Baut das Quartiersmanagement „Innenstadt Schwenningen“ als Treff für Begegnungen auf: Christine Hembach. Foto: Birgit Heinig

Christine Hembach füllt das Quartiersmanagement „Innenstadt Schwenningen“ mit Leben. Sie verrät, wie ihr eigener Weg rund um die Welt und auf eine Almhütte führte.

Aktuell ist die „kreative Autodidaktin“ Christine Hembach angestellte Quartiersmanagerin in Schwenningen, selbstständige Bildungsreferentin für nachhaltige Entwicklung und ehrenamtliche Vorsitzende des Kneippvereins und mitarbeitend beim Theater am Turm, im Franziskanermuseum und bei der „Initiative für ein nachhaltiges VS“.

 

An vielen Stellen hat sie als zeitweise alleinerziehende Mutter von zwei Kindern schon gearbeitet, Arbeitslosigkeit für Weiterbildungen genutzt, aber auch Träume verwirklicht. Christine Hembach hat sich auf diese Weise ein riesiges Netzwerk geschaffen, auf das sie stolz ist, hilft es ihr doch, weitere Pläne zu verwirklichen.

In den Babyboomerjahren geboren, wuchs sie in Königsfeld auf, ging in St. Georgen zur Schule und engagierte sich als Jugendliche in der kirchlichen Jugendarbeit. Ihre Interessen galten der Politik und dem Journalismus, auch der Ergotherapie, doch mit fünf Kindern war für ihre Eltern ein Studium unbezahlbar. Also wurde sie Reiseverkehrskauffrau.

1983 folgte sie ihrer Schülerliebe nach Braunschweig, wo damals die Arbeitslosigkeit grassierte, und hielt sich mit Jobs beim Arbeitsamt und in einem Kaufhaus über Wasser. Zwei Jahre später war sie Mitbegründerin und Leiterin eines Jugend- und Studentenreisebüros, das sehr schnell sehr gut lief. 1987 kam das erste Kind zur Welt, und Christine Hembach musste aufgrund mangelnder Betreuungsmöglichkeiten erneut kreativ werden. Mit eigenem PC, damals einer der ersten, bot sie Studenten das Abtippen von Studienarbeiten an, jobbte stundenweise in einem Architektur- und einem Reisebüro.

Gästeführerin im Naturpark

1989 kehrte sie mit Partner und Kind in den Süden, in den Bodenseeraum, zurück, zwei Jahre später trennte sie sich. Mit neuem Mann an ihrer Seite erfüllte sie sich den Wunsch eines eigenen Bauernhauses in Schonach, lebte naturnah wie schon in Kindertagen und heiratete 1995. Zehn Jahre lang lebte das Paar quasi als Selbstversorger im Idyll, das zweite Kind wurde geboren, und Christine Hembach arbeitete als freie Journalistin.

Sie beschäftigte sich zudem intensiv mit Wildpflanzen, erhielt sogar einen Umweltpreis für eine „Kleinbiotopvernetzung“, legte mit Bürgern den Schonacher Kurpark teils neu an und bildete sich zur Naturgartenplanerin aus. „Das hat riesigen Spaß gemacht“, sagt sie, denn „ich habe anderen etwas beigebracht, aber auch viel von ihnen gelernt“. Nach erneuter Trennung leitete sie Gartenkurse bei der Volkshochschule und qualifizierte sich zur Gästeführerin des Naturparks Südschwarzwald.

Ihre Liebe zum Kochen

Und dann war da auch noch ihre Liebe zum Kochen. „Ich lebe von dem, was ich tue“, erklärt sie schmunzelnd, warum sie auch diese Leidenschaft letztlich zu einem Beruf machte. Sie gab Kurse, unter anderem für Kunden der St. Georgener „Tafel“ und veranstaltete mit der Diakonie kulinarische deutsch-tamilische Freundschaftsabende. 2008 wurde daraus der Homecooking-Service „unverblümt“, Christine Hembach kochte im Auftrag in fremden Küchen „gut bürgerlich, saisonal und regional“.

Den Gewinn stockte sie mit der Stellvertretung der WOM-Redaktionsleitung in Waldshut auf, bis sie sich 2012 – die Kinder waren aus dem Haus – einen Herzenswunsch erfüllen konnte: eine Weltreise. Sie finanzierte sich mit allerlei Arbeiten und kehrte gut neun Monate später heim. „Ich hatte Heimweh nach Kirchenglocken und Geräuchtem“, sagt sie lachend.

Auf Käsehof volontiert

Schon vor der Abreise hatte sie die Anfrage erreicht, ob sie nicht in der ehemaligen Schwarzwaldklinik im Glottertal, heute ein Reha-Zentrum, das Freizeitatelier leiten wolle. Das tat sie nach ihrer Rückkehr mit der ihr eigenen Begeisterung, nicht ohne sich aber auch als Projektleiterin an der Naturparkschule Mönchweiler, im Deutschen Uhrenmuseum in Furtwangen und beim Gästeführerverein zu engagieren.

Dann kam ihre Bekanntschaft mit Martina Braun zum Tragen, deren Büro in der Niederen Straße in Villingen sie nach deren Wahl zur Landtagsabgeordneten der Grüneneine Legislatur lang leitete. Während der Coronapandemie nahm sie eine Auszeit als Wirtschafterin auf einer Almhütte in Kärnten und volontierte auf einem Käsehof. Durch den Wunsch, all ihre Talente unter einen Hut zu bringen, bildete sich Christine Hembach zur Bildungsreferentin für nachhaltige Entwicklung aus und bietet sich seither Unternehmen, Vereinen und Organisationen für Beratungen an.

Gespannt auf die Zukunft

Seit Juni diesen Jahres baut sie zusammen mit Marko Juric nun im ProKids-Café beim Uhrindustriemuseum das Quartiersmanagement „Innenstadt Schwenningen“ als Anlaufstelle und Treff für Begegnungen auf. 2024 rettete sie den Kneippverein vor der Auflösung mit der Übernahme des Vorsitzes. 2017 stand sie im Theater am Turm im „Käfig voller Narren“ als Schauspielerin auf der Bühne und übernahm auch schon Regieassistenzen. „Viele Puzzleteile“, sagt sie selbst über ihr turbulentes Leben, „die am Ende alle zusammenpassen. Ich bin gespannt, was noch kommt“.