Ein Antrag auf Leinenzwang für Hunde wurde jüngst im Gemeinderat Maulburg abgelehnt.
Nicht durchsetzen konnte sich die Jagdgemeinschaft Dinkelberg mit ihrem Antrag auf Leinenzwang für Hunde während der Brut- und Aufzuchtzeit im Wald. Schon im Vorfeld der Sitzung regte sich aus den Reihen der Hundehalter deutlicher Widerstand. „Warum nur auf dem Dinkelberg?“, wurde beispielsweise gefragt. Die Rede war von Inkonsequenz und Pauschalisierungen, ja sogar von einem direkten Angriff der Jägerschaft, zu der man eigentlich ein gutes Verhältnis pflege.
Was die Jagdgemeinschaft zu dem Thema sagt
Auch die Jagdgemeinschaft unter der Leitung von Werner Müller äußerte sich zum Sachverhalt. Demzufolge war der Antrag eine Reaktion auf insgesamt vier dokumentierte Hunderisse im Jagdjahr 2025/2026. „Dies stellt eine nicht hinnehmbare Belastung für das Wild dar“, argumentierten die Jäger für ihren Vorstoß. Bei der späteren Aussprache wurde auch von belastenden Gnadenschüssen auf verletzte Rehe berichtet ebenso wie von tätlichen Angriffen durch uneinsichtige Hundehalter.
Ihren Antrag stellte die Jagdgemeinschaft zunächst nur für den Dinkelberg, wo sich die Vorfälle ereignet hatten. Eine Leinenpflicht von April bis Mitte Juli würden die Jäger jedoch auch für das Revier Scheinberg als sinnvoll erachten.
Pauschaler Leinenzwang gilt als nicht sinnvoll
Sie verwiesen zudem auf die Städte Weil am Rhein und Lörrach sowie die Gemeinde Grenzach-Wyhlen, die einen Leinenzwang sogar von April bis August erlassen hätten. Doch der Widerstand, auch unter hundehaltenden Ratsmitgliedern, war groß. Am Ende folgte der Gemeinderat dem Vorschlag der Verwaltung einstimmig, keinen pauschalen Leinenzwang einzuführen.
Begründet wurde dies von der neuen Mitarbeiterin Kathrin Schäuble im Rechnungsamt. In ihrer Abwägung kommt sie nach Rücksprache mit Janine Lützelschwab von der unteren Jagdbehörde zu dem Ergebnis, dass ein pauschaler Leinenzwang im Außenbereich weder rechtlich geboten noch fachlich sinnvoll oder verhältnismäßig sei. Ein solcher Leinenzwang sei gar nicht vernünftig zu kontrollieren, wurde bei der Aussprache mehrfach betont. Bürgermeisterin Jessica Lang wollte deshalb lieber auf direkte Ansprachen setzen und die Bevölkerung über verschiedene Kanäle für das Thema sensibilisieren. Dieser Ansicht folgten auch die Fraktionen von SPD und Freien Wählern. Auch Jogger und die Landwirtschaft seien für die Tiere eine Belastung, hieß es.
Christiane Krumm (FW), Hundehalterin und Jägertochter, kennt sich gut aus auf dem Dinkelberg, wie sie sagte. Sie äußerte die Vermutung, dass viele der Vorfälle auf ein einzelnes jagendes Wildtier zurückgehen, das sie einmal zu Gesicht bekommen habe – größer als ein Fuchs, aber auch kein Wolf, erklärte sie auf Nachfrage. Sie glaubt, dass dieses Tier mittlerweile weitergezogen ist und würde sich eine Abklärung durch einen DNA-Test wünschen.
Hundehalter Julian Phillipp (WfM) wies darauf hin, dass es nicht artgerecht sei, die Tiere überall an der Leine führen zu müssen. Stattdessen sollte man bei konkreten Verstößen lieber mit Anzeigen arbeiten. Mehrfach wurde auch der Wunsch geäußert, Schilder aufstellen. Die, so hieß es, müsse man nicht erst erfinden, sie existierten bereits.
Im Endeffekt wollte niemand die 180 Hundehalter, die in Maulburg ihre Steuern zahlen, pauschal verurteilen. Aus naturschutzfachlicher Sicht, so heißt es auch in der Beschlussvorlage, sei festzustellen, dass nicht alle Hunde gleichermaßen eine Gefahr für Wildtiere darstellen. Stattdessen will die Gemeinde nun verstärkt auf die Brut- und Setzzeit hinweisen mit der Bitte, Hunde an der Leine zu führen und die Wege nicht zu verlassen. Letzteres würde dann auch für andere Erholungssuchende im Wald gelten.