem gesellschaftlichen Umfeld mit dieser oft tabuisierten Krankheit gemacht hat. „Stell dich doch nicht so an“, habe er hin und wieder zu hören bekommen.

„Das Thema Depression ist in der Gesellschaft einfach noch nicht angekommen“, sagt der Betroffene. Solche und andere Äußerungen, das weiß Psychologe Werner Lauber aus seinem Berufsalltag nur zu gut, sind der Stabilisierung des seelischen Gleichgewichts nicht dienlich.Der 40-Jährige, der krankgeschrieben ist und Bürgergeld erhält, ist froh, dass er bei der Caritas Halt und Unterstützung erfährt.

„Christa Braun als Sozialarbeiterin hat mir enorm geholfen“, sagt Bernhard voller Dankbarkeit. Seit er die Gruppe „Teilhabegarten“ am katholischen Gemeindehaus in Haltingen regelmäßig besucht, macht er zunehmend Fortschritte.

Es hatte ihn anfangs Überwindung gekostet, dieses Angebot anzunehmen. Doch seit er die Hemmschwelle überwunden hat, fühlt er sich wohl bei den wöchentlichen Treffen. Zum einen tut ihm der Austausch gut, zum anderen entsteht dadurch eine Tagesstruktur.

Im kommenden Jahr will der 40-Jährige eine Reha machen, um herauszufinden, wie belastbar er ist. „Ich will wieder eine Tätigkeit aufnehmen“, sagt er, wohl wissend, dass er wohl nicht mehr in seinen stressigen Beruf in der Logistikbranche zurück kann. „Aber dann mache ich halt etwas anderes“, gibt er sich zuversichtlich.

Beim Fachbereich Seelische Gesundheit der Caritas suchen psychisch kranke und angeschlagene Menschen Hilfe, die mit Stimmungsschwankungen über Verhaltensänderungen bis hin zu Realitätsverlust konfrontiert sind. Sie kommen entweder auf Empfehlung oder aus eigenem Antrieb.

Ein langer Weg

Die Mitarbeiter der Caritas, die mit Psychotherapeuten, Fachärzten, Tageskliniken, Behörden und psychiatrischen Kliniken sehr gut vernetzt sind, leisten auf vielfältige Weise Unterstützung bei der Lebensgestaltung in den Bereichen Wohnen, Arbeit und Freizeit. „Es ist oft ein langer Weg, bis erkrankte Menschen wieder im seelischen Gleichgewicht und gesund sind“, sagt Werner Lauber, der auch Sprecher des Gemeindepsychiatrischen Verbunds, ist. Psychisch Erkrankte haben es in allen Lebensbereichen schwer, haben keine Arbeit und kein Einkommen. Oft vereinsamten sie, weil sie soziale Kontakte mieden. „Es ist eine bittere Entwicklung“, sagt Lauber und verweist auf die therapeutische Hilfe der Caritas mit dem Ziel, Klinikaufenthalte zu vermeiden oder zu verkürzen.

Das vor einem halben Jahr gestartete Projekt Teilhabegarten in Haltingen, das über Spenden finanziert wird, werde gut angenommen. Zwischen katholischer Kirche und Gemeindehaus haben psychisch erkrankte Menschen Hoch- und Hügelbeete gebaut und bepflanzt sowie Bäume und Sträucher gesetzt. „Das ist sinnstiftend und garantiert Erfolgserlebnisse“, sagt Lauber. Auch das Gemeindehaus könne für Spielnachmittage und Gespräche genutzt werden. In der Adventszeit wurden gemeinsam Plätzchen gebacken und Adventskränze gebunden. „Es ist ein Freizeittreff und ein Ort, der gut tut“, betont Lauber.